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Staatsanleihen
 
13.06.2010

Finanzkrise Staatsanleihen Ratings allein zählen nicht

Von Erwin J. Frasl
Für Maurice Jiszda, Leiter des Geschäftsfeldes Alpha Capital Management bei Volksbank Investments, reicht es nicht mehr, ein mit gutem Rating versehenes Staatspapier zu kaufen und bis zur Endfälligkeit nicht mehr darüber nachzudenken. Hier die Details.
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Maurice Jiszda, Leiter des Geschäftsfeldes Alpha Capital Management bei Volksbank: "Kreditbewusstsein muss sich neu entwickeln"

Die hohe Staatsverschuldung einiger Länder verunsichert private Investoren, die überlegen, Staatsanleihen zu zeichnen. Maurice Jiszda, Leiter des Geschäftsfeldes Alpha Capital Management bei Volksbank Investments, gibt Einblick, was beim Erwerb von Staatsanleihen wichtig ist: „Kreditbewusstsein muss nach dem berechtigten Ende eines Jahrzehnts Einheitspreis im Segment der westlichen, vermeintlich bonitätsstarken, Staaten neu entwickelt werden. Erhebliche innereuropäische Renditeunterschiede verschwanden im Rahmen der Konvergenz-Euphorie der 90er-Jahre und führten zu einem Einheitspreis für Staats-Kreditrisiko innerhalb der Währungsunion. Rendite-Differenzen beliefen sich jahrelang nur auf einige Basispunkte und überstanden sogar den zum Platzen der Tech-Bubble sowie 9/11 korrespondierenden Bär-Markt am Beginn des Jahrtausends“.

Wichtige Folgen für Privatanleger

Die Implikationen für Investoren, insbesondere Private, sind enorm, so Jiszda. „Es reicht kaum mehr, ein mit gutem Rating versehenes Staatspapier zu kaufen und bis zur Endfälligkeit nicht mehr darüber nachzudenken. Die Bonitätsentscheidung muss bewusst getroffen werden und der mögliche Renditevorteil muss dem zusätzlichen Risiko gegenüber gestellt werden. Kann der Investor Bonitätsanalysen nicht durchführen und volkswirtschaftliche Szenarien nicht rechnen, ist eine breite Streuung im Rahmen des Investments angebracht. Wesentliche Parameter einer Investment-Entscheidung in Staatsanleihen sind beispielsweise Verschuldung zu Wirtschaftswachstum, Budgeterwartungen, Inflationserwartung, Exportabhängigkeiten und Inlandsnachfrage, Arbeitslosenrate und Entwicklung des Immobilienmarktes oder weitere Klumpenrisiken.

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Was sich Privatanleger fragen müssen

Privatinvestoren müssen sich ehrlich fragen, mit hoch ihr Sicherheitsbedürfnis ist und ob vielleicht schon vor der Endfälligkeit Veräußerungsbedarf bestehen kann, rät Jiszda. Denn bei einer langlaufenden Anleihe mit Restlaufzeit von zehn Jahren bringt 1,0 Prozent Anstieg der Rendite zur Zeit einen Marktwertverlust von etwa 8,5 Prozent (= modified Duration) mit sich, egal ob der Renditeanstieg aus der Änderung des allgemeinen Zinsniveaus oder einer Erhöhung des Kreditrisikoaufschlages kommt. Es kann passieren, dass der Marktwert des Investments während der Laufzeit deutlich vom investierten Betrag abweicht.

Neuemissionen versus ältere Emissionen

Ist es nun klüger Neuemissionen von Staatsanleihen zu erwerben oder doch vorteilhafter Anleihen zu kaufen, die bereits an einer Börse notieren? Für Jiszda verzeichnen Neuemissionen manchmal, vor allem in einem schwierigen Marktumfeld, geringe Renditevorteile. Die Liquidität ist in frischen Papieren tendenziell höher, die Preisspanne zwischen Verkaufskurs und Kaufkurs ist geringer. Ältere Emissionen könnten sich unter Umständen durch steuerliche Vorteile auszeichnen (KESt-Vorteil bei Kauf unter Par), allerdings ist dies im aktuell historisch niedrigen Zinsumfeld schwierig. Ebenso zum Renditevorteil kann Illiquidität in einer älteren Emission gereichen, doch muss der Bond bis zur Endfälligkeit gehalten werden, um den Vorteil auch zu lukrieren.

Welche Staaten für Anleger solide erscheinen

Auf die Frage, welche Staatsanleihen man privaten Anlegern derzeit empfehlen kann, meint Jiszda „in der Eurozone zählen Deutschland, Niederlande, Finnland und Frankreich aufgrund ihrer Haushaltsgebarung und geringeren Klumpenrisiken zu den sichersten Plätzen, etwaige CEE-Beimischungen basierend auf Wachstumserwartungen müssen klein gewichtet und breiter gestreut sein.

Wo Vorsicht angebracht ist

Vorsicht ist für Jiszda hingegen bei Einzeltitel-Investments im Süden der Eurozone angebracht. „Den Renditevorteilen stehen viele, schwer quantifizierbare und intransparente, Risiken gegenüber. Sollten nach Griechenland noch weitere Zahlungsprobleme auftreten, wird die Restrukturierung von Staatsanleihen auch in der Eurozone zumindest eine legitime Option sein, welche jedoch Neuland in der Eurozone darstellt“.

Und wie groß ist nun die Gefahr für Anleger, bei Staatsanleihen ihr Kapital zu verlieren? Jiszda: „Zahlen können aber nicht wollen ist die Ausnahme, eine derartige Situation war einmal in Ecuador der Fall. Bei Zahlungsunfähigkeit von Staaten werden die Anleihen meist restrukturiert. In diesem Prozess werden neue Bedingungen wie Laufzeit, Kupon udgl. vereinbart. Dies geht jedoch oft mit einem Teilverlust des eingesetzten Kapitals der Gläubiger einher. Im letzten Jahrzehnt beispielsweise verloren Investoren einen großen Teil des Kapitals in Argentinien, Moldawien und die Dominikanische Republik verursachten geringe Verluste.

Wenn ein Staat nicht mehr zahlt

Und was passiert mit Staaten, die nicht zahlen? Jiszda: „Der Markt regelt dies über Angebot und Nachfrage. Natürlich bleibt die Erinnerung an einen Staatsbankrott. Staaten, die Anleihen wieder begeben wollen, werden einen überdurchschnittlich hohen Kreditrisikoaufschlag bezahlen müssen. Wenn dazu auch der Staat bzw. der Staatshaushalt reformiert wurde und Vertrauen wieder aufgebaut werden konnte, werden die Bonds Käufer finden. Dann zeigt sich die Halbwertszeit des Vergessens.

Mag. (FH) Maurice Jiszda, CEFA

Maurice Jiszda ist Leiter des Geschäftsfeldes Alpha Capital Management bei Volksbank Investments. Nach dem Studium Finanz-,Rechnungs- und Steuerwesen (Fachhochschule FIRST Wien, 2001) und absolviertem CEFA-Programm (Certified European Financial Analyst, 2002) begann die Laufbahn im Fondsmanagement der Volksbank Invest KAG. Nach einigen Jahren als Fondsmanager wurde er 2008 Leiter des Teams Global Fixed Income. Unter dem jüngst formierten Dach von Volksbank Investments bekleidet Maurice Jiszda seit einigen Monaten die aktuelle Position.

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