21.07.2009
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Fall AWD

Gericht muss Vorwürfe klären

Von Erwin J. Frasl
Der Verein für Konsumenteninformation hat nun mit Hilfe des deutschen Prozessfinanzierers Foris die angekündigte erste Sammelklage gegen AWD bei Gericht eingebracht. Der Streitwert beträgt rund zwei Millionen Euro.
Fall AWD Verein für Konsumenteninformation Peter Kolba Finanzportal Biallo.at
Dr. Peter Kolba, Leiter der Rechtsabteilung des Verein für Konsumenteninformation, erhebt massive Vorwürfe gegen AWD
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) klagt mit Unterstützung des deutschen Prozessfinanzierers Foris gegen AWD. Die erste Sammelklage für 125 Geschädigte wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz am 30. Juni 2009 eingebracht. Streitwert: rund zwei Millionen Euro.


„Wir haben dem AWD Monate Zeit für eine außergerichtliche Lösung gegeben und selbst Vorschläge dafür eingemacht, weil wir wollen, dass die Geschädigten rasch zu ihrem Recht kommen“, sagt Dr. Peter Kolba, Leiter der Rechtsabteilung des VKI, „der AWD hat aber nur Scheinverhandlungen geführt und auf Zeit gespielt. Jetzt entscheiden die Gerichte.“

Systematische Falschberatung

Der Vorwurf an den AWD: Systematische Falschberatung beim Vertrieb von Aktien der Immofinanz und der Immoeast. Diese Immobilienaktien wurden konservativen Sparerinnen und Sparern systematisch als „so sicher wie ein Sparbuch“, sogar als „mündelsicher“ verkauft, so der VKI. Die Folge: Tausende haben falsche Produkte gekauft, dafür viel Geld gezahlt und nach den Kursverlusten ab Frühjahr 2007 teilweise ihre gesamten Ersparnisse verloren, so Kolba. Foris und der VKI verlangen vom AWD einen Verjährungsverzicht für alle rund 2.500 Fälle. Sollte der AWD das ablehnen, kündigen Foris und der VKI weitere Sammelklagen an.

Beim VKI haben sich rund 6.500 Personen gemeldet, die sich durch AWD Berater geschädigt fühlen. Geschätzter Gesamtschaden: etwa 60 Millionen Euro. Bis Ende März haben sich rund 2.500 Personen gemeldet, die sich an der Sammelklagen-Aktion des VKI beteiligen. Ihr Gesamtschaden: rund 40 Millionen Euro. Kolba: „Für diesen Schaden machen wir den AWD haftbar.“

Fall AWD

Gericht muss Vorwürfe klären

Von Erwin J. Frasl
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  1. AWD-BeraterInnen haben die Immofinanz-Aktien als „inländischen Investmentfonds“ angepriesen.
  2. AWD-BeraterInnen haben die Immofinanz-Aktien als „mündelsicher“ bezeichnet, und das ohne eine entsprechende Streuung des Vermögens oder ein sachgerechtes Management des Portfolios.
  3. AWD-ManagerInnen haben ihre BeraterInnen angetrieben, Immofinanz-Aktien bevorzugt zu verkaufen. Hohe Abschlussprovisionen und auch Bestandsprovisionen waren zusätzliche Motivation.
  4. Der AWD ist ein „Strukturvertrieb“. Dieser baut darauf auf, dass sich immer neue Berater finden, die als Berater losziehen. Dabei werden in erster Linie zuerst die eigenen Verwandten und Bekannten beworben. Ziel: Der Verkauf von Produkten bzw. die Anwerbung neuer Berater.
  5. Nach außen legt das „System AWD“ Wert auf Korrektheit. So werden die Berater offiziell dazu angehalten, allen Kunden eine sogenannte Gesprächsnotiz unterzeichnen zu lassen. In dieser finden sich im Kleindruck Risikohinweise und Bestätigungen des Kunden, korrekt belehrt worden zu sein. Die Wirklichkeit sah anders aus: Tausende Kunden geben an, dass der Berater diese Gesprächsnotiz selbst ausgefüllt habe, keineswegs auf die darin enthaltenen Risikohinweise aufmerksam machte und die Unterschrift des Kunden als „Formalität“ abtat.

Fall AWD

Gericht muss Vorwürfe klären

Von Erwin J. Frasl
Der Vorwurf an den AWD: Systematische Falschberatung beim Vertrieb von Aktien der Immofinanz und der Immoeast. Diese Immobilienaktien wurden konservativen Sparerinnen und Sparern systematisch als „so sicher wie ein Sparbuch“, sogar als „mündelsicher“ verkauft, so der VKI. Die Folge: Tausende haben falsche Produkte gekauft, dafür viel Geld gezahlt und nach den Kursverlusten ab Frühjahr 2007 teilweise ihre gesamten Ersparnisse verloren, so Kolba. Foris und der VKI verlangen vom AWD einen Verjährungsverzicht für alle rund 2.500 Fälle. Sollte der AWD das ablehnen, kündigen Foris und der VKI weitere Sammelklagen an.

Beim VKI haben sich rund 6.500 Personen gemeldet, die sich durch AWD Berater geschädigt fühlen. Geschätzter Gesamtschaden: etwa 60 Millionen Euro. Bis Ende März haben sich rund 2.500 Personen gemeldet, die sich an der Sammelklagen-Aktion des VKI beteiligen

Foto: Verein für Konsumenteninformation VKI ID:181