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Chinas Ziel: 10.000 Tonnen Goldreserve
 
20.11.2010

Im Interview Chinas Ziel: 10.000 Tonnen Goldreserve Was den Goldpreis weiter treibt

Von Erwin J. Frasl
Die Debatten um Für und Wider einer Geldanlage in Gold werden hitziger. Droht ein jäher Absturz des Goldpreises oder hält der Aufwärtstrend weiter an? Biallo.at sprach darüber mit dem Gold-Experten der Erste Bank Ronald Stöferle.
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Roland-Peter Stöferle, Investmentexperte der Erste Bank Oesterreich


Biallo.at: Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen ständig neue Rekordhöhen erreicht. Um diese Höhen zu erreichen hat es rund 20 Jahre gebraucht. Hat sich das für Anleger rentiert, ihr Geld so lange Zeit in Geld zu binden?

Ronald Stöferle: Meine klare Antwort lautet JEIN. Man muß sicherlich differenzieren zwischen Investoren die am Ende des letzten Bullenmarktes bei USD 850 gekauft haben und solchen die irgendwann Mitte der 90er Jahre oder gar zu Beginn des aktuellen Goldbullen im Jahre 2000 gekauft hat. Fairerweise muss man jedoch auch sagen, dass die USD 850 in 1980 ein kurzer „Spike“ waren.

Die letzte, finale „Mania-Phase“ endete im Januar 1980 beim Hoch von USD 850 je Unze. Im Laufe der letzten zehn Handelstage stieg dabei der Preis um 35 Prozent, in den letzten 6 Wochen hat sich der Preis beinahe verdoppelt (+94 Prozent). Ich denke also, dass nur wenige Anleger im damaligen Allzeithoch bei USD 850 eingestiegen sind. Nichtsdestotrotz gibt es – nachdem wir aktuell praktisch am Allzeithoch handeln – keine Anleger die auf Verlusten sitzen. Das ist heutzutage auch nicht unbedingt selbstverständlich.

Dennoch ist es klar, dass nominelle Vergleiche hinken. Die Qualität eines Dollars heute, unterscheidet sich maßgeblich von einem Dollar des Jahres 1980 oder 2000. Insofern liegt mein Kursziel ja auch bei USD 2.300, was dem inflationsbereinigten Allzeithoch entspricht.

Biallo.at: Wenn der Höhepunkt des Goldpreises erreicht wird – geht es dann mit dem Preis wieder ein Jahrzehnt nach unten?

Stöferle: Ich habe meine Glaskugel heute leider noch nicht geputzt und kann Ihnen die Frage deshalb leider nicht beantworten. Scherz beiseite. Fest steht, dass Gold – im Vergleich zu 2000 – sicherlich kein Contrarian-Investment mehr ist, obwohl die Skepsis nach wie vor groß ist und zahlreiche negative Argumente nach wie vor omnipräsent (Gold zahlt keine Zinsen, Gold ist hochspekulativ…) sind.

Wenn man sich das Stimmungsbild näher ansieht, dann sind wir von Euphorie weit entfernt, Gold ist definitiv kein Mainstream-Investment. Im Vergleich zur Nasdaq Anfang 2000, ist Gold ein unbeschriebenes Blatt. Würde man heutzutage zehn Personen nach drei Goldminenaktien befragen, so würde man kaum Antworten erhalten. Ein klarer Unterschied zur Situation vor wenigen Jahren als die breite Masse von Technologieaktien sprach, in hochspekulative Start-Ups investierte, oder US-Konsumenten im Vertrauen auf stetig steigende Immobilienpreise Hypotheken aufnahmen.

Auch in Zahlen ausgedrückt, erkennt man, dass die parabolische Phase bei Gold noch bevorstehen dürfte. So stieg der Nasdaq100 Index 1998 um 85 Prozent, 1999 sogar um 102 Prozent. Bis zum jähen Ende im März waren es weitere 27 Prozent im Jahr 2000. Am Ende der Hausse gab es 30 Aktien die 1999 um mehr als 1.000 Prozent zulegen konnten.

Ist der Vergleich von Trends unterschiedlicher Asset-Klassen überhaupt zulässig? Unser Meinung nach Ja, weil das menschliche Verhalten und die Emotionen in Extremphasen gleich sind. Gier und Angst und Panik bestimmen den Anfang und das Ende von Bullenmärkten. Insofern gehen wir davon aus, dass sich Gold bzw. Goldaktien ähnlich wie die Nasdaq Ende der 90er entwickeln könnten.

Der letzte Bullenmarkt wurde 1980 jäh beendet. Der damalige Chairman der Federal Reserve, Paul Volcker, erhöht innerhalb weniger Monate den Leitzins auf 20 Prozent. Wäre dies heutzutage ebenso möglich? Definitiv nicht! 1980 waren die USA eine der größten Gläubigernationen mit einer positiven Handelsbilanz. Zudem war die Finanzindustrie im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt (BIP) deutlich kleiner, Überschuldung war weder auf privater noch auf staatlicher Ebene ein Thema.

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Biallo.at: Wenn man die langfristige Inflationsentwicklung berücksichtigt – kann die Entwicklung des Goldpreises hier mithalten oder liegt der Goldpreis noch unter der langfristigen Geldentwertung? 

Stöferle: Die jüngsten Kurssteigerungen und das Überschreiten der (psychologisch) wichtigen Marke von USD 1.300 relativieren sich, wenn man den inflationsbereinigten Goldchart betrachtet. Inflationsbereinigt liegt das Hoch vom 21. Jänner 1980 (USD 850) bei USD 2.300 je Unze. Freilich sind dies die offiziellen Daten des Bureau auf Labor Statistics. Wenn man die alte Berechnungsweise von 1980 lt. Shadow Stats heranzieht, so müsste Gold auf USD 7.494 steigen um das Hoch aus 1980 real zu übertreffen. Würde man die MZM-Geldmenge von 1980 zum Vergleich heranziehen, so müsste Gold auf knapp USD 10.000 steigen.

Während der Goldpreis Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre bei bis zu 850 USD notierte, lag das durchschnittliche amerikanische Haushaltseinkommen bei rund 17.000 USD/Jahr. Heutzutage würde ein vierköpfiger Haushalt mit einem Jahreseinkommen von USD 17.000 bereits weit unter der Armutsgrenze leben. Auch die Verschuldung der amerikanischen Haushalte hat sich innerhalb der letzten Dekaden dramatisch ausgeweitet. Während die Privathaushalte 1987 noch mit USD 10,0 Billionen verschuldet waren, so liegt der Schuldenstand der US-Haushalte heute bei USD 28 Billionen. Somit ist ein nominaler Vergleich der Goldpreise auf Dekaden zurück nur bedingt sinnvoll, weshalb unser Ziel beim inflationsbereinigten Allzeithoch von USD 2.300 liegt.

Dass das Überschreiten der inflationsbereinigten Allzeithochs im Zuge eines Bullenmarktes normal ist, hat Erdöl bereits im Jahre 2008 vorexerziert. Das inflationsbereinigte Hoch wurde am Ende des Zyklus in der parabolischen Phase um mehr als 50 Prozent überstiegen. Analog dazu müsste Gold inflationsbereinigt auf USD 3.450 klettern.

Biallo.at: Thorsten Polleit, der Chefvolkswirt von Barclays Capital, hat zur Lösung der globalen Finanzkrise die Rückkehr der Währungssysteme auf den Goldstandard vorgeschlagen. Welche Staaten könnten sich massive Goldkäufe überhaupt leisten, um ihre Währungen so mit Gold abzusichern?

Stöferle: Also erstmals muß ich sagen, dass ich Prof. Polleit sehr sehr schätze. Sein aktuelles Buch „Geldreform – vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“ sollte man gelesen haben. Sicherlich auch ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Die Tatsache, dass Weltbankpräsident Robert Zoellick über einen Goldstandard spekuliert (wobei er hier meiner Meinung nach missinterpretiert wurde) oder auch James Grant in der New York Times („How to make the Dollar sound again“) über eine Golddeckung schreibt, stimmt mich sehr zuversichtlich. Vor zwei Jahren wäre dies in Mainstream-Medien noch völlig undenkbar gewesen.

Um Ihre Frage zu beantworten: Ob es sich die Staaten leisten können, hängt natürlich von der genauen Art und Weise ab, wie der Goldstandard definiert wird. Es gibt nicht „DEN Goldstandard“, es gab historisch gesehen dutzende verschiedene Ausprägungen mit teilweise sehr unterschiedlichen Nuancen. Gregor Hochreiter leistet hier übrigens hervorragende Arbeit und wird dazu ein von mir mit Spannung erwartetes Werk publizieren.

Zur Herleitung eines Kurszieles kann aber sicherlich auch die Staatsverschuldung in Relation zum Goldbestand der jeweiligen Notenbanken setzen und anschließend mit den historischen Ständen vergleichen. Deutschland (Goldbestand 3.400 Tonnen), Frankreich (2.435 Tonnen) und Italien (2.451 Tonnen) verfügen von den großen Goldhaltern somit ganz klar über die besten
Voraussetzungen.

In den USA müsste (bei einem Verschuldungsstand von USD 13 Billionen) der Goldpreis auf USD 45.000 je Unze steigen, um die Verschuldung komplett abzudecken. Fairerweise muß man jedoch sagen dass eine 100prozentige Golddeckung de facto nie gegeben war. 1915 sowie 1938 lag sie im Hoch (in den USA) bei knapp 55 Prozent, Ende der 70er Jahre lag der Deckungsgrad bei 17 Prozent. Derzeit sind 1,8 Prozent der US-Schulden mit Gold gedeckt, allein im Sinne einer Mean Reversion wären deutlich höhere Goldpreise also nur logisch.

Biallo.at: Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass das internationale Währungssystem zu einem Gold-Standard zurück kehrt, kaufen Indien und China immer wieder Gold auf. Werden diese Zukäufe längerfristig anhalten?

Stöferle: Definitiv. Generell sollte sich die Investmentnachfrage aus Asien weiterhin beschleunigen. Dafür verantwortlich sind die neuen Futures-Märkte, die Deregulierung des physischen Handels bzw. auch die neuen ETF’s, die derzeit in Asien massiv promotet werden. Die aufstrebenden Nationen wie China und Indien, aber auch Russland, Brasilien, oder Indonesien, weisen eine deutlich höhere Affinität zu Gold auf, als die G7-Staaten. Nachdem das Bevölkerungswachstum in den Schwellenländern signifikant höher ist, sollte dies langfristig klar positive Implikationen für die Goldnachfrage bedeuten.

War China 2002 noch für 5,0 Prozent des gesamten Weltbedarfs an Gold verantwortlich, so sind es heute knapp 12 Prozent. Mittlerweile wird bereits in Werbespots im öffentlichen Fernsehen empfohlen, physisches Gold und Silber zu kaufen. Die Nachfrage in China liegt derzeit bei lediglich 0,26 Gramm pro Kopf. Innerhalb der letzten fünf Jahre stieg sie im Schnitt um 13 Prozent pro Jahr. In den USA oder Japan liegt der Pro-Kopf Verbrauch bei etwa ein Gramm pro Jahr. Würden die 1,3 Milliarden Chinesen nur jeweils ein Gramm Gold kaufen, so wären dies 1.300 Tonnen und mehr als die halbe Jahresproduktion an Gold.

Aber auch die chinesische Notenbank wird langfristig weiterhin auf der Käuferseite zu finden sein. Hu Xiaolian, der ehemalige Chef der chinesischen Fremdwährungsagentur, meldete im Vorjahr eine Aufstockung der Goldreserven um 454 Tonnen auf nun 1.054 Tonnen. Die Aufstockung führte jedoch nicht zu einem Anstieg des Anteils von Gold an den Gesamtreserven. Per Saldo fiel der Anteil von 2,2 Prozent auf 1,6 Prozent, da die chinesischen Währungsreserven deutlich stärker stiegen als der Goldbestand. Dass China in Zukunft weiter massiv zukaufen wird, steht jedoch fest. Das belegen zahlreiche Aussagen honoriger Repräsentanten der Volksrepublik.

Erfahrungsgemäß werden solche Aussagen mit der Staats- und Parteiführung akkordiert. Ji Xianonan, Chef der chinesischen Finanzaufsicht, schlug unlängst vor, dass China’s Goldreserven innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre auf 6.000 Tonnen gesteigert werden sollten. In den nächsten zehn Jahren wolle man 10.000 Tonnen Gold besitzen. Demnach müsste China bis 2020 jährlich knapp 40 Prozent der Jahresproduktion aufkaufen.

Dies bemerkte auch Cheng Siwei, hochrangiger wirtschafspolitischer Repräsentant der Volksrepublik. “Gold is definitely an alternative, but when we buy, the price goes up. We have to do it carefully so as not stimulate the market…China is buying the dips”. Diese Aussagen passen in das aktuelle Chartbild von Gold, China kauft antizyklisch in fallenden Phasen. Der Leiter des Wirtschaftsausschusses der KP hat ebenfalls medienwirksam empfohlen, mehr Gold zu kaufen.

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