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Wirtschaftkrise gnadenlos
 
10.11.2012

Wirtschaftkrise gnadenlos Wir sind pleite

Von Erwin J. Frasl
Nicht nur in Deutschald - auch in Österreich rutschen private Haushalte immer öfter in die Insolvenz. Was dies für die Menschen bedeutet und wie man der Schuldenfalle entkommt.
Biallo.at: Wie viele Privatkonkurse befürchten Sie für dieses Jahr?


Johannes Nejedlik:
  Eine hohe Privatinsolvenzquote gibt nicht zwingend Auskunft über die Anzahl der Verschuldeten, sondern über jene, die sich vornehmen, ihre unbezahlbaren Schulden zu regulieren. Die meisten Konkurse werden über Antrag des Schuldners eröffnet – diese Eröffnung markiert also den Beginn der finanziellen Rehabilitation einer Person. Heuer ist mit einem Anstieg der Privatinsolvenzen von ca. zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zu rechnen.

Biallo.at: Wird es 2010 noch ärger? Was erwarten Sie da?

Nejedlik: Die Antwort auf diese Frage wird von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaftskrise abhängen. Der Arbeitsmarkt spielt hier ebenfalls eine Rolle. Wer  arbeitslos ist, benötigt in der Regel erst eine Anstellung, bevor er daran gehen kann, die Schulden mittels Privatkonkurs abzutragen. Es ist jetzt noch zu früh, seriöse Prognosen zu machen.

Biallo.at: Was sind aus Ihrer Erfahrung die Hauptursachen für den Privatkonkurs?

Nejedlik: Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Armut zu Schulden und schließlich zu Überschuldung führt. Es ist aus unserer Erfahrung genau umgekehrt: Nicht die Armut führt zu den Schulden, sondern die Schulden meist in die Armut oder anders ausgedrückt: zu hohe Schulden machen arm. Von diesem Phänomen sind mehr oder weniger alle Einkommensschichten betroffen. Wer sich finanziell übernimmt, die Übersicht über seine Fixkosten verliert und regelmäßig sein Girokonto überzieht, bewegt sich auf einem schmalen Grat. Kommen dann Faktoren wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, etc. dazu, wird jene Spirale in Gang gesetzt, die letztlich nur zu oft in die Armut führt.

Biallo.at: Wie viele Jugendliche sind von Privatkonkursen betroffen?

Nejedlik: Jugendliche sind davon überhaupt nicht betroffen, da sie nicht voll geschäftsfähig, sind. Wirklich hohe Verbindlichkeiten können Menschen erst anhäufen, wenn sie ein regelmäßiges Arbeitseinkommen haben, also etwa ab Anfang-Mitte 20. Im Jahr 2008 waren in der jüngsten Altersgruppe (20 und jünger) zwei Personen betroffen, im ersten Quartal 2009 kein einziger.

Biallo.at: Was können Private tun, um nicht in eine Schuldenfalle zu tappen?

Nejedlik: Viele Personen können ihre eigene finanzielle Lage nicht realistisch beurteilen. Leider zeigen sich viele derer, die bestimmte Konsumgüter haben möchten, beratungsresistent und empfinden es eher als Zumutung, wenn ihnen Kredite nicht oder nicht in der angestrebten Höhe gewährt werden.

Biallo.at: Was können Sie hier raten?

Nejedlik: Wir raten, alle Angaben zur eigenen Bonität offen auf den Tisch zu legen und die Einschätzungen seriöser Kreditgeber ernst zu nehmen. Kreditinstitute machen ihr Geschäft auch mit der Vergabe von Krediten. Wenn sie diese ablehnen, geschieht dies meist aus guten Gründen. Wenn man Raten nicht bezahlen kann bzw. sich die Einkommensverhältnisse ändern, sollte man nicht zuwarten, sondern sofort mit seinen Gläubigern Kontakt aufnehmen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Biallo.at: Und was sind Ihre konkreten Tipps, wie man vermeidet, allzu leicht in die Schuldenfalle zu geraten?

Nejedlik: Einen Haushaltsplan aufstellen – nicht laufend mehr Geld ausgeben, als man verdient. Konto niemals länger überziehen bzw. mindestens einmal im Jahr glattstellen. Keinesfalls eine Kontoüberziehung in einen „Umschuldungskredit“ umwandeln – es wird eine finanzielle Normalität suggeriert, die schon lange nicht mehr gegeben ist. Vor allem aber gilt: Verzicht auf teure Konsumgüter, die man sich nicht leisten kann. Durch viele kleine Finanzierungen verliert man leicht den Überblick.

Biallo.at: Leistet die Schule hier einen Beitrag, so dass schon Jugendliche den richtigen Umgang mit Geld lernen?

Nejedlik: Dies wird wohl individuell unterschiedlich sein und von der Art der Schule und vom betreffenden Lehrer abhängen. Wir haben aber immer wieder Anfragen von Schulen für Vorträge und entsenden in diesen Fällen sehr gerne unsere Experten, die vor Ort sehr praxisbezogen über diese Themen sprechen und mit den Jugendlichen diskutieren. Generell aber muss gelten: die Grunderkenntnis, dass Geld nur ausgegeben werden kann, wenn es vorher verdient wurde, sollte man schon vom Elternhaus mitbekommen haben.

Biallo.at: Welchen Beitrag können Sie als KSV leisten, damit Private nicht so leicht in einen Privatkonkurs hineinschlittern?

Nejedlik: Unsere Kundencenter stehen für alle offen, die wissen wollen, welche Daten über sie gespeichert sind. Gerne helfen wir auch dabei, eventuelle Sachverhalte zu klären bzw. beraten auch hinsichtlich der Stellen, an die sich Betroffene wenden können. Einmal jährlich kann auch schriftlich eine kostenlose Selbstauskunft bei uns angefordert werden.

Privatinsolvenz
Eine Privatinsolvenz kann selbst beim zuständigen Bezirksgericht beantragt werden (mit Zahlungsplan und Gläubigerliste). Dann kommt es zur Anberaumung einer Tagsatzung, zu der die Gläubiger geladen werden. Schuldenfrei ist man, wenn der Zahlungsplan erfüllt ist bzw. nach der Restschuldbefreiung durch einen Gerichtsbeschluss (nach sieben Jahren). Der Schuldner leistet seine Zahlungen an die Gläubiger, wobei als Basis die Existenzminimum-Tabelle herangezogen werden kann.
Die KSV1870-Gruppe
Der KSV1870 ist Österreichs größter Gläubigerschutzverband und Interessenvertretung für Wirtschaftstreibende mit rund 21.000 Mitgliedern auf freiwilliger Basis. Die KSV1870 Holding AG ist das Steuerungselement für die Unternehmen der Gruppe. Die KSV1870 Information GmbH liefert Wirtschaftsauskünfte und die Spezialisten der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH sorgen dafür, dass Außenstände schnell auf dem Konto des Gläubigers landen.
Leserkommentare
Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
20.09.2010 21:15 Uhr - von Herbert
Sprichwort
Meine Eltern haben mir immer und immer wieder folgenden Spruch eingehämmert: Den Bürgen wird man würgen. Nie, aber auch niemals eine Bürgschaft eingehen, nicht für Freunde, Familie oder wegen der Liebe. Wie es ausschaut, müssen Sie sich wohl der Vernunft halber vom Haus trennen.
04.08.2009 15:38 Uhr - von Sabine Embacher
Bürge
Ich wurde hochschwanger und obwohl ich nicht berufstätig war beim 4. Kind zu einer Bürgschaft bei meinem EX- Mann herangezogen. Naja die Gerichte haben alle einen Titel und so kann ich nicht mehr wegen Sittenwidrigkeit klagen. Außerdem habe ich einen 3/16 Anteil in dem, Haus in dem ich wohne (Erbe vom Vater) Wenn ich einen Privatkonkurs mache, damm sitz ich wohl auch noch mit meinen Kindern auf der Strasse, da ja die 3/16 Anteile verwertet werden müssen, und meine Schwestern das Haus liebend gerne verkaufen würden. Ich bin einfach total am Ende und für mich ist dieses Leben nicht mehr gerade lebenswert.Gibt es trotzdem noch einen Schimmer von Hoffnung für mich ?
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