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Walter K. Eichelburg
 
30.05.2012

Im Interview Walter K. Eichelburg Wie viel Euro verträgt Europa?

Von Wolfgang Thomas Walter
„Europa braucht den Euro nicht“ – Thilo Sarrazins neues Buch sorgte schon im Vorfeld für Aufregung. Europas Krisenpolitik, Gedankenspiele um einen „Geuro“, die Grenzen der Inflation und natürlich die derzeitigen Prügelknaben Gold und Silber sind Hauptthemen im Interview mit Walter K. Eichelburg aus Wien.
Walter K. Eichelburg Wie viel Euro verträgt Europa? Biallo.at Finanzportal
Alles Sarrazin? „Europa braucht den Euro nicht“ – mit diesem Buchtitel erregt Ex-SPD-Politiker Thilo Sarrazin erneut die Gemüter. Zuletzt erwies sich der frühere Bundesbanker am Sonntagabend in einer deutschen Talkshow als streitbarer Zeitgenosse. Ist Sarrazin auch in Österreich ein Thema – und wie wird über ihn in der Öffentlichkeit diskutiert?

Walter K. Eichelburg: Sarrazin ist in Österreich nur am Rande ein Thema, er ist auch schon im österreichischen Fernsehen interviewt worden - wegen seinem 1. Buch. Hier auf hartgeld.com wo der Untergang des Euro beobachtet wird, ist es klarerweise ein Thema.

Bankenrun: Griechenland, Spanien, Italien – aus Furcht vor einer raschen Verschärfung der Eurowährungskrise transferieren viele, insbesondere wohlhabende, Bürger Geld in ihren Heimatländern aus der Euro-Währungszone heraus – etwa nach England. Wie wahrscheinlich ist eine solche Entwicklung auch in Österreich oder Deutschland in naher Zukunft?

Eichelburg: Bei Griechenland dürfte diese Kapitalflucht schon grossteils abgeschlossen sein. Bei Italien und Spanien hat sie begonnen. So kaufen etwa Italiener Wohnungen in Berlin. Daneben flüchten Fonds, Banken Versicherungen aus diesen Staaten und kaufen etwa zu Höchstpreisen deutsche Bundesanleihen.
Der nächste Staat, den es betrifft, ist Frankreich. Dorft flüchten bereits die Reichen, wegen der neuen Linksregierung Hollande. Zuletzt kommt Deutschland dran, etwa weil nicht mehr geglaubt wird, dass dieses Land alle anderen Eurostaaten retten könnte. Dann ist es aus, der Euro crasht. Dann hilft uns nur mehr Gold als Rettungsboot.

Der neue Geuro:
Ungewöhnliche Töne aus der Chefetage der Deutschen Bank. Eine neue Parallelwährung soll Hellas weiter am Euro teilhaben lassen. Zwei Währungen zugleich für ein Land – eine realistische Option oder ein Treppenwitz?

Eichelburg: Das ist ein Treppenwitz. Oder auch nur Ablenkung. In der Chefetage der Deutschen Bank sollte man wissen, dass die neue Drachme bereits gedruckt ist und auch über alle Planungen zum griechischen Euro-Austritt. Eine Doppelwährung funktioniert nicht, weil immer die Schlechtere abgestossen wird. Ausserdem ist es für eine Spaltung des Euro in einen Nord-Euro und einen Süd-Euro ohnehin bereits zu spät - auch so eine Idee, die immer wieder auftaucht.

Börsenstimmung:
Griechenland und Spanien stecken tief in der Klemme, was auch den Anlegern an den Finanzmärkten zunehmend Kopfschmerzen bereitet. Wo sehen sie 2012 den ATX und andere Indizes, wenn die Griechenland-Wahl wie erwartet ausgeht.

Eichelburg: Alle Aktienindizes werden sehr tief fallen, wenn auch die deutschen Bundesanleihen abverkauft werden. Vermutlich auf 1/10 des heutigen Wertes - so wie derzeit schon in Griechenland. Griechenland wird bald aus dem Euro austreten oder rausgeworfen werden, die Vorbereitungen werden bereits gemacht. Dann kann es den ganzen Euro zusammenhauen, weil eine Panikflucht daraus beginnt.

Inflation ante portas?
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wollte “lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit”. Am Ende bekam er beides. Auch jetzt scheint die Politik mit weiter steigender Inflation als Kriseninstrument zu liebäugeln. Wie viel Inflation verträgt eigentlich ein wie Deutschland oder Österreich – wann wird sie zur Bedrohung.

Eichelburg: Die fünf Prozent Inflation haben wir bereits in der Eurozone, sogar mehr, wenn man nachrechnet. Es wird uns nur eine Lügenzahl vorgegaukelt, damit der Bondmarkt nicht crasht. Die Deutschen vertragen generell weniger Inflation als andere Länder, eine Erinnerung an die Hyperinflation von 1923. Seit 2011 läuft bereits unterschwellig ein Crack-Up-Boom, wo Euros in Immobilien oder Gold umgesetzt werden. Oder sie werden etwa für Hausrenovierungen ausgegeben. Die grosse Panik ist es aber noch nicht.

Hollande gegen Merkel: Kaum ist Frankreichs neuer sozialistischer Präsident Francois Hollande im Amt, weht der deutschen Kanzlerin kalte Luft um die Nase. Wenige Tage vor dem EU-Gipfel in Brüssel scheint eine Konfrontation zwischen Frankreich und Deutschland unausweichlich. Wer wird hier Ihrer Meinung nach als „Sieger“ hervorgehen?

Eichelburg: Die Konfrontation zwischen Deutschland und Frankreich ist unter Hollande überall zu sehen. Wenn der Euro nicht schon durch die Marktkräfte untergeht, wird er das in absehbarer Zeit aus politischen Gründen tun. Sarkozy hat mit Merkel/Schäuble kooperiert, wenn es um die Euro-Rettungen geht, Hollande macht das nicht.

Schlafende Bullen: Ob Drückung oder nicht – bei Gold und auch bei Silber wird der säkulare Aufwärtstrend derzeit ernsthaft getestet. Wie beurteilen sie die aktuelle Charttechnik und wo könnte ein vorübergehendes Tief beim Gold- respektive Silberpreis liegen?

Eichelburg:
Die Charttechnik sagt generell wenig aus, da die Märkte bis zum Extrem manipuliert sind. Die Aktienindizes werden hochgehalten, die Preise von Gold und Silber niedrig. Das letzte Tief bei Gold/Silber dürften wir vergangene Woche gesehen haben, ab jetzt sollte es weit nach oben gehen. Nicht vergessen, wenn der Euro untergeht, bleibt nur mehr Gold als Rettungsboot.

 

Leserkommentare
Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
24.05.2012 11:12 Uhr - von Buffett
Eichlburg lügt sich um Kopf und Kragen
hahaha - wieder kein Wort zu den sinkenden Besucherzahlen
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Foto: Walter K. Eichelburg, hartgeld.com ID:2605
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