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Rudolf Brenner, philoro Edelmetalle
 
14.05.2013

Rudolf Brenner, philoro Edelmetalle Gold bleibt Trumpf

Von Wolfgang Thomas Walter
Gold als Vermögensschutz, der Goldpreises 2013, ein ewiger „Gold-Bubble-Mythos“. Mag. (FH) Rudolf Brenner von philoro Edelmetalle GmbH im Interview.
Mag. (FH) Rudolf Brenner, philoro EDELMETALLE GmbH
Biallo.at: Wie kann ich mein angespartes Vermögen bestmöglich schützen? Angesichts der anhaltenden Euro-Schwäche suchen viele Anleger nach sicheren Anlageformen. In einer Umfrage von Biallo.at stimmten über 70 Prozent für Gold als sicheren Hafen für ihr Erspartes. Was können unsere User in Sachen Gold in den nächsten Jahren noch erwarten?

Mag. Rudolf Brenner: Für das Jahr 2013 kann man von einer Steigerung des Goldpreises ausgehen; bis zum Sommer könnten Kursniveaus um die 1.800 USD je Feinunze erreicht werden. Die wesentlichen Gründe dafür liegen in den weiterhin negativen Realzinsen und den anhaltenden starken Goldkäufen von Privatanlegern und vor allem Zentralbanken. Zusätzlich positiv wird sich das robuste Wirtschaftswachstum in China auswirken, was eine unmittelbare Zunahme der Goldkäufe bewirkt. Lediglich die Nachfrage aus Indien könnte auf Grund der Erhöhung der Importsteuer etwas schwächer ausfallen. Auch die Angstkäufe im Zusammenhang mit der Eurokrise dürften sich auf Grund der vorerst relativen Entspannung
etwas reduzieren

Langfristig gesehen ist Gold ist weiterhin in einer Phase der Remonetarisierung. Dies sieht man am eindrucksvollsten anhand einer Studie von der Steinbeis-Hochschule Berlin. Diese ergab, dass bereits sieben Prozent der weltweit im Umlauf befindlichen Goldbestände sich im Besitz von deutschen privaten Haushalten und der Bundesbank befinden. Dies entspricht einem aktuellen Gegenwert von etwa 493 Mrd. Euro. Die deutschen Privathaushalte besitzen insgesamt etwa 8.000 Tonnen an physischem Gold.

Als Hauptmotive für ein Goldinvestment wurde der langfristige Werterhalt sowie die langfristige Anlageperspektive und der unmittelbare physische Besitz angegeben. 96 Prozent der Privatpersonen, die sich in der Vergangenheit für ein Goldinvestment entschieden haben sind mit ihrer Entscheidung zufrieden und gaben an, weitere Investments zu tätigen.



Die Studie belegt ganz eindeutig, dass die Beliebtheit von Gold bei deutschen Privatpersonen weiterhin Bestand hat. Der physische Besitz ist in den letzten beiden Jahren weiter gestiegen, das Edelmetall besitzt nach wie vor den Status als sicherer Hafen.

Um eine Umkehr dieses Trends zu erzeugen, wären folgende Faktoren notwendig:

  • Die Realzinsen müssten über längeren Zeitraum über + drei Prozent bleiben,
  • Gold müsste im Vergleich zu anderen Assetklassen eine deutliche Überbewertung aufweisen,
  • eine grundlegende Änderung der Schuldenpolitik der OECD Länder müsste eintreten,
  • das Ende von weiteren Stimulusmaßnahmen der Zentralbanken bevorstehen,
  • China und Indien müssten in eine tiefe Rezession rutschen,
  • eine starke Aufwertung des USD eintreten,
  • Minenproduzenten massives Hedging betreiben.
Biallo.at: Viele Statistiken sprechen dafür, dass der Goldpreis 2013 deutlich anziehen wird. Wie stark beeinflussen Ihrer Meinung nach saisonale Effekte den Goldpreis tatsächlich?

Mag. Brenner: Historisch betrachtet, haben die Monate Mai und September eine besondere Bedeutung für den Goldmarkt. Im Durchschnitt zählen diese Monate zu den nachfrage- und performancestärksten.
Auch zum Jahresende gewinnt der Goldpreis traditionell an Unterstützung. Dies hängt vor allem mit jährlich wiederkehrende Ereignissen ab wie:
  • der Hochzeitssaison in Indien.
  • die andauernden Feierlichkeiten in China ab Oktober, oder das chinesische Neujahrsfest Anfang des Jahres.
  • das Ende des Ramadans im September, wo traditionell Goldgeschenke gemacht werden.
  • dem Herbst, wo die Schmuckindustrie der westlichen Länder beginnt, die Lagerbestände im Hinblick auf Weihnachten zu füllen.
Deshalb weisen das 4. sowie das 1. Quartal eines Jahres die besten Performances für Gold auf, im 2. Quartal korrigiert der Goldpreis häufig deutlich und im 3. Quartal ist oft eine Seitwärtstendenz sichtbar.

Ausnahmen sind auch beim Gold auf jeden Fall zu berücksichtigen. Die Jahreszeit ist auch nur einer von vielen Faktoren, die sich auf die Preisentwicklung auswirken. Gold neigt oft zu rasanten und schubartigen Anstiegen, was durchaus auch zu saisonal uninteressanten Zeiten auftreten kann. Eine saisonal günstige Jahreszeit macht einen derartigen Anstieg jedoch wahrscheinlicher und stärker.

Trotz dieser Einschränkungen kann man davon ausgehen, dass sich Händler und Spekulanten oder Schmuckkäufer die bei Gold und auch Silber auftretenden Saisonalitäten für Kauf- und Verkaufsentscheidungen hilfreich sein können.

Biallo.at: Gold wird so viel Wert beigemessen, weil die jährliche Produktion in Relation zum Bestand so gering ist. Ist diese Stabilität und Sicherheit eine der zentralen Voraussetzungen für das große Vertrauen vieler Investoren?

Mag. Brenner: Am besten kann man das Thema Neuproduktion anhand der aktuellen Situation der Goldminen beschreiben.

Die Förderkurve der Minen entspricht nahezu der einer Glockenkurve. Dies zeigt sich auch in der aktuellen Ausbeute hinsichtlich des Goldgehaltes, der in den Erzen vorgefunden wird. Diese sind seit Jahrzehnten im Absinken – damit verbunden steigt der notwendige Abraum um ein Vielfaches an. Zusätzlich erschweren die Verunreinigungen im Erz die Verteilung des Goldes, welche immer feinkörniger wird. Dies alles ruft schließlich einen erhöhten Energieaufwand, der zur Goldgewinnung notwendig wird, hervor.

Verschiedene Studien prognostizieren, dass die Goldförderung in naher Zukunft
verstärkt aus sekundären Quellen wie Kupfer-Lagerstätten stammen wird.

Wissenschaftler sprechen analog zum Öl auch beim Gold von Peak-Gold-Szenarien. Demnach wird das Maximum der Goldförderung in den Jahren 2027 bis 2044 erreicht, jeweils in moderaten jährlichen Schritten. Dann fällt die Produktion rasant ab und kann danach nicht durch Sekundärquellen ersetzt werden.



Die Situation der Goldminen hat neben sinkendem Goldgehalt in den Erzen auch folgende Problemfelder aufzuweisen:

  • People: es mangelt an Facharbeitern. Durch die Beschäftigung von Geologen und Spezialisten steigen die Personalkosten.
  • Procurement: Die Kosten für die Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen für die Förderung steigen ebenfalls rasant.
  • Power: erhöhte Energiekosten.
  • Permits: Bergbaulizenzen werden immer teurer.
  • Projects: Reserven können kaum oder nur teilweise ersetzt werden.
  • Politics: zunehmende staatliche Eingriffe, Umweltschutzauflagen oder neue Steuern belasten zusätzlich.
Biallo.at: "Erst wenn die Masse Gold um jeden Preis will, beginnt die Maniephase“ – so ein Satz von Goldmann Eichelburg von hartgeld.com. Sehen wir diese Phase schon 2013?

Mag. Brenner: Im Jahr 2012 hat sich der Goldpreis im Ergebnis nahezu seitwärts bewegt; er verharrt im Bereich um die 1.650 USD je Feinunze und notiert weit entfernt von den historischen Höchstständen um die 1.950 USD. Der Grund warum die Maniephase vermutlich nicht unmittelbar bevorsteht, liegt sicherlich darin, dass derzeit nicht Cash sondern „Cashflow“ gefragt ist. Dadurch fließen Unsummen in hochverzinsliche Unternehmens- und Schwellenländeranleihen, in italienische und spanische Staatsanleihen und auch in Aktientitel mit einer ansprechenden Dividende.

Gold ist derzeit zwar in vielen Anlegerportfolios als Diversifikationselement enthalten, weist aber keinen positiven kurzfristigen Trend auf und wird daher seitens kommerzieller Marktteilnehmer nicht aufgestockt. Gold könnte für einige Monate in einer Tradingrange verbleiben, mit einer Bandbreite zwischen 1.600 und 1.800 USD.
Langfristig kann man jedoch weiterhin sehr optimistisch bleiben, Gold ist die einzig harte Währung, und je mehr sich die allgemeine Verschuldungssituation zuspitzt, umso sinnvoller wird es sein, in Gold zu veranlagen.

Eine parabolische Phase des Goldpreisanstieges wird es definitiv geben. Im Jahr 2013 wird diese jedoch aller Voraussicht nach nicht eintreten, dafür ist das wirtschaftliche Umfeld noch zu stabil.
Biallo.at: Gerüchte um einen sogenannten „Gold-Bubble“ sind natürlich in Phasen starker Bullenmärkte kaum zu vermeiden. Erwarten Sie in den kommenden Monaten eine weitere Welle an Versuchen, den Goldpreis zu drücken?

Mag. Brenner: Es spricht vieles dafür, dass derzeit seitens Zentralbanken oder anderer Marktteilnehmer nicht gegen Gold interveniert wird. Zum einen sind Zentralbanken in den letzten Jahren zu Nettokäufern geworden, zum Anderen könnten Interventionen teuer werden, da der Goldmarkt wesentlich liquider geworden ist.

Beide Gründe sprechen derzeit gegen die Manipulationen. Wer eine Verzerrung von Marktpreisen durch öffentliche Stellen befürchtet, sollte zuerst auf die Kurse von Staatsanleihen schauen.

Dennoch haben Zentralbanken seit den 90er Jahren systematisch gegen den Anstieg des Goldpreises interveniert. Einerseits um die Inflationserwartung abzuschwächen, anderseits um den US-Dollar zu stärken. Das Vertrauen in den US-Dollar war besonders wichtig, da hier eine kreditbasierte Währung gegenüber dem härtesten Wettbewerber Gold geschützt werden musste. Auch in der Finanzkrise wäre es fatal gewesen, wenn der Goldpreis nach oben ausgebrochen wäre. Wenige hätten noch daran geglaubt, dass das Finanzsystem gerettet werden kann.

Auch wenn sich das Ausmaß stark reduziert hat, so wird doch weiterhin durch die Verleihgeschäfte der Zentralbanken teilweise immer noch auf dem Goldmarkt interveniert. Das Verleasen von Gold war über Jahrzehnte eine lukrative Angelegenheit, sowohl für Zentral- als auch für kommerzielle Banken. Durch die Fülle von Goldbeständen die auf den Markt geworfen wurden, hat der Kurs stark gelitten.

Biallo.at: Was sind Ihrer Einschätzung nach die gröbsten Fehler, die Anleger derzeit bei ihren Investments in Edelmetalle machen?

Mag. Brenner: Viele Marktteilnehmer wollen, besonders bei der Erstveranlagung in Edelmetalle, den richtigen Zeitpunkt perfekt timen. Dies ist unmöglich. Wenn man den Entschluss trifft, einen Teil seines Vermögens in Edelmetalle zu veranlagen, ist der Zeitpunkt des Einstieges irrelevant. Edelmetalle haben einen Diversifikationseffekt, senken die Volatilität der Gesamtveranlagung und sollten daher in jedem ausgewogenen Portfolio enthalten sein.

Es ist absolut empfehlenswert, der physischen Veranlagung in Gold den Vorzug gegenüber einer derivativen Form zu geben. Bei der physischen Veranlagung sollte man idealerweise auf ein gemischtes Portfolio aus Münzen und Barren mit verschieden Größen setzen. Dies macht Teilveräußerungen kostengünstiger und erspart Umschichtungskosten bei dem Verkauf einer größeren Einheit Gold. Im Bereich Anlagemünzen sollte man unbedingt in Produkte mit weltweitem Bekanntheitsgrad wie Krügerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker investieren. Diese Münzen sind sehr liquide und werden rund um den Globus jederzeit an- und verkauft.

Der Vorteil von Goldbarren liegt besonders darin, dass bei größeren Einheiten ein geringerer Aufpreis zum Materialpreis zu zahlen ist. Bei Goldbarren sollte man unbedingt darauf achten, dass diese ausschließlich Feingoldcharakter besitzen und von einem etablierten Hersteller stammen.

Bei Silber gilt es zu beachten, dass in Deutschland Münzen (noch!) mit sieben Prozent und Barren mit 19 Prozent besteuert sind. Ab 2014 sollen auch Anlagemünzen mit 19 Prozentbesteuert werden. In Österreich ist Silber zu Anlagezwecken einheitlich mit 20 Prozent besteuert. Diversifikation in Silber ist grundsätzlich sinnvoll. Es sollte jedoch unbedingt beachtet werden, dass Silber auch ein Industriemetall ist und der Preis im Konjunkturzyklus entsprechend schwanken kann.

Gold- und Silberminenaktien würde ich aufgrund der erhöhten Wertschwankungen nur erfahrenen Anlegern empfehlen. Falls man doch in diesem Bereich veranlagen möchte empfiehlt sich der Kauf eines Investmentfonds.
Biallo.at: Wie sieht Ihre persönliche Anlagestrategie in Sachen Gold für 2013 aus?

Mag. Brenner: Grundsätzlich sollte man sich zuallererst die Frage stellen, wie das eigene Vermögen strukturiert ist und in welchem Ausmaß es Sinn macht, in Edelmetalle zu investieren um einen Diversifikationseffekt zu erreichen. Dies hängt unter Umständen nicht unbedingt vom Marktumfeld ab. Auf unserer Website www.philoro.at haben wir eine Studie über den Diversifikationseffekt von Edelmetallen auf die Gesamtveranlagung durchgeführt. Gold hat besonders über lange Zeiträume und auf Grund seiner negativen Korrelation zu anderen Assetklassen wie Anleihen, Aktien oder Immobilien einen reduzierenden Effekt auf die Schwankungsbreite der Gesamtveranlagung. Besonders in hochvolatilen Phasen verringert Gold die Schwankungen im Portfolio. Zudem gibt es keine statistisch signifikante Korrelation zwischen Gold- und Konjunkturdaten. Ausschlaggebend dafür dürfte wohl sein, dass Gold keinem Liquiditätsrisiko unterliegt, einem geringeren Marktrisiko ausgesetzt ist und über kein Kreditrisiko verfügt. Gold ist – im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen - an keine Verbindlichkeiten oder Versprechungen geknüpft. Wir halten es bei philoro für unumgänglich, einen gewissen Anteil von mindestens zehn Prozent eines Vermögens, in Edelmetalle zu investieren.

Auch für das Jahr 2013 sollte man in eine ausgewogene Allokation veranlagen und dabei keinesfalls auf Gold verzichten.

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