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Roland Peter Stöferle
 
26.04.2013

Interview Roland Peter Stöferle Die Shortpositionen müssen nun gecovert werden, nachdem sich Banken eine goldene Nase verdient haben

Von Wolfgang Thomas Walter
Der jüngste Crash hat den Edelmetallmarkt verändert und Gold als sichersten aller Häfen einen Dämpfer versetzt. Kein Grund zur Panik, sagt Goldprofi Stöferle und rät Gold-Bugs: Jetzt erst recht!
Roland Peter Stöferle Ich sehe Gold nach wie vor als Währung
Ronald-Peter Stöferle ist seit 2013 Partner und Geschäftsführer bei der Incrementum AG
Biallo.at: Nach dem jüngsten Crash ist der Ruf des Goldes als sicherster aller Häfen erst einmal gründlich ruiniert. Könnte eine neue Hausse deshalb sehr lange auf sich warten lassen?

Roland Peter Stöferle: Zunächst einmal muss man ganz klar sagen: Beim zurückliegenden Crash im April handelte es sich um einen Crash am Papiermarkt, nicht im physischen Gold-Markt. Die Nachfrage am physischen Goldmarkt ist mehr als intakt. Aus vielen Gesprächen mit physischen Händlern weiß ich, dass Gold aber auch Silber in Österreich, Deutschland oder Schweden, aber auch beispielsweise auch in China, praktisch leergekauft sind. Von einem prinzipiellen Ende der Hausse kann keine Rede sein.

Biallo.at: Nach dem Kursgemetzel am Goldmarkt dürfte es vorerst weiter hektisch hin und her gehen. Leerverkäufer, die spätestens bei 1.530 Dollar massiv agiert haben, müssen sich irgendwann wieder eindecken und werden immer wieder für Nachfrageschübe und kurzfristige Rallyes sorgen. Wie schätzen Sie das kurzfristige Szenario am Goldmarkt ein?

Stöferle: In der Tat haben wir hektische Tage am Papiermarkt seit dem Crash Mitte April hinter uns. Das hatte eine Reihe von Gründen. Etwa die früh herausgekommen FED-Minutes, die nur wenigen Marktteilnehmer zu Verfügung standen, der negative Input der ABN AMRO Bank, der LMBA oder zahlreicher physischer ETFs. Und nicht zuletzt die ominösen Verkaufsempfehlung durch Goldman Sachs. Sehr viel Papiergold wurde und wird in physisches Gold gewandelt. Die Shortpositionen in Silber liegen auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren, in Gold seit 13 Jahren. Diese müssen nun gecovert werden, nachdem sich Banken eine goldene Nase – wir sprechen hier mit Sicherheit von einem Volumen von vier bis fünf Milliarden US-Dollar – verdient haben. Papiergold entfernt sich immer weiter von physischem Gold.

Schon seltsam: Am Freitag (12. April) wurden im dünnen Handel plötzlich große Volumina gegeben, obwohl man weiß, dass das vom Markt nicht aufgenommen werden kann. Allein zwei Verkaufsorders von insgesamt 400 Tonnen in einem zeitlich kurzen Abstand von zwei Stunden zwangen den Goldpreis in die Knie. Er rutschte unter die wichtige Schwelle von 1.540 Dollar je Feinunze. Wenn jemand an einem Freitag, an dem die Händler ins Wochenende aufbrechen, plötzlich 400 Tonnen Gold oder 15 Prozent der Jahresweltproduktion verkauft, muss der Preis ja einbrechen. All diese Szenarien haben am Wochenende des 13. / 14. April und dem Montag darauf zahlreiche Privatanleger verunsichert – und letztlich das Panik-Low mit panikartigen Verkäufen am Papiermarkt herbeigeführt. Mich erinnert dies alles an den Flash-Crash damals beim Dow Jones, wo auch keiner wusste, was genau passiert ist.
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Biallo.at: Auch für viele Privatanleger hat Gold mittlerweile an Glanz verloren. Was könnte nach dem Höhenflug von Gold als gewinnbringendes Investment folgen? Das Edelmetall Palladium, wie viele Experten seit längerem munkeln?

Stöferle: Ich sehe Gold nach wie vor als Währung, nicht als Rohstoff, der jedes Jahr um 1,5 Prozent steigt. Das weltweite Goldvolumen beträgt etwa 170 Tausend Tonnen. Die jährliche Goldförderung liegt derzeit bei 2.600 Tonnen. Würde man nun die Förderung auf etwa 2.000 Tonnen drosseln, hätte dies keine Auswirkung auf den Goldpreis – ebenso wenig wie ein Anstieg der Jahresproduktion auf sagen wir 3.000 Tonnen.

Palladium oder Platin hingegen sind Rohstoffe, keine monetären Metalle. Sie werden stark von der Fördermenge oder von Produktionsprozessen bestimmt. Die Wertentwicklung bei Palladium ist beispielsweise abhängig von der Automobilbranche – etwa bei der Produktion von Katalysatoren. Ein Wertentwicklungspotenzial als Währung wie bei Gold sehe ich nicht.

Biallo.at:
In einem aktuellen Gold-Spezialreport kündigten die Analysten der Erste Bank an, ihre Prognosen für Gold zu revidieren. Welches Kursziel sehen Sie anstelle der bisherigen Marke von 2.300-Dollar?

Stöferle: Zum aktuellen Spezial-Report der Erste kann ich nichts sagen, hieran war ich nicht beteiligt. Der neue „In Gold we Trust“ Report ist in Vorbereitung und wird wie gewohnt Ende Juni erscheinen. Eine konkrete Zahl möchte ich derzeit nicht nennen. Als ich das Chance-Risiko-Profil bei Gold erstmals erstellt habe, lag der Goldpreis bei 500 US-Dollar – mit dem Ziel von 2.300 US-Dollar am Ende des Trends. Das Chance-Risiko-Profil bei Gold sehe ich derzeit besser denn je.
Zur Person Roland Peter Stöferle

Nach sechs Jahren hat Ronald-Peter Stöferle im Dezember 2012 die Erste Bank verlassen und ist seither Partner und Geschäftsführer der Incrementum AG (derzeit in Gründung) mit Sitz in Liechtenstein. Er wird in Zukunft einen Rohstofffonds managen sowie einen eigenen, neuen Fonds lancieren. Als Berater der Erste Group wird er auch künftig jährlich einen Goldreport publizieren
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