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Gold und Co.
 
07.10.2012

Gold und Co. Love it or leave it

Von Wolfgang Thomas Walter
Zinsenschwund, Schuldendebakel, Staatshaushaltskrisen. Sparer und Investoren bleiben ratlos. Soll ich in der aktuellen Lage auf Edelmetalle setzen? Ein Kenner hat Rat.
Roland-Peter Stöferle Gold silber Platin Love it or leave it Finanzportal Biallo.at
Begehrt in guten und schlechten Zeiten - Gold
Biallo.at: Silber, Platin oder Gold? Geringes Zinsniveau und wachsende Risikobereitschaft beflügeln aktuell neben Silber auch die Preisentwicklung der Platingruppenmetalle. Der Goldchart hingegen bewegt sich seit Dezember in einer volatilen Seitwärtsbewegung. Für einen Ausbruch müssen hartnäckige Widerstände durchbrochen werden. Ihr Favorit für 2013?

Roland-Peter Stöferle: Die Stimmung hat sich deutlich eingetrübt. Trotz allem notierte der Goldpreis im Vorjahr um 6,2 Prozent fester, dies war bereits das 12. positive Jahr in Folge. Insofern würde ich den derzeitigen Pessimismus als „Jammern auf hohem Niveau“ bezeichnen. Wir befinden uns technisch gesehen derzeit sowohl bei Gold, als auch Silber in einer „make or break“-Situation. Beide Metalle notieren über der 200-Tage-Linie aber auch unter ihrem Widerstand in Form der 50-Tage-Linie. Die Saisonalität dreht nun langsam ins Negative, während sich das Sentiment deutlich eingetrübt hat, das erkennt man auch am CoT-Report. Zudem haben zahlreiche große Investmentbanken ihre Kursziele reduziert, die Credit Suisse sprach beispielsweise von einem „wounded bull“. Dies stimmt mich aus Sicht eines Contrarians äußerst zuversichtlich, schließlich enden langfristige Bullenmärkte niemals mit Skepsis und Angst, sondern immer in der Euphorie. Zudem denke ich, dass die Inflationierungspolitik seitens der Notenbanken munter weitergehen wird. Japan ist hier ein gutes Beispiel, man propagiert nun „unlimited QE“. Das Ergebnis: Auf Yen-Basis notiert der Goldpreis auf einem neuen Allzeithoch. Ähnliches wird auch auf Euro, Dollar- und Pfund-Basis a la longue passieren.

Man erkennt derzeit, dass sich einige Makro-Daten deutlich besser als prognostiziert entwickeln. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass sich Silber auf Jahressicht am Besten entwickeln wird. Bei Gold halte ich neue Allzeithochs für realistisch, ja sogar sehr wahrscheinlich. Für Platin sehe ich im Moment nur noch relativ wenig Upside.


Biallo.at: Börsen-Hype:
Offenbar verliert die Euro-Schuldenkrise seit geraumer Zeit an Schrecken. Die Börsen jedenfalls eilen von Hoch zu Hoch, die Risikobereitschaft steigt. Sind sichere Häfen wie Gold oder der Schweizer Franken nun automatisch korrekturanfällig?

Stöferle: Ich halte die derzeitige „Krise war gestern-Stimmung“ für trügerisch. Als Goldinvestor sollte man sich folgende einfache Fragen stellen:

  • Hat sich die Staatsschuldenthematik gebessert, sehen wir wirklich nachhaltige Konsolidierungsbemühungen oder lediglich oberflächliche Reparaturen?
  • Haben China und Indien ihre Goldaffinität plötzlich abgelegt?
  • Hat sich das Inflationsrisiko verringert?
  • Glaube ich an steigende Leitzinsen und klar positive Realzinsen?
  • Glaube ich, dass beliebig vermehrbare Papiergeldwährungen in fünf oder zehn Jahren eine höhere Kaufkraft haben als Gold, dessen Bestand lediglich 1,5 Prozent pro Jahr wächst?
  • Glaube ich, dass die Notenbanken, die im Vorjahr mehr als 500 Tonnen zugekauft haben, ihre Diversifkations-Politik raus aus dem Dollar beenden werden?

Ich glaube, dass die Beantwortung dieser einfachen Fragen ganz klar suggeriert, dass man Gold weiterhin übergewichten sollte.

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Biallo.at: Hedgefonds: Gold wird eine starke Rally hinlegen, weil sich Investoren bei ihren Anlagen auf so genannte reale Vermögenswerte konzentrieren werden, erwartet Paul Singer, der Gründer der 21 Milliaren Dollar schweren Hedgefonds-Gesellschaft Elliott Management Corp. Sehen Sie hier eher Chancen oder Risiken für Anleger?

Stöferle: Die Flucht in die Sachwerte findet klar statt. Dies erkennt man einerseits an der Diskrepanz zwischen „Papiergold“ und physischem Gold und andererseits auch an den haussierenden Preisen bei Immobilien, Kunst und natürlich auch Bonds. Anleihen notieren – trotz miserabler Fundamentaldaten – auf Allzeithochs. Ich denke, dass die Politik der finanziellen Repression am Ende des Tages für enorme Verwerfungen sorgen wird.

Biallo.at: Silbertrend: Während der jüngste COT-Report einen regelrechten Einbruch der Goldspekulanten auswies, setzten vor allem Großspekulanten auf Silber. Sehen Sie eine neue Trendwende am Rohstoffmarkt?

Stöferle: Ich würde das CoT-Bild bei Silber tendenziell eher negativ interpretieren. Insofern gehe ich davon aus, dass sich Gold im ersten Quartal besser entwickeln wird als Silber.

Biallo.at: Geldschwemme: Notenbanken überfluten den Markt mit Kapital. Langfristig spricht dies für steigende Inflationsraten. Was schützt besser: Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin, die eigene Immobile oder alternative Investments, beispielsweise in Waldprojekten?

Stöferle: Die stark gestiegenen Basisgeldmengen bergen erhebliches Teuerungsrisiko. Sobald die Transmissionsmechanismen auftauen und das Kreditwachstum anzieht, könnte es hier sehr schnell gehen. Ich denke, dass Gold und Silber schon seit Jahrhunderten eine monetäre Bedeutung haben. Der Markt hat sich im Zuge eines „trial and error“ Prozesses das optimale Geld ausgesucht und dabei haben sich – aus guten Gründen – eben nicht Ziegenhäute, Zigaretten oder Salz durchgesetzt. Es macht wenig Sinn, Gold mit Waldprojekten oder Immobilien zu vergleichen. Im Zweifel werde ich jedoch im Moment zu Gold tendieren, nachdem im Krisenfalle Liquidität ein wesentlicher Faktor ist.

Zur Person

Mag. Roland-Peter Stöferle, CMT, CFTe


Roland-Peter Stöferle ist seit 2013 Partner und Geschäftsführer bei der Incrementum AG (in Gründung), wo er gemeinsam mit Mark Valek für das Management eines Rohstoff-Fonds und eines Global Macro Fonds, der sich auf die Österreichische Schule der Nationalökonomie fokussiert, zuständig sein wird.

Zuvor war er mehr als sechs Jahre lang im Research der Erste Group tätig. Seit 2007 schreibt Stöferle international viel beachtete Goldreports namens „In GOLD we TRUST“, die u.a. im Wallstreet Journal, der FT oder dem Economist zitiert wurden. Zudem war er innerhalb der Erste Group für die Analyse von Öl und Gas verantwortlich. Neben seiner Research-Tätigkeit war er für das Management von zwei Goldaktien-Baskets sowie eines Silberaktien-Baskets verantwortlich. Stöferle ist häufiger Interviewpartner auf Bloomberg TV und CNBC.
Die Ausbildung von Ronald-Peter Stöferle umfasst einen Abschluss in Betriebswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt Investmentbanking und Kapitalmarkt-kommunikation sowie Bank und Kreditwirtschaft sowie ein Auslandssemester an der University of Illinois. Er ist CMT Charterholder und absolvierte zudem das Certified Financial Technician-Programm. Darüber hinaus spezialisierte er sich im zunehmend auf die Österreichische Schule der Nationalökonomie und ist seit 2013 Lektor am Institut für Wertewirtschaft in Wien.

* Ab 2013: Incrementum AG (in Gründung), Fund Manager, Partner, Geschäftsführer
* 2006-2012: Erste Group, International Equities Research, Commodity-Spezialist,
  verantwortlich für Goldresearch sowie Öl- und Gassektor
* Regelmäßige Interviews bei CNBC, Bloomberg, Economist und FT
* Verantwortlicher für zwei Goldminen-Aktienbaskets und ein Silberminen-Basket
* 2003-2006: Raiffeisen Zentralbank AG, Fixed Income, Credit Investments

* Studium der Betriebswirtschaft und Finanzwissenschaften an der Wirtschaftsuniversität
  Wien und der University of Illinois, Urbana-Champaign
* Chartered Market Technician (CMT), Certified Financial Technician (CFTe) und Master
  of Technical Analysis

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