22.08.2010
auf Facebook teilen
Twittern

Oesterreichische Nationalbank

Immer weniger Zinsen für Sparer

Von Erwin J. Frasl
Österreichs Sparer haben nichts zu lachen. Die Einlagenzinssätze in Österreich liegen bereits deutlich unter dem Durchschnitt im Euroraum. Das zeigen die jüngsten Daten der Oesterreichischen Nationalbank.
Oesterreichische Nationalbank Immer weniger Zinsen für Sparer
Lieber wegsehen - für die meisten Sparer in Österreich sind die Sparzinsen ein Trauerspiel

Im zweiten Quartal 2010 kam es ohne zinspolitische Impulse der Europäischen Zentralbank (der Leitzins blieb auf 1,00 Prozent) bei mittlerweile ansteigenden Zwischenbankzinssätzen (der Drei-Monats-Euribor stieg um 0,09 Prozentpunkte auf 0,73 Prozent) im Kundengeschäft der Banken weitgehend zu Zinssatzreduktionen, so die Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Österreichs Sparer als Verlierer im Euroraum

Bei neu vergebenen Einlagen an private Haushalte gab es in allen Laufzeitkategorien deutliche Zinssatzrückgänge. Dies bedeutet, dass Einleger in Österreich niedrigere Zinssätze als der Durchschnittskunde im Euroraum im Einlagenneugeschäft erhielten. Am stärksten betroffen waren Einlagen mit längeren Laufzeiten. Bei Bindungsfristen von ein bis zu zwei Jahren sanken die Zinssätze im Schnitt um 0,31 Prozentpunkte auf 1,38 Prozent (Euroraum: 2,10 Prozent) bzw. bei Fristen von über zwei Jahren um 0,20 Prozentpunkte auf 1,98 Prozent (Euroraum: 2,48 Prozent).

Sehr groß ist mittlerweile die Zinsdifferenz gegenüber dem Euroraum im kurzfristigen Bereich. Bei einer Bindungsfrist von bis zu einem Jahr lag der erhobene Durchschnittszinssatz in Österreich knapp unter der Ein-Prozent-Marke. Der entsprechende Wert für den Euroraumdurchschnitt, der sich allerdings in dieser Kategorie aus besonders breit gestreuten Einzelländerzinssätzen zusammensetzt, war mit einem Wert von 2,15 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Auch Kreditzinsen sinken

Lesen Sie auch

Niedrige Zinsen, neue Gebühren, Produktwirrwarr
"Bankkunden haben die Nase voll"

Goldene Geschäfte
ZDF-Fernsehsendung warnt vor KB Edelmetall

Autofahrer als Vorbild
Wo tanken Sie Ihre Zinsen?

Im Kreditgeschäft wurden rückläufige Zinssätze im zweiten Quartal 2010 insbesondere bei neuen Krediten an Haushalte verzeichnet. Konsumkredite bzw. Wohnbaukredite sanken um 0,21 Prozentpunkte auf 4,53 Prozent bzw. 0,12 Prozentpunkte auf 2,67 Prozent. Damit konnten sich österreichische Haushalte weiterhin wesentlich günstiger refinanzieren als der durchschnittliche Haushalt im Euroraum (6,38 Prozent bzw. 3,30 Prozent). Auch beim aushaftenden Gesamtbestand waren im zweiten Quartal starke Reduktionen bei den Zinssätzen bei Krediten für Konsum und sonstige Zwecke festzustellen, welche im Schnitt um 0,23 Prozentpunkte auf 4,29 Prozent sanken. Im Euroraum sank der entsprechende Durchschnittszinssatz im Vergleichszeitraum hingegen nur um 0,04 Prozentpunkte und lag mit 5,95 Prozent deutlich über dem österreichischen Wert.

Bei von österreichischen Banken vergebenen Unternehmenskrediten gab es gegenüber dem Vorquartal kaum Veränderungen zu beobachten (+ 0,01 Prozentpunkte bei Volumen von bis zu einer Million Euro bzw. keine Veränderung bei Volumen über einer Million Euro). Die Zinssätze blieben mit 2,38 Prozent (bis eine Million Euro) bzw. 1,79 Prozent (über einer Million Euro) aber weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten des Euroraums (3,37 Prozent bzw. 2,26 Prozent), was sich jedenfalls positiv auf das heimische Wirtschaftswachstum auswirken sollte. Auch beim aushaftenden Gesamtbestand der Kredite ist festzustellen, dass österreichische Unternehmen mit durchschnittlich 2,67 Prozent deutlich günstigere Zinskonditionen vorfanden als das Durchschnittsunternehmen im Euroraum (3,27 Prozent).
Foto: colourbox.com ID:1023