Helmut Praniess: Ein finanzieller Schutzschirm für die Banken war wichtig. Der Bankenmarkt funktioniert jetzt wieder besser. Aber es ist mir ein Rätsel, wie manche Banken für Einlagen Zinsen von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent bezahlen, wenn eine Bank mit guter Bonität täglich verfügbares Geld für 0,2 Prozent Pro Jahr bekommen kann.
Biallo.at: Die Hypo Alpe-Adria-Bank ist die sechstgrösste Bank und braucht heuer noch 1,5 Milliarden Euro, um den Eigenkapitalvorschriften in Österreich für Banken zu genügen. Die Bank hat schon einmal eine Finanzhilfe von der Republik Österreich erhalten - soll hier der Staat zum zweiten Mal helfen?
Praniess: Bei systemrelevanten Banken macht es Sinn, dss sie gehalten werden.
Hypo Alpe-Adria
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Die Opferrolle vermeiden
Praniess: Die Einlagensicherung von 100.000 Euro ist ausreichend.
Biallo.at: Wie hat sich Unsicherheit der Anleger in Zeiten der Finanzkrise bei Ihnen ausgewirkt?
Praniess: Als Raiffeisen haben wir von der Lage profitiert. Denn Raiffeisen Oberösterreich garantiert auch nach dem 1. Jänner des kommenden Jahres Spareinlagen zu 100 Prozent.
Biallo.at: Der Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann schlägt einen Notfalls-Fonds für Banken vor. Wäre das auch eine brauchbare Idee für Österreich?
Praniess: Lieber nicht. Wenn das 0,2 Promille der Bilanzsumme kostet, ist das schon ein Kostenfaktor.
Praniess: 2010 wird es zwar mehr Solidität in der Wirtschaft geben, allerdings hohe Arbeitslosigkeit. Das kann auch das nächste Jahr schwierig machen. Einige Rückschläge sind durchaus möglich.
Biallo.at: Sie sind auch in Deutschland sehr aktiv. Wie wichtig sind Kunden im Ausland?
Praniess: Der Anteil der EU-Ausländer wird für uns immer wichtiger. In Deutschland haben wir bereits ein Fünftel unserer Kunden. Wir haben strukturelle Vorteile gegenüber vielen Banken in Deutschland. Wir müssen keine eigenen Produkte forcieren und haben für jeden Kunden einen Berater sowie einen Co-Berater, so dass ein Kunde nicht unzumutbar auf einen Berater warten muß. Bei uns darf zudem der Kundenberater entscheiden.
Biallo.at: Wie groß ist der Spielraum eines Beraters wirklich?
Praniess: Unser Berater hat das Recht, einem Kunden auch einmal ein Negativ-Geschäft anzubieten. Jedes Beraterteam ist ein eigenes Kompetenzzentrum.
Biallo.at: Konzentrieren Sie sich nur auf die Vermögenden?
Praniess: Nein. Wir betreuen auch junge Menschen, die erst am Beginn ihrer Karriere stehen. Die begleiten wir dann.
Biallo.at: Was macht Ihnen zu schaffen?
Praniess: Der wahnwitzige Konditionen-Wettbewerb.
Einlagensicherung der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
Aufgrund der gesetzlichen Einlagensicherung und Anlegerentschädigung sind Einlagen natürlicher Personen bis 31.12.2009 in unbegrenzter Höhe gesichert, ab 01.01.2010 mit einem Höchstbetrag von 100.000 Euro pro Einleger. Die Sicherheit bei der Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich geht über diesen gesetzlichen Rahmen hinaus: Die oberösterreichischen Raiffeisenbanken und die Raiffeisenlandesbank OÖ gehören dem "Raiffeisen-Kundengarantiefonds Oberösterreich" an. Der Raiffeisen-Kundengarantiefonds garantiert die Einlagen zu 100 Prozent. Das betrifft Spareinlagen, Kontoguthaben und eigene Wertpapiere unabhängig von der Höhe der Kundeneinlagen und unabhängig von der Entwicklung der gesetzlichen Einlagensicherung. Auch Einlagen von Firmen- und institutionellen Kunden sind durch den Raiffeisen-Kundengarantiefonds Oberösterreich zu 100 Prozent abgesichert.
Laut Bawag-Studie sollen im Jahr 2030 mehr als 660.000 alleinlebende Frauen über 50 Jahre in Österreich leben. Gerade diese Gruppe sollte sich um ihre Finanzen kümmern. zum Artikel