15.12.2009
auf Facebook teilen
Twittern

Ertragskraft der Banken

Kredit verteuern – Einlagenzinsen senken

Von Erwin J. Frasl
Mit einer Verringerung der Produktvielfalt, einem Ausbau der Internetangebote und einer Stärkung der Beratung in den Bankfilialen will Vorstandsdirektorin der Bawag-PSK-Gruppe Rentabilität und Service stärken.
Ertragskraft der Banken Kredit verteuern – Einlagenzinsen senken Finanzportal Biallo.at
DDr. Regina Prehofer, Vorstandsdirektorin der Bawag-PSK-Gruppe, setzt auf Ausbau des Internet-Angebotes für die Bankkunden
Wir erleben aktuell „eine Krise der Ertragskraft der Banken auf Grund des massiven Wettbewerbs“ sieht DDr. Regina Prehofer, Vorstand der Bawag-PSK-Gruppe, den Hauptgrund für die schwierige Lage der Banken. „Der Wettbewerb um Privatkunden ist in Österreich so intensiv wie nie“ ergänzt Direktor Mag. Manfred Feichter. Es gebe unbefriedigende Margen bei den Krediten, alles werde „über die Menge“ gemacht.

"Banken brauchen vernünftige Kalkulation"

Zur Gesundung der Banken müsse es wieder eine vernünftige Kalkulationsbasis geben, ist Prehofer überzeugt. Die Zeit des „billigen Geldes“ war für Regina Prehofer der Beweis, dass in den Kreditinstituten „nicht richtig kalkuliert wurde“. Jetzt sei es Zeit gegenzusteuern: Kredite sollten teurer werden, die Einlagenzinsen geringer, so Prehofer.

Internet kann stärker genutzt werden

Zudem sollten die Banken ihre Kostenstruktur genau analysieren und die technischen Möglichkeiten stärker nutzen. „Sieben von zehn Haushalten“ verfügen in Österreich bereits über Internet“ erinnert Prehofer. Als Bank müsse man sich fragen, „was tue ich, um Kunden verstärkt“ zur Nutzung des Internets zu bringen und dort, wo es unbedingt notwendig ist, den Kunden mehr Beratung zu bieten. 

Bawag-PSK-Gruppe setzt verstärkt auf Internet

Lesen Sie auch

Banken-Test
Strukturwandel steht noch bevor

Sanierungskonzept
Hypo Alpe-Adria-Gruppe wird verstaatlicht

Kreditwirtschaft und Finanzkrise
Österreichs Banken unter der Lupe

Die Bawag-PSK-Gruppe biete ihren Kunden bereits viele Dienstleistungen im Web. „Denn warum soll ein Kunde heute noch zu einer Filiale gehen, wenn er vieles bereits zu Hause via Internet tun kann“, so Prehofer. „Wenn man vor Jahren durch Wien ging, war der Hinweis einer Bank auf eine Webadresse eine Sensation, heute holen Sie sich im Internet bereits viele Informationen“, vergleicht Prehofer.


Internet-Nutzung durch Bankkunden  wird sich beschleunigen

„Dieser Trend wird sich beschleunigen“. Die Bankfilialen werden sich immer stärker auf „hochwertige Beratung“ konzentrieren. Wobei hier auch die Bankberater mobil werden, indem sie direkt zum Kunden kommen bzw. Bankspezialisten aus den Zentralen z.B. an bestimmten Tagen in einzelne Filialen kommen und den Kunden vor Ort für Beratungen zur Verfügung stehen.

Standardisierung von Produkten steigt

Parallel dazu werden die Banken verstärk standardisierte Produkte anbieten, die über das Internet genützt werden können, um so Kosten zu sparen. Vor allem Konsumkredite können hier standardisiert werden. Wohnbaukredite werden auch in Zukunft individueller gestaltet, da hier zum Beispiel die unterschiedliche Wohnbauförderung in den neun Bundesländern berücksichtigt werden muss, weiss Prehofer aus den Erfahrungen der Bawag-PSK-Gruppe.

Produktvielfalt wird verringert

Um Kosten zu sparen werde es auch zu einer geringeren Produktvielfalt kommen, so Prehofer und Feichter unisono. So werde es etwa bei der Kredithöhe zu Vereinfachungen kommen, ebenso bei den Anpassungsindices. Statt eines Drei-Monate-Euribors, eines sechs-Monate-Euribors, eines 12-Monate-Euribors udgl. werde es dann einige wenige Anpassungs-Indikatoren geben.

Konzentrationsprozess bei Banken unvermeidlich

Unabhängig davon, werde es in der Bankenlandschaft in Österreich aber auch einen Konzentrationsprozess geben müssen, um zu vernünftigen Kostenrelationen zu kommen, ist Prehofer überzeugt. Die aktuelle Krise werde dazu beitragen, dass dieser Konzentrationsprozess in Schwung komme. Dabei werde es eher zu einem Zusammengehen österreichischer Banken untereinander kommen. Grenzüberschreitende Zusammenschlüsse werden „eher die Ausnahme sein“, so die Einschätzung Prehofers.

Was die Entwicklung der Zinsen an sich anlangt, rechnet Prehofer mit einem leichten Steigen der Zinsen im zweiten und dritten Quartal des kommenden Jahres.

DDr. Regina Prehofer

... ist seit September 2008 im Vorstand der BAWAG P.S.K. für die Leitung des Privat- und Firmenkundengeschäfts in Österreich zuständig. Zuvor war die erfahrene Bankerin viele Jahre im Vorstand der Bank Austria tätig.

Die Bawag-PSK-Gruppe

... ist die fünfgrößte Bankengruppe in Österreich. Sie weist eine Bilanzsumme von 45,4 Milliarden Euro auf und verwaltet Kundeneinlagen in Höhe von 20,1 Milliarden Euro. Die Bawag-PSK-Gruppe verfügt mit rund150 BAWAG Filialen und mehr als 1.300 Postämter über den größten zentral gesteuerten Vertrieb in Österreich. Insgesamt sind im Konzern rund 6.300 Mitarbeiter tätig.

Foto: BAWAG-PSK ID:452