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Sorgenkind Fremdwährungskredit

8 Tipps vom Profi

10.08.2011
Von Reinhard Aumann
Privatpersonen sind in Österreich mit umgerechnet rund 37 Milliarden Euro in Fremdwährungen verschuldet - der Großteil davon in Schweizer Franken (CHF). Der CHF bereitet den Schuldnern nicht erst seit 2011 Kopfzerbrechen, denn die Stärke des CHF geht schon seit längerem zu Lasten der Kreditsumme. Diese Entwicklung verunsichert viele Fremdwährungskreditnehmer und wirft eben so viele Frage auf wie z.B.: Wie soll ich mit meinem Fremdwährungskredit umgehen? Was ist wirtschaftlich vernünftig? Soll ich in Euro konvertieren? Welchen Vorteil bringt mir das? Hier die besten Tipps.
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Reinhard Aumann, Leiter der Vertriebsdirektion Wohnbau der Erste Bank Oesterreich
Die Situation für Fremdwährungskreditnehmer hat sich im Vergleich zu den Jahren des Booms an Fremdwährungskrediten durch eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse sowohl auf den Devisenmärkten als auch auf den Kapitalmärkten neu gestaltet. Einerseits erleben wir eine – von Experten als nachhaltig eingestufte – Abschwächung des Euro zu den klassischen Kreditfremdwährungen wie CHF, Yen, USD. Andererseits sind die Entwicklungs- und Renditechancen der Kredittilgungsträger durch ein allgemein niedrigeres Zinsniveau deutlich gesunken. Beides zusammen ergibt einen Handlungsbedarf für Kreditnehmer, um der neuen Situation Rechnung zu tragen, aber auch, um aus den geänderten Verhältnissen sich bietende Chancen zu nutzen.

 

Aktuelle Situation erheben

Jeder Finanzierungsfall ist individuell zu betrachten. Die zu setzenden Maßnahmen sollten genau auf den einzelnen Kreditnehmer abgestimmt sein. Welche Vorgehensweise die beste ist, orientiert sich an mehreren Kriterien, die mit folgenden Fragen abgewogen werden können:

  • Zu welchem Zeitpunkt erfolgte die Aufnahme des Fremdwährungskredites?
  • Wie war der Einstiegskurs in die Fremdwährung?
  • Gab es während der Laufzeit bereits Konvertierungen in Euro oder andere Fremdwährungen?
  • Wie war die bisherige Performance des Kredittilgungsträgers?
  • Wie ist die Prognose des Kredittilgungsträgers für die Zukunft?
  • Hat der Kreditnehmer unter Berücksichtigung der Währungsrelationen und des Zinsvorteils, auf die gesamte Laufzeit betrachtet, gegenüber einem vergleichbaren Eurokredit einen Verlust oder Gewinn erzielt?
  • Wichtig ist, diese Fragen zu beantworten und mit einem Experten zu besprechen. Der Bankberater kann dem Kunden in dieser Phase auch entscheidend beraten und die für ihn beste Lösung finden.
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Die Erste Bank empfiehlt in der derzeitigen Situation auf jeden Fall zu handeln. Folgende Optionen können ins Auge gefasst werden:

1) Nicht in den Euro konvertieren. Allerdings gibt es hier zwei Ausnahmen:
1. Wenn sich aufgrund des seinerzeitigen Einstiegskurses und des Zinsvorteils ein Gesamt“gewinn“ ergibt.
2. Wenn bei einer weiteren Abschwächung des Euro der Kreditnehmer einkommensmäßig nicht mehr in der Lage ist, den somit weiter erhöhten Kreditbetrag jemals zurückzuzahlen. (Strategie: „Lieber ein Ende mit Schrecken…“)

2) Den Fremdwährungskredit durch die Aufnahme von Ratenzahlungen verringern. Damit reduziert der Kreditnehmer seine aktuelle Kreditschuld und nutzt durch die kleinteiligen Ratenzahlungen einen umgekehrten cost-average-Effekt (Einzahlungen zu unterschiedlichen Kursen). Aufgrund der Reduktion der Kreditschuld reduziert sich auch die laufende Zinsbelastung.

3) Den Kredittilgungsträger nach bisheriger Performance und Zukunftsprognose prüfen. Hier gibt es zwei Varianten:
Variante A: Weiterzahlung auf den Kredittilgungsträger, weil die Ergebnisentwicklung zufriedenstellend ist.
Variante B: Stilllegung der Zahlungen in den Kredittilgungsträger, weil die Ergebnisse und/oder Prognose nicht zufriedenstellend sind. Wegen dem Spesenverlust wird von einem Rückkauf bzw. einer Auflösung des Kredittilgungsträgers dringend abgeraten. Zusätzliche Einzahlung der so freigewordenen Liquidität auf den offenen Fremdwährungs-Kreditsaldo sind dann möglich (forcierte Tilgung).

4) Den Ausstiegs aus der Fremdwährung durch Setzen einer Take-Profit-Order als auch einer Stop-loss-Order vorbereiten. Das heißt der Kreditnehmer sollte sich – mit Beratungs- und Berechnungsunterstützung seiner Hausbank – klar werden, zu welchem Kurs er aus der Fremdwährung aussteigen will, weil er gesamthaft einen Währungsgewinn erzielt hat (Take-profit), oder einen weiteren Verlust nicht in Kauf nehmen will/kann (Stop-loss).

5) Die derzeit niedrigen Zinsniveaus in allen Fremdwährungen nutzen und die Ratenzahlungen zusätzlich zu den Zahlungen aus Punkt 2. und 3. erhöhen.
De facto sind alle Fremdwährungskreditnehmer bei deutlich höheren Zinsniveaus in die Fremdwährung eingestiegen. Sie haben mit höheren „Belastungen“ kalkuliert. Durch die niedrigen Zinsen müsste den Kreditnehmern jetzt „Geld übrigbleiben“, das für zusätzliche Ratenzahlungen in der Fremdwährung genützt werden kann.

6) Kreditnehmern, deren Fremdwährungskredit zum jetzigen Zeitpunkt abläuft, raten wir, diesen – unter Setzung der unter oben unter Punkt 4 beschriebenen Strategie – zu prolongieren und einen günstigen „Kursausschlag“ zur Konvertierung zu nutzen.

7) Kreditnehmer, die eine Konvertierung in Euro anstreben, die aber die erforderlichen Ratenhöhen – wegen der nur mehr kurzen Restlaufzeit – nicht bedienen können, empfehlen wir eine Umschuldung unter gleichzeitiger Laufzeiterstreckung in ein Bauspardarlehen. Die Verlängerung der Laufzeit ist nach neuer Rechtslage seit 1.1.2011 von der staatlichen Kreditgebühr befreit und führt zu leistbaren Ratenzahlungen. Natürlich sind diese dann über einen längeren Zeitraum als ursprünglich geplant, zu zahlen. Die Kreditnehmer können aber – für den Fall einer außerplanmäßigen Vermögensentwicklung (Erbschaft u.a.) – eine vorzeitige Tilgung vereinbaren.

8) Zuletzt ist den Kreditnehmern auch eine Zinsabsicherung, wodurch der Zinssatz für einen bestimmten zukünftigen Zeitraum eine gewisse Höhe nicht überschreiten kann, zu empfehlen. Das dafür übliche Instrument ist der Zins-Cap. Damit sichert sich der Kreditnehmer das aktuell niedrige Zinsniveau, wenn der Marktzinssatz eine bestimmte Höhe übersteigt, erhält der Kreditnehmer eine Ausgleichszahlung, die seine Zahlungsverpflichtungen nach oben limitiert.

Resümee
Durch die geänderten Verhältnisse empfehlen wir dem Fremdwährungskreditnehmer auf jeden Fall, eine der oben beschriebenen Maßnahme zu setzen. Denn daraus können sich Chancen ergeben, insbesondere durch die vorzeitige Tilgung aufgrund der aktuellen Zinsersparnis.

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