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Pleitegeier Österreich

76.000 Euro - Durchschnittsverschuldung wächst dramatisch

02.03.2011
Von Erwin J. Frasl
Die Gefahr der Verschuldung nimmt dramatisch zu. Wie Privatpersonen geholfen werden kann, erfahren Sie im Biallo.at-Gespräch mit Landesrätin Mag. Karin Scheele von der Niederösterreichischen Landesregierung.
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Landesrätin Mag. Karin Scheele von der Niederösterreichischen Landesregierung baut Hilfe für überschuldete Menschen aus
Biallo.at: Wie viele Menschen haben heuer schon die Hilfe der Schuldnerberatung in Niederösterreich in Anspruch genommen?


Karin Scheele:
Im ersten Halbjahr 2010 wurden insgesamt 4.450 Personen beraten - davon 2.651 Männer und 1.799 Frauen. Das sowohl die Zahl der betreuten Personen als auch die Höhe der Durchschnittsverschuldung weiter steigt, zeigt klar, dass der Spielraum für die Menschen immer enger wird. Zum Vergleich: 2009 wurden 4.110 Menschen betreut, die Durchschnittsverschuldung stieg von 76.083,41 auf 76.673,13 Euro. Das heißt, es wurden deutlich mehr Personen betreut, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Biallo.at: Welche Veränderungen werden da zur Entwicklung in den vergangenen Jahren sichtbar?

Scheele: Während die Durchschnittsverschuldung leicht gestiegen ist (76.673,13 Euro), gab es einen starken Anstieg bei den außergerichtlichen Verhandlungen (plus 25 Prozent) sowie bei den Interventionen mit und bei den Gläubigern (plus 6,0 Prozent). Hingegen gibt es einen leichten Rückgang bei den gerichtlichen Verhandlungen ("Privat-Konkurs"). Dies ist aber nicht nur auf eine vorsichtigere Kreditvergabe der Banken zurückzuführen, sondern auf die noch immer hohe Arbeitslosigkeit. Das damit verbundene geringe Einkommen ermöglicht es vielen Menschen nicht, ein Rückzahlungsangebot zu machen. Weshalb eine Schuldenregulierung weiter aufgeschoben werden muss.

Biallo.at: Zunehmend schlittern jüngere Menschen in eine Überschuldung - woran liegt das?

Scheele: Diese Behauptung kann durch die uns bzw. der NÖ Schuldnerberatung vorliegenden Daten und Zahlen nicht bestätigt werden.

Biallo.at: Vergeben die Banken ihre Kredite zu leicht auch an Menschen, die mit Zinszahlungen und Kapitalrückzahlung einfach überfordert sind?

Scheele: Nein, im Gegenteil: Kredite und Kontoüberziehungen werden restriktiver vergeben. Dies ist vor allem auf die allgemeine Wirtschaftslage und auf die größeren gesetzlichen Anforderungen ("Stress-Test" für Banken von der Europäischen Zentralbank EZB) sowie auf das neue Verbraucherkreditgesetz (gemäß einer EU-Richtlinie) zurückzuführen. Banken haben vermehrte Aufklärungspflichten gegenüber KundInnen, verstärkte Dokumentationserfordernisse und müssen auch für mögliche Ausfälle mehr Vorsorge treffen.

Biallo.at: Werden die jungen Menschen von Familie und Schule ausreichend auf den richtigen Umgang mit Geld vorbereitet?

Scheele: Ob junge Menschen von den Eltern ausreichend mit dem Umgang mit Geld vorbereitet werden, können wir nicht beantworten! Die Schuldnerberatung NÖ hält jedoch regelmäßig Vorträge in Schulen ab und wird diese Präventionstätigkeit ab Herbst 2010 noch verstärken. Zusätzlich ist geplant, sogenannte "Finanz-Scouts" auszubilden: Das sind junge Menschen, die besonders eingeschult werden und dann gleichaltrige über den Umgang mit Geld "auf Augenhöhe" zu beraten.

Biallo.at: Welche Möglichkeiten haben Sie als verantwortliche Politikerin für die Schuldnerberatung in Niederösterreich im Rahmen der Landesregierung, überschuldeten Menschen zu helfen?

Scheele: Trotz massiver Einsparungen im Gesamtbudget ist es gelungen, die Leistungen der NÖ Schuldnerberatung in vollem Umfang aufrechterhalten zu können und der flächendeckende Ausbau der Beratungsstellen in allen Bezirken des Landes wurde umgesetzt. Ein wesentliches Betätigungsfeld der Schuldnerberatung ist auch die Präventionstätigkeit in den Schulen. Aber auch für Erwachsene wurden Vorträge abgehalten und auch bei Veranstaltungen wird Aufklärungsarbeit geleistet. Ich möchte auch den MitarbeiterInnen der Schuldnerberatung für ihre hervorragende Arbeit danken - durch ihr Engagement geben sie den Menschen eine Perspektive, die schon oft glaubten, sich in einer ausweglosen Situation zu befinden.
 

Landesrätin Mag. Karin Scheele

geb. am 22.Juli 1968 in Baden bei Wien, Handelsakademie Baden, Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien.Beruflicher und politischer Werdegang:1987- 1990 Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter, 1990- 1994 Entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit; Entwicklung und Koordination internationaler Projekte im Landessekretariat der Sozialistischen Jugend NÖ, 1996-1998 Sozialistische Jugend Internationale (IUSY) (Organisation internationaler Seminare, Koordination des European and African Committee, Koordination der Frauenarbeitsgruppe, Vertretung im Jugenddirektorat des Europarates), 1998- 1999 Referentin im Internationalen Sekretariat der SPÖ(zuständig für die Beziehungen zur Sozialistischen Internationale, für den Bereich Entwicklung u. Politik), 1999 - 2008 Mitglied des Europäischen Parlaments, 2007 - 2008 Leiterin der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament, seit 2008 NÖ Landesrätin.

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