14.10.2009
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Immobilienfinanzierung privater Haushalte

Schuldenmachen fürs Eigenheim

Von Erwin J. Frasl
In Österreich sind 22 Prozent der privaten Haushalte aufgrund der Wohnraumbeschaffung verschuldet. Mittel der Wohnbauförderung, aber auch Erbschaften und Schenkungen spielen bei der Finanzierung von privatem Immobilienbesitz eine bedeutende Rolle. Immobilien werden in Österreich jedoch kaum als Veranlagungsinstrument, sondern überwiegend für Wohnzwecke verwendet. Das zeigt eine jüngste Studie der Oesterreichischen Nationalbank.

Grosse Beliebtheit von Fremdwährungskrediten

22 Prozent der österreichischen privaten Haushalte sind aufgrund der Beschaffung von Wohnraum verschuldet, wobei dies auf junge und einkommensstarke Haushalte häufiger zutrifft. Dabei erfreuen sich Fremdwährungskredite trotz ihrer Risiken großer Beliebtheit: 29 Prozent aller verschuldeten privaten Haushalte haben zumindest einen aushaftenden Wohnbaukredit in fremder Währung. Die Häufigkeit, mit der einkommensstarke Haushalte einen Fremdwährungskredit bzw. einen variabel verzinsten Kredit aufnehmen, ist signifikant höher als bei einkommensschwachen Haushalten. Allerdings ist die Schuldenhöhe in Relation zum Wert des Immobilienvermögens (Loan-to-Value-Ratio) bei einkommensstarken Haushalten niedriger.

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Bei Art und Höhe der Verschuldung zeigt sich ein deutliches West-Ost-Gefälle: In den westlichen Bundesländern, wo endfällige Fremdwährungskredite stark genutzt werden, sind die privaten Haushalte durchschnittlich stärker und mit höheren Loan-to-Value-Ratios verschuldet als im Osten. Was die Verschuldungssituation betrifft, scheinen einkommensschwache Haushalte mit einem aushaftenden Wohnbaukredit besonders risikoanfällig. Sowohl ihre Loan-to-Value-Ratios als auch ihr Schuldendienst sind relativ zum Einkommen überdurchschnittlich hoch. So verwenden verschuldete einkommensschwache Haushalte aus dem
untersten Einkommensquartil (also die 25 Prozent aller Haushalte mit dem niedrigsten Einkommen) pro Jahr 50 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Rückzahlung von Krediten.

Vergleich mit Euroraum

Dieser Anteil beträgt im Durchschnitt bei den sechs Euroraum-Ländern Deutschland, Griechenland, Spanien, Italien, Niederlande und Portugal lediglich 35 Prozent. Auf einkommensschwache Haushalte entfallen allerdings nur zehn Prozent der gesamten aushaftenden Wohnbaukredite, wodurch die Risiken für die Finanzmarktstabilität eingeschränkt sind. Demgegenüber hält das oberste Einkommensquartil der Haushalte (also die 25 Prozent mit dem höchsten Einkommen) 39 Prozent der gesamten Wohnbauverschuldung.

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Von Erwin J. Frasl

Von jenen Haushalten, die beim Erwerb ihrer Hauptwohnsitzimmobilie eine Finanzierung benötigten, finanzierte rund die Hälfte ausschließlich mit Krediten. Die andere Hälfte der griff zumindest teilweise auf alternative Finanzierungsformen zurück. Beim Kauf der Hauptwohnsitzimmobilie wurden durchschnittlich 61 Prozent des Kaufpreises kreditfinanziert. Bei Haushalten, die den Kauf mit Erbschaften finanzierten, betrug deren Anteil am Kaufpreis 43 Prozent; bei Haushalten, die den Kauf mit einer Unterstützung durch Familie bzw.
Freunde finanzierten, machte diese nur 16 Prozent des Kaufpreises aus.

Dominanz der Miete

50 Prozent aller österreichischen privaten Haushalte mieten ihre Hauptwohnsitzimmobilie, die in 60 Prozent der Fälle eine Genossenschafts- oder Gemeindewohnung ist. Dieser stark geförderte Vermietungsmarkt dürfte unter anderem ein Grund für die im europäischen Vergleich eher niedrige Eigentümerquote in Österreich sein: Privateigentümer verwenden ihre Immobilien hauptsächlich zu Wohnzwecken und nicht als Veranlagungsinstrument. 52 Prozent der Haushalte, die sich für eine Nebenimmobilie verschulden, verwenden diese für eigene Wohn- bzw. Nutzzwecke, 26 Prozent vermieten sie, nicht ganz ein Viertel hält sie als Wertanlage.

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Von Erwin J. Frasl

Das österreichische System der Wohnbauförderung dürfte mit ein Grund für die moderate Entwicklung der österreichischen Immobilien- und Mietpreise sein. Die jeweiligen Instrumente der Wohnbauförderung wirken auf verschiedene Einkommensgruppen unterschiedlich stark: Während höhere Einkommensgruppen von der direkten Wohnbauförderung (Darlehen) stärker profitieren, werden Haushalte im unteren Einkommensbereich durch die Nutzung von geförderten Miet- und Genossenschaftswohnungen unterstützt.

Der geschätzte durchschnittliche Wert des Hauptwohnsitzes in Österreich liegt bei 130.000 Euro, jener des durchschnittlichen Gesamtimmobilienvermögens eines österreichischen Haushalts beträgt 250.000 Euro. Das gesamte Immobilienvermögen aller privaten Haushalte erreicht eine Untergrenze von rund 690 Milliarden Euro.

Foto: biallo.at ID:330