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Wenn Arbeit nicht zum Leben reicht

350.000 Österreicher leben unter Existenzminimum

13.02.2011
Von Erwin J. Frasl
Die Zufriedenheit der österreichischen Beschäftigten mit ihrem Einkommen nimmt deutlich ab. Das zeigt der jüngste Arbeitsklima-Index.
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Die Zufriedenheit der österreichischen Beschäftigten mit ihrem Einkommen nimmt deutlich ab: Gaben im  Jahr 2000 noch 65 Prozent an, dass sie mit ihrem Einkommen zufrieden sind, so sind es heuer nur noch 58 Prozent. Alarmierend: Die Zahl jener, die trotz Arbeit mit dem Einkommen nicht mehr auskommen, stieg um fast 40 Prozent.

Schlusslicht sind die Leiharbeiter

Die Einkommenszufriedenheit ist dort am geringsten, wo schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Arbeitsplatzsicherheit vorherrschen – etwa bei Leiharbeitern und freien Dienstnehmern. Umgekehrt ist sie dort am höchsten, wo Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherheit sehr gut sind. Die Rangfolge der Zufriedenheit führen die Beschäftigten in der Verwaltung (71 Prozent) und die Beschäftigten im Unterrichtssektor (68 Prozent) an. Schlusslicht sind die Leiharbeiter: Nur 27 Prozent sind mit dem Einkommen zufrieden. Ihnen folgen freie Dienstnehmer (42 Prozent), Arbeiter(47 Prozent) und Beschäftigte im Handel (56 Prozent).

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Für 350.000 Arbeitnehmer reicht das Einkommen nicht mehr zum Leben


Alarmierende Zahlen fördert eine Detailanalyse zutage: Die Zahl jener, die trotz Job nicht genug Geld zum Leben haben, steigt dramatisch an. Im Jahr 2000 reichte für acht Prozent der Arbeitnehmer das Einkommen nicht mehr zum Leben. Das waren damals 256.000 Personen. Heuer sind es bereits zehn Prozent der Beschäftigten – das sind über 350.000 Personen. Und das bedeutet einen Anstieg in den letzten zehn Jahren um 100.000 oder 38 Prozent.  Besonders armutsgefährdet sind junge Frauen und Arbeiter: Für 16 Prozent der unter 25-jährigen Frauen und für 15 Prozent der Arbeiter reicht das Einkommen nicht mehr zum Leben.

Pessimismus bei  Arbeitnehmern

Die Krise ist – was die Einstellung der Arbeitnehmer zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und ihres Betriebs betrifft – noch nicht überwunden. Nur 61 Prozent der Befragten sehen aktuell der ökonomischen Entwicklung Österreichs in den nächsten fünf Jahren zuversichtlich entgegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 – vor der Krise – waren es mit 83 Prozent noch deutlich mehr. Im Jahr 2008 fiel der Wert bereits um etwas mehr als 10 Prozentpunkte auf 72 Prozent; im Vorjahr trübte sich die wirtschaftliche Zuversicht weiter ein und sank auf 62 Prozent.

Geht es aber um die Frage zur Zukunft des eigenen Betriebs, so zeigen sich die Beschäftigten deutlich optimistischer als für die Gesamtwirtschaft. Immerhin 81 Prozent geben heuer an, sehr oder eher zuversichtlich zu sein, im Vorjahr waren es um zwei Prozentpunkte weniger (79 Prozent). 2007, vor der Krise, waren es 87 Prozent.

Österreichischer Arbeitsklima Index

Der Österreichische Arbeitsklima Index ist ein gemeinsames Produkt der Arbeiterkammer Oberösterreich und der Sozialforschungsinstitute IFES (Institut für empirische Sozialforschung) und SORA (Institute for Social Research and Analysis). Er dient als Mess-Sonde für Veränderungen in der Arbeitswelt. Indem er direkt beim Erleben und Empfinden der Erwerbstätigen ansetzt, kann er Veränderungen in den Einstellungen früher diagnostizieren als so manche Wirtschaftsindikatoren.  Der Index beruht auf Befragungen von Stichproben unselbständig erwerbstätiger Personen. Zur Erhebung der Daten werden vierteljährlich jeweils 900 Arbeitnehmer in ganz Österreich befragt. Jeweils zwei Erhebungswellen, also insgesamt 1800 Interviews, werden zur Neuberechnung des Index herangezogen, die halbjährlich (Mai und November) stattfindet. Dazwischen (Februar und September) gibt es Sonderauswertungen zu besonderen Aspekten des Index.

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