23.10.2010
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Die 1.500 US-Dollar-Marke

Goldpreis zieht kräftig an

Von Erwin J. Frasl
Hohe Inflation und steigende Zinsen sorgten 1980 für einen wahren Hype beim Goldpreis. Dollarschwäche, schleichende Geldentwertung und die internationale Finanzkrise bleiben die aktuellen Preistreiber.
Zwischen 1.500 und 2.500 US-Dollar Gold wird weiter steigen Finanzportal Biallo.at

Über 300 Prozent Kurssteigerung, das erinnert an goldene Tage des neuen Marktes - und das ein oder andere Hebelzertifikat. Aber an ein Element mit der Ordnungszahl 79 in unserem Periodensystem? Die letzten zehn Jahre gaben Gold-Investoren recht!

Gold - ein ATH jagt das nächste

Die große Nachfrage nach Gold kommt von Exchange Traded Funds (ETF), also Fonds, die physisches Metall kaufen dürfen, aber auch von den asiatischen Zentralbanken. So hat Italien zum Beispiel alleine mehr als doppelt so viel Goldreserven als China. Da besteht großer Nachholbedarf, da China auch rund 1,6 Billionen US-Dollar an Währungsreserven hat und unter dem Dollarverfall leidet. Erst Ende Oktober hat die indische Zentralbank im größten Golddeal seit 30 Jahren 200 Tonnen Gold um 6,8 Milliarden Dollar eingekauft-und erhöhte damit ihre Goldreserven auf sechs Prozent. Aber auch beim bei den europäischen Privatvermögen liegt der Goldanteil bei knapp über einem Prozent, so Ulrich Baumann, Goldexperte von Volksbank Investments.

Allein Deutschland müßte zehn Jahre die Weltgoldproduktion aufkaufen

Um die von manchen Vermögensverwaltern vorgeschlagene Beimischung von zehn Prozent Gold im Portfolio zu erreichen, müsste man alleine für Deutschland zehn Jahre lang die gesamte Weltgoldproduktion aufkaufen, zeigt Baumann die Größenordnungen auf, um die es bei Gold geht. Angebotsseitig sind aus der Sicht von Volksbank Investments kaum große Steigerungen zu erwarten, die geförderte jährliche Menge von rund 2.500 Tonnen wird in den nächsten Jahren vermutlich stabil bleiben.
 

Soll man jetzt, wo das Gold rund 1.345 US Dollar / 960 Euro wert ist, kaufen? Wo doch schon so viele Analysten schreiben, dass Gold inflationsbereinigt zwischen 1.500 und 2.500 US Dollar notieren müsste?

Gold - Barren, Fonds oder Münze?

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Bevor man sich über Kursziele den Kopf zerbricht, muss man sich überlegen, ob man Gold als Spekulation, langfristige Anlage zur Portfoliobeimischung oder als möglichen Schutz gegen Krisen und Hyperinflation kaufen will, rät Baumann - denn davon hängt die Wahl des richtigen Investmentvehikels ab. Spekulanten greifen aus seiner Sicht eher zu kurzfristigen Zertifikaten oder gar Optionen, langfristige Anleger sollten sich eher für reine Goldfonds (ETF) entscheiden, Risikofreudigere wagen sich an einen Goldminenfonds heran, während systemkrisenfürchtende  Anleger sich Gold in Form von Barren oder Münzen in den Tresor legen.

Hier wird der Kurs gemacht

Derzeit hängt Gold auch am US-Dollar, aber stimmt diese Korrelation immer? Das würde gerade für den Investor aus Europa ein Nullsummenspiel sein, so Baumann, denn was ein Anleger am Gold gewinnt, verliert er am Wechselkurs USD/EUR. Jedoch sieht man, dass Gold in jeder Währung neue Höchststände erreicht hat. Schuld daran ist bestimmt die Erwartung vieler Anleger, dass sich die Regierungen in Amerika, Europa und Japan ihre hohen (Neu-)Verschuldungen in Zukunft nur mit massiv gedrucktem Geldpapier tilgen werden können.

USA werden sich mit neun Billionen US-Dollar verschulden

Alleine die Vereinigten Staaten werden sich in den nächsten zehn Jahr vermutlich mit neun Billionen US-Dollar neu verschulden, macht Baumann aufmerksam – angesichts des jetzigen Rekorddefizits nicht gerade ein starkes Argument für eine Dollarstärke. Gold wird tendenziell immer vom schwachen Dollar profitieren, betrachtet man jedoch Gold als eigene alternative „Weltwährung“, dann sollte das Edelmetall weiter gegenüber allen Währungen profitieren, solange die Notenbanken weiter ihre Zinspolitik so niedrig halten und massiv an der Geldentwertung arbeiten. Neben US-Dollarschwäche, Geldentwertung ist natürlich auch jede internationale Krise ein Kurstreiber.

Der Preis - heute und morgen

Der Goldpreis ist in einem intakten Aufwärtstrend, viele erscheinen  Kurse um die 1.400 USD kurzfristig überhöht, warnt Baumann . Wesentlicher Treiber zur Zeit ist die Entwicklung des US-Dollars. Dieser wird durch die Pläne der US-Notenbank ( Quantitative Easing Teil 2) beeinflusst. Nach der alten Börseregel „Buy the rumour – sell the fact“ müssen wir am Markt auch mit etwas Enttäuschung rechnen, sollte die Fed nicht wie erwartet am Markt Assets einkaufen, so die Einschätzung von Volksbank Investments. "Weiters registrieren wir einen Höchststand in USD Shorts d.h die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer ist schon für einen Dollarverfall – der ja schon international stattgefunden hat – positioniert. Jede Dollarstärke würde hier zu Positionsglattstellungen führen, den Dollar weiter stärken und auch den Goldpreis schwächen", meint Baumann.

Goldinvestments - Sicherheit ist angesagt

Kurz Gesagt: Bis zum Jahresende könnte der Goldpreis natürlich auch wieder fallen - muss aber nicht.  Ein weiteres Indiz, welches manchen eher von Neuinvestments im Gold abhält, ist die starke mediale Berichterstattung und das Aufkommen von „Goldfirmen“, die Kundengold billig aufkaufen wollen sowie von „Goldbankomaten“. Aufgrund dieser Situation empfiehlt Volksbank Investments zur Zeit nur bedingt ein Neuengagement bei Goldfonds, GoldETFs und Goldminenaktien. Bestände je nach Anlageform und Anlagemöglichkeit sollte man eher absichern.

Foto: colourbox.com ID:1171