In den letzten Jahren haben sich Rohstoffe als Veranlagungsklasse etabliert und werden aus einer Reihe von Gründen als Portfolio-Beimischung empfohlen. An erster Stelle steht hierbei der Diversifikationseffekt – die Kursentwicklung von Rohstoffen weist üblicherweise eine geringe Korrelation zu anderen Märkten auf, Rohstoffe verhalten sich also durchaus oft gegenläufig zu den Aktienbörsen. Dadurch wird die Schwankungsbreite des Portfolios und somit die Anfälligkeit für Crash-Szenarios vermindert. Des Weiteren unterliegen speziell nicht-erneuerbare Energieträger einer Verknappung, einem quantitativ begrenzten Angebot steht also eine weiterhin starke Nachfrage aus der Industrie gegenüber. Abgesehen vom physischen Erwerb von Edelmetallen war der Zugang zu den Rohstoffmärkten lange Zeit nur über Warenterminbörsen oder indirekt über den Kauf von Aktien (z. B. Goldminenbetreiber, Wasseraufbereitungsunternehmen etc.) möglich.
Im Interview
Goldkauf weiterhin sinnvoll
Goldbarren
Inflationsschutz und Risikostreuung
Goldanlagen
Bankprofis empfehlen fünf bis zehn Prozent Edelmetall
Exchange Traded Funds (ETF) vereinen die Flexibilität einer Aktie mit der Risikostreuung und Sicherheit eines Fonds, so Stefan Traunmüller vom International Brokerage Services der Schoellerbank.
Sie werden im Gegensatz zu klassischen Fonds, welche maximal ein Mal pro Tag zu ihrem errechneten Wert von der Fondsgesellschaft zurückgenommen werden, laufend an der Börse gehandelt. Rohstoff-ETFs sind in der Regel passiv gemanagt, das heißt, die Anlageentscheidungen des Fondsmanagements dienen lediglich der möglichst genauen Nachbildung eines zugrundeliegenden Index. Es existiert mittlerweile eine breite Palette an Rohstoff-Indizes: Einige sind breit gestreut mit Anteilen aus dem Energie-, Edelmetall- oder Agrarbereich, andere haben nur einen bestimmten Rohstoff-Teilbereich zum Thema.
Auch eine „mean reversion“-Strategie wird von einigen Indizes umgesetzt: Hierbei verfährt man bei der Index-Berechnung getreu der Annahme, dass sich alle Rohstoffpreise in gewissen Abständen ihrem langjährigen Durchschnitt annähern und adjustiert daher die Index-Bestandteile auf ein immer gleichbleibendes Verhältnis. Rohstoff-Indizes werden von Dow Jones-Indizes, aber auch von Emittenten wie Goldman Sachs, UBS oder Deutsche Bank erstellt, berechnet und von einer Vielzahl von Datenanbietern bzw. auf Börseninformationsseiten im Internet veröffentlicht, macht Traunmüller aufmerksam.
Der ETF bildet seinen zugrundeliegenden Index nahezu zu 100 Prozent nach, wobei dies im Normalfall über den Kauf von Derivaten (also Rohstoff-Futures an den Warenterminbörsen) geschieht. Die breite Risikostreuung ist durch EU-Recht sichergestellt, da laut entsprechender Richtlinie nur maximal 10,0 Prozent des Fondsvermögens in einer Position gehalten werden dürfen. Zusätzliche Sicherheit erhält der Inhaber von ETF-Anteilen durch den Sondervermögensstatus des Fondsvermögens. Dadurch werden die ausstehenden Fondsanteile im Konkursfall nicht in die Konkursmasse gerechnet, was das Ausfallsrisiko aus der Sicht des Anlegers minimiert.
Wer die Wertentwicklung eines Rohstoff-Kassa- oder Future-Preises direkt nachbilden möchte, kann sich eine Exchange Traded Commodity (ETC) ins Depot legen. Hierbei handelt es sich eigentumsrechtlich um eine Anleihe, also eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten. ETCs sind also mit Zertifikaten verwandt, unterliegen somit dem Bonitätsrisiko der emittierenden Gesellschaft, besitzen aber eine zusätzliche Sicherheit: Sie sind mit einem Deckungsstock besichert, der auf täglicher Basis 100 Prozent des ausstehenden Volumens abdeckt. Die Preisentwicklung einer ETC folgt der zugrundeliegenden Ware nahezu im Verhältnis 1:1, wobei der Emittent die Ware entweder – zumeist im Fall von Edelmetallen – physisch ankauft, oder – zumeist bei leicht verderblichen und schwierig zu lagernden Rohstoffen – in entsprechende Futures investiert. Eine ETC ist also dazu konzipiert, einem Anleger einen Ertrag, ähnlich dem zugrundeliegenden Commodity-Future oder dem Kassa-Preis des zugrundeliegenden Metalls, zu liefern.
Wie Sie das Roll-Problem spüren
(Future-basierte) ETCs und ETFs haben gleichermaßen mit einem in gewissen Marktphasen sehr entscheidenden Problem zu kämpfen – den sogenannten Rollverlusten. Unter Rollen versteht man hierbei, dass ein in Futures investierender Marktteilnehmer, der die Erfüllung seiner Kontrakte in Form von Lieferung des Basiswertes vermeiden möchte, diese jeweils vor Verfallstermin in neue Kontrakte mit späterem Verfallstermin tauschen muss. Er verkauft also den Kontrakt mit dem frühen Verfallstermin und kauft gleichzeitig einen zu einem späteren Zeitpunkt auslaufenden Kontrakt. Dies kann ein Verlustgeschäft sein, da der länger laufende Future gerade bei Rohstoffkontrakten oft teurer ist – man nennt dieses Phänomen auch Contango.
Vor allem der Energiebereich, der in den meisten Indizes hoch gewichtet ist, leidet unter dem Contango. Durch die erwähnten ständigen Rollverluste kann es daher passieren, dass sowohl Rohstoff-Fonds, als auch entsprechende Schuldverschreibungen und ETCs eine im Vergleich zu den Kassa-Rohstoffpreisen und Indizes schlechtere Performance aufweisen.
Einige Emittenten, allen voran die Deutsche Bank, fahren daher eine „roll-optimierte“ Strategie, um diese Verluste zu minimieren. Dabei wird immer jeweils in den Kontrakt mit dem geringsten Rollverlust (oder mit dem größten Rollgewinn) gewechselt – nachweislich mit Erfolg, was eine Outperformance von bis zu 6,0 Prozent gegenüber dem Index beweist.
Welches Rohstoffprodukt ist nun zu bevorzugen? Spesen, Gebühren und Liquidität zeigen ein ähnliches Bild – sowohl ETFs als auch ETCs unterliegen einer jährlichen Management-Gebühr zwischen 0,4 Prozent und 1,0 Prozent. Beide Produkt-Gattungen werden mit engen Geld-Brief-Spannen an der Börse gehandelt, so Traunmüller .Unterschiede gibt es, wie bereits erwähnt, hinsichtlich der Streuung – ETCs dienen eher der Nachbildung eines Direktinvestments in einen bestimmten Rohstoff, während ETFs auf einen breit gestreuten Rohstoffmix setzen. Trotz des Deckungsstockes der ETCs und ihrer physischen Hinterlegung mit Rohstoffen stellt der Wegfall des Bonitätsrisikos durch den Sondervermögensstatus einen nicht zu verachtenden Vorteil von ETFs dar – gerade in Zeiten, in denen Bankenpleiten nicht mehr nur in der Theorie vorkommen.
Diese Steuervorteile können Sie nutzen
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der Steuervorteil eines ETF: Alle in Österreich zum Vertrieb zugelassenen Rohstoff-ETFs sind blütenweiß, sind also durch ihren bereits innerhalb des Fonds vorgenommenen KEST-Abzug auf Zinsen und ausschüttungsgleiche Erträge endbesteuert.
Nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr ist der Kurs¬gewinn, den ein Privatanleger mit seinen Fondsanteilen erzielt, steuerfrei. Ein spezielles „Steuerzuckerl“ ist die Besteuerung von Substanzgewinnen innerhalb des Fonds – die Kursgewinne, die ein Fonds mit Aktien (oder auch Rohstoff-Futures) macht, werden nur zu 20 Prozent mit der KESt besteuert. Im Vergleich zu ETCs, Zertifikaten oder Direkt-Investments stellt dies einen großen Vorteil dar.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass dem Anleger mittlerweile sehr vielfältige und flexible Instrumente zur Partizipation an den Rohstoffmärkten zur Verfügung stehen. Als Beimischung ist ein breit diversifizierter, auf einem transparenten Rohstoff-Index basierter ETF für jedes Portfolio durchaus empfehlenswert, meint Traunmüller.
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