Zunächst einmal stellt sich die Frage, weshalb die EZB scheinbar so überstürzt nun doch Staatsanleihen aufgekauft hat, obwohl Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet noch Anfang Mai im Anschluss an das monatliche Treffen des EZB-Rates gesagt hatte, man habe diese Thematik im Rat noch nicht einmal diskutiert.
Es ging dabei keineswegs um die Finanzierung maroder Staatshaushalte oder gar die Rettung des Euro vor dem freien Fall an den Devisenmärkten. Dieser war in den letzten Wochen zwar spürbar unter Druck geraten und hatte zu wichtigen Währungen wie dem Dollar, dem Yen oder dem Franken deutlich an Wert verloren. Die Talfahrt von 1,50 Euro auf 1,22 Euro je Dollar seit Ende 2009 ist zwar beachtlich, doch Kursbewegungen einer Währung in diesem Ausmaß sind nicht ungewöhnlich. Zudem liegt der Euro auf dem aktuellen Niveau immer noch 4,0 Cent über dem Einführungskurs von 1,1789 Euro je Dollar Anfang 1999, der gemäß Kaufkraftparitätentheorie in etwa auch dem gegenwärtig fairen Wert entspricht. Verglichen mit dem Allzeittief von 0,8252 Euro je Dollar im Jahr 2000 beträgt der Abstand noch 40 Cent.
Was den Schwenk der EZB auslöste
Ausschlaggebend für den Schwenk der europäischen Währungshüter in Bezug auf den Kauf von Staatsanleihen war eine äußerst bedrohliche Zuspitzung beim Handel mit diesen Anleihen, die ohne Eingreifen von Politik und Notenbank außer Kontrolle zu geraten drohte. Am Nachmittag des Freitags vor dem Wochenende 8./9. Mai hatte sich an den Finanzmärkten eine Situation ergeben, in der der Handel mit Staatsanleihen fast aller Euroraumländer mit Ausnahme Deutschlands kurz davor stand, auszutrocknen. Das Misstrauen der Anleger gegenüber Griechenland und dessen Konsolidierungspolitik war dabei, auf andere Länder wie Portugal und Spanien überzugreifen. Mit dem massiven Einschreiten von Politik und Notenbank sollte der Gefahr der Refinanzierungsunfähigkeit einzelner Euroraumländer entgegengetreten werden.
Sorge vor Kollaps des Interbankenmarktes
Außerdem ergab sich noch ein weiteres Problem: Da die Banken, die diese normalerweise sehr liquiden Staatspapiere halten, keine Abnehmer mehr für ihre Anleihen fanden, bestand die ernsthafte Gefahr einer Entwicklung wie nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Inc. im Herbst 2008: Kollaps des Interbankenmarktes mit der Gefahr der Zahlungsunfähigkeit selbst großer Banken, Panik an den weltweiten Finanzmärkten verbunden mit einem Aktienmarktcrash mit unabsehbaren Folgen auch für die Realwirtschaft. Kurzfristig gab es vor diesem Hintergrund einer drohenden Eskalation der Lage wohl keine Alternative zu den von der EZB beschlossenen Maßnahmen. Dass frühere und konkretere Hilfen der EU die Verkaufswellen an den Renten- und Devisenmärkten hätten verhindern können, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.
Aufweichung der Budgetsanierungen
Problematisch ist der Kauf von Staatsanleihen in jedem Fall mit Blick auf die vertraglich festgelegte Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank: Die klare Trennung zwischen Fiskal- und Geldpolitik droht zu verschwimmen. Auch besteht die Gefahr eines Aufweichens der Anstrengungen einzelner Länder zur Budgetkonsolidierung, da diese sich in der Sicherheit wähnen könnten, als letzten Ausweg zur Schuldenaufnahme immer die Zentralbank in Anspruch nehmen zu können.
Geschichte der Staatspleiten
Welche Länder schon Bankrott gemacht haben
Rettungsplan für unseren Wohlstand
Rettungsplan für unseren Wohlstand
Wifo-Chef Karl Aiginger
Das sind Europas wahre Probleme
Welche Auswirkungen hat der Kauf von Staatsanleihen der ins Fadenkreuz geratenen Staaten durch die EZB nun aber langfristig auf die Verbraucherpreisentwicklung? Oder genauer: Welche Auswirkungen kann er haben?
Phänomen Inflation
Der Grund, weshalb sich einige Anleger vor einem starken Anstieg der Inflation fürchten, ist in der sogenannten Quantitätstheorie des Geldes begründet. Hierbei handelt es sich um ein theoretisches Konstrukt zur Erklärung von Inflation. Demnach ist Inflation immer ein monetäres Phänomen. Vereinfacht gesagt steigen die Preise in einer Volkswirtschaft gemäß dieser Theorie immer genauso stark, wie das Geldmengenangebot stärker wächst, als die Menge der realen Güter. Werden in einer Volkswirtschaft beispielsweise ausschließlich 100 Pkw produziert und die Geldmenge beträgt 1.000 Geldeinheiten, so kostet jeder Pkw zehn Geldeinheiten. Werden im nächsten Jahr nun erneut 100 Pkw produziert, die Geldmenge steigt aber um 100 auf 1.100 Geldeinheiten, so kostet ein Pkw nun elf Geldeinheiten, was einer Teuerungsrate von zehn Prozent p.a. entspricht. Bei noch stärkerer Ausweitung der Geldmenge nimmt die Teuerungsrate entsprechend stärker zu.
Druckt die EZB einfach neues Geld?
Einige Beobachter sehen nun die Gefahr, dass die EZB mit ihren Käufen von Staatsanleihen das Geldangebot übergebührlich ausweitet und am Ende dem neu geschaffenen Geld nicht genug reale Güter gegenüberstehen, so dass es zu einem massiven Anstieg der Preise für diese Güter kommt. So einleuchtend und einfach das Gesagte nun klingt, so müssen doch drei sehr wichtige Einschränkungen vorgenommen werden:
Glaubt man den Verlautbarungen der EZB, dürfte der Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbank theoretisch gar keinen Einfluss auf die Geldmengenentwicklung haben. Das liegt daran, dass die EZB sämtliche Käufe von Staatsanleihen sterilisieren möchte. Das heißt, für jeden Euro, der durch den Aufkauf griechischer, portugiesischer, irischer und spanischer Staatspapiere zusätzlich ins Finanzsystem gelangt, will die EZB ein Gegengeschäft durchführen, um dem Finanzkreislauf genau diese Summe wieder zu entziehen. Hierzu bietet sie zunächst verzinsliche Termineinlagen mit einwöchiger Laufzeit an, die wöchentlich roliert werden.
EZB hält bisher ihre Versprechen
Bisher hat sich die EZB strikt an dieses Versprechen gehalten und sämtliche Käufe von Staatsanleihen neutralisiert. Der zugeteilte Zinssatz lag bei den beiden bisher durchgeführten Ein-Wochen-Tendern nur knapp über dem Einlagensatz von 0,25 Prozent.Die RZB-Profis halten
es für sehr wahrscheinlich, dass die EZB schon bald weitere Maßnahmen ergreifen wird, um die Sterilisierung ihrer Anleihekäufe sicherzustellen.
Gerüchteweise war bereits zu vernehmen, dass Schuldverschreibungen mit dreimonatiger Laufzeit emittiert werden sollen. Auf diese Weise wäre bis zum Laufzeitende der jeweiligen Staatsanleihen kein zusätzliches Geld im Finanzkreislauf. Im Gegenteil: Da die EZB die von ihr angebotenen Termineinlagen deutlich niedriger verzinst als es der Verzinsung der von ihr gehaltenen Staatsanleihen entspricht, entzieht sie dem Markt sogar Geld. In dem Moment, in dem die Staatspapiere dann von ihrem Emittenten bei der EZB getilgt werden, kann diese auch ihre liquiditätsentziehenden Maßnahmen einstellen, da sich beide Geldströme gegenseitig aufheben, die Geldmenge also per saldo unverändert bleibt. Nun kann sich selbstverständlich kein Land auf der Welt innerhalb weniger Jahre entschulden. Dieser Prozess würde wahrscheinlich Jahrzehnte dauern.
Was im Extremfall passiert
Im Extremfall würden also die betroffenen Länder ihre Schulden reduzieren und nach und nach bei der EZB abtragen, die solange neue Schuldtitel dieser Länder kauft und damit die Schulden über Jahre hinweg roliert. Ziel wäre aber viel eher, das Vertrauen der Märkte in die betroffenen Länder soweit wieder herzustellen, dass diese sich nach gewisser Zeit wie zuvor problemlos am Markt finanzieren könnten.
In einem solchen Szenario ginge von der bloßen Tatsache des Ankaufens von Staatsanleihen durch die Notenbank keinerlei Inflationsgefahr aus, da die Zentralbankgeldmenge unter Ausklammerung sonstiger Einflussfaktoren unverändert bliebe. Dieses Szenario ist augenscheinlich das gegenwärtig von der EZB unterstellte.
Demgegenüber ergeben sich aber weitere mögliche Szenarien, die eintreten könnten, liefe der Schuldenabbau nicht so bilderbuchmäßig wie gegenwärtig offenbar von der EZB erhofft. Nur eines davon ist das Extremszenario, das im Ergebnis das gegenwärtig viel diskutierte und gefürchtete Inflationsszenario nach sich ziehen würde, eines hätte das genaue Gegenteil zur Folge, nämlich Deflation.
Läuft der Schuldenabbau der betroffenen Länder nicht ganz so reibungslos wie derzeit von der EZB erwartet, gäbe es eine zweitbeste Lösung, das sprichwörtliche blaue Auge sozusagen. Sind die betroffenen Länder trotz Konsolidierungsmaßnahmen nicht in der Lage, ihre Schulden bei der Notenbank fristgerecht zu tilgen, könnte die Notenbank diesen Ländern damit entgegenkommen, die Laufzeit für die Schuldenrückzahlung zu strecken und die fälligen Zinszahlungen zu kürzen oder sogar ganz auszusetzen.
So soll Zahlungsausfall vermieden werden
Um einen Zahlungsausfall zu vermeiden, würden die von privaten Investoren gehaltenen Anleihen in jedem Fall so lange wie möglich planmäßig bedient. Dies wäre zwar eine Subventionierung dieser Länder, hätte mit Blick auf die Geldmenge und damit mögliche Inflationsgefahren aber prinzipiell die gleiche Implikation wie im ersten beschriebenen Szenario: Per saldo keine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge.
Die Notenbank könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen und neben einer Laufzeitenstreckung bzw. der Aussetzung von Zinszahlungen einen Teil der Schulden erlassen, also einen sogenannten Haircut akzeptieren. Dies wäre zumindest insofern problemlos möglich, als die Notenbank den Abschlag, mit dem sie gegenwärtig die Staatsanleihen am Markt kauft, an das jeweilige Land weitergibt. Kauft die EZB griechische Staatsanleihen gegenwärtig zum Beispiel für 95 Prozent des Nominalwerts, so könnte sie Griechenland bei Fälligkeit der Anleihe genau diese 5,0 Prozent der Schulden erlassen, ohne einen Verlust zu erleiden. Sie würde den (aktuell) vom Markt angebotenen Abschlag für die von ihr gekauften Staatsanleihen einfach an das jeweilige Land weiterreichen.
Der große Vorteil eines solchen Vorgehens liegt auf der Hand, so die RZB-Experten: Die betroffenen Länder können ihre Schulden rascher abbauen, die Notenbank erleidet keinen Verlust aus den Geschäften und die Investoren verzichten freiwillig auf einen Teil ihre Kapitals, was einem erzwungenen Forderungsverzicht – also einem Default – bei Weitem vorzuziehen ist.
Wie weit die EZB Schulden erlassen kann
Im Extremfall könnte die Notenbank sogar noch weitere Zugeständnisse machen, indem mehr Schulden erlassen werden, als der Differenz zwischen von der Notenbank bezahltem Preis für die Staatsanleihen und dem Nominalwert der Schulden enstpricht. Dies wäre solange möglich, wie die hieraus resultierenden Verluste nicht die Gewinne der Notenbank aus anderen Geschäften überkompensieren.
Unberührt hiervon bleibt die Notwendigkeit für eine Sterilisierung der Staatsanleihenkäufe, also eine Kompensation der üppigeren Geldversorgung, bestehen. In einem solchen Szenario wäre es auch sehr wahrscheinlich, dass Mittel aus dem 750 Milliarden Euro
schweren Stabilisierungspaket von EU und IWF eingesetzt würden, um den betroffenen Ländern zu helfen und Zeit zu gewinnen, die notwendigen Konsolidierungsaufgaben zu meistern.
Gefährlich wird es erst, wenn die betroffenen Staaten ihren Konsolidierungsaufgaben in den nächsten Jahren nicht nachkommen und die von der Notenbank gehaltenen Anleihen nicht bedienen können oder wollen. In diesem Fall hätte die Notenbank unter anderem die Alternative „Weginflationieren“:
In diesem Fall schreibt die Notenbank die Forderungen gegenüber dem zahlungsunwilligen bzw. zahlungsunfähigen Land nicht ab, sondern kauft im Gegenteil alle Schuldtitel auf. Damit kann sie zunächst einmal die Ansteckungsgefahr auf andere Länder eindämmen. In einem zweiten Schritt vergibt sie sogar noch weitere Gelder an dieses Land, um es vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.Sterilisiert würden diese Käufe von Staatsanleihen dann nicht mehr.
In diesem Fall würde es buchstäblich zum gerne zitierten Anwerfen der Notenpresse kommen, ginge doch die Notenbank gar nicht mehr davon aus, das verliehene Geld jemals zurück zu bekommen, so die RZB-Experten. Dem verliehenen Geld stünde keine Gegenleistung mehr gegenüber. Die Folge wäre ein erheblicher Anstieg der Geldmenge, der gleichbedeutend wäre mit einem Vertrauensverlust in die Währung und einem massiven Wertverfall des Geldes, sowohl binnenwirtschaftlich als auch gegenüber anderen Währungen. Der Absturz des Wechselkurses und eine Inflationsspirale wären unvermeidbar.
Blick auf Zimbabwe
Schlimmstenfalls könnte ein solches Szenario in ein Ergebnis wie in den1920er Jahren in Deutschland oder jüngst in Zimbabwe führen, mit Hyperinflation und Inflationsraten von 100.000 Prozent oder gar 1.000.000 Prozent pro Jahr. Lösen ließe sich eine solche
Situation dann nur noch mit einer Währungsreform. Wie wahrscheinlich ist aber das Eintreten dieses Schreckensszenarios? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt ein Blick ans andere Ende der Welt nach Japan.
Die japanische Notenbank kauft seit Jahren Staatsanleihen – ohne jeglichen erkennbaren Einfluss auf die Preisstabilität und den Wechselkurs. Der Yen war in den letzten zwei Jahren sogar besonders fest. Gegenüber dem Dollar steht seit Januar 2008 eine Aufwertung um 20 Prozent, gegenüber dem Euro um 40 Prozent. Das Preisniveau (ohne Energie und Nahrungsmittel) sinkt seit 1998. Obwohl die japanische Notenbank also mittlerweile Staatspapiere im Volumen von 51 Billionen Yen (452 Milliarden Euro) hält, was gut 10,0 Prozent des nominalen Bruttoinlandsproduktes entspricht, und diese Käufe anders als bei der EZB nicht sterilisiert werden, kämpft Japan noch immer gegen eine Deflation und leiden japanische Exporteure aktuell unter einer starken heimischen Währung.
Konsequenzen für den Euroraum
Überträgt man diese Zahlen analog auf den Euroraum bedeuteten die japanischen Verhältnisse, dass die EZB im Volumen von fast 1.000 Milliarden Euro Staatsanleihen aufkaufen müsste, um auf einen Anteil von 10,0 Prozent am nominalen Bruttoinlandsprodukt zu kommen. Das wäre mehr als drei Mal die komplette griechische Staatsschuld und entspräche einer Ausweitung der Notenbankbilanz um rund 50 Prozent. Ehrlicherweise muss man erwähnen, dass die Voraussetzungen und das ökonomische Umfeld, unter denen die Staatsanleihenkäufe in Japan erfolgen, sich von denen im Euroraum deutlich unterscheiden. So erzielt Japan seit Jahren einen sehr hohen Leitungsbilanzüberschuss. Außerdem ist die Sparquote der privaten Haushalte enorm hoch. Beide Faktoren ermöglichen die problemlose Finanzierung der enormen Staatsschulden aus dem Inland heraus. Eben dieses ist in Griechenland, Portugal und Spanien nicht gegeben.
Griechenland, Portugal und Spanien brauchen Auslandskapital
Diese Länder sind auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Zum anderen gleicht die zunehmende Verschuldung des Staates in Japan die nachlassende Kreditnachfrage aus dem privaten Sektor aus. Durch diese Verschiebung der Verschuldung bleibt das Geldmengenwachstum unberührt. Käme es zu einer Belebung der Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte, bestünde auch in Japan die Gefahr einer starken Geldmengenausweitung.
Aber auch in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien hat die jeweilige Notenbank im letzten Jahr größere Mengen an Staatspapieren gekauft. Ebenfalls ohne diese zu sterilisieren. In beiden Fällen kam die Währung gegenüber dem Euro nur kurzzeitig unter Druck. Sorge vor einem Ausufern der Inflation gibt es in beiden Ländern nicht. Und selbst die Schweizerische Nationalbank hat zur Schwächung des Franken Staatsanleihen gekauft; allerdings ohne nachhaltigen Erfolg, obwohl auch hier die Staatsanleihenkäufe nicht sterilisiert wurden.
Bank of China, Bank of Japan und die Fed finanzieren USA
Genau genommen wird die Staatsverschuldung in den USA schon seit Jahren in großen Teilen durch Notenbanken finanziert. Es handelt sich dabei eben nur nicht um die Fed, sondern die Bank of China und die Bank of Japan. Das Ergebnis ist allerdings das gleiche: Staatsschulden werden von Notenbanken finanziert. Lediglich das Problem der wachsenden Geldmenge wird von den USA nach China verlagert.
Auf die Spitze getrieben könnte man fragen, was wäre, wenn nun die Fed chinesische Staatsanleihen kauft? Rein rechtlich würde dann keine Notenbank die Staatsverschuldung im eigenen Land finanzieren, sondern ausländische Anleihen kaufen. Praktisch wäre das Ergebnis aber selbstverständlich exakt das gleiche!
Bisher hat die EZB Staatsanleihen verschiedener Mitgliedsländer im Volumen von 47Milliarden Euro gekauft, wobei die Volumina von Woche zu Woche geringer ausgefallen sind. In der ersten Woche wurden noch Papiere für 16 Milliarden Euro gekauft, zuletzt waren es noch 4,0 Milliarden Euro. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt hat die EZB bislang 0,5 Prozent an Staatsanleihen erworben.
Von EZB geht durch Kauf von Staatsanleihen derzeit keine Inflationsgefahr aus
In Abwägung aller Fakten ist festzuhalten, dass der bloße Kauf von Staatsanleihen durch eine Notenbank keinen Automatismus zur Folge hat, der unausweichlich in die Inflation führt. Diese Vorstellung beruht in erster Linie auf den Erfahrungen nach Ende des ersten Weltkrieges und ist besonders in Deutschland weit verbreitet.
Es gibt zahlreiche Beispiele weltweit dafür, dass Notenbanken Staatsanleihen kaufen, ohne dass es deswegen zu einer beschleunigten Geldentwertung kommt. Realistisch betrachtet geht in den nächsten Jahren vom Staatsanleihenerwerb der EZB keine Inflationsgefahr aus. Dies gilt insbesondere für die Betrachtung der Verbraucherpreisentwicklung. Die Gefahr eines deutlichen Anstiegs der Preise für Vermögenswerte wie Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffe – „asset price inflation“ – ist dagegen nicht von der Hand zu weisen, da die Transformation von Zentralbankgeld in breitere Geldmengenaggregate in Händen von privaten Haushalten, Unternehmen und dem Staat hierzu nicht notwendig ist.
Zwar kann man nicht völlig ausschließen, dass es irgendwann zu den Entwicklungen wie im Szenario "Inflation, Hyperinflation" kommt, die RZB-Profis messen dem aber nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit bei. Sie halten die im Szenario "Blaues Auge" geschilderte Entwicklung bzw. eine Mischung aus diesem Szenario und den Szenarien "Woran die EZB fest glaubt" oder Szenario "Japan" gegenwärtig für den weitaus wahrscheinlicheren Ausgang. Wobei die Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Regierungen Druck auf die EZB ausüben werden, möglichst lange an der Maßnahme des Staatsanleihekaufes festzuhalten.
Kritischer Blick auf Gold als Inflationsschutz
Den derzeit viel propagierten Kauf von Gold als Inflationsschutz sehen die RZB-Profis in jedem Fall nicht unkritisch. Gold und andere Edelmetalle stellen in keiner Weise eine Garantie dafür dar, dauerhaft einer befürchteten Geldentwertung zu entgehen. Zwar ist es richtig, dass der Goldpreis in der Vergangenheit deutlich auf steigende Inflationsraten reagiert hat. Nur gab es in
der Vergangenheit eben auch schon Phasen, in denen sich der Goldpreis halbiert hat. Zu dem kommt, dass Gold keine Zinsen abwirft.
Gold kostet real weniger als Anfang der 1980ziger Jahre
Indexiert man den Goldpreis auf Anfang 1968 und bereinigt ihn um die Güterpreisinflation, so kostet Gold aktuell real noch immer Dollar 300 weniger als Anfang der 1980er Jahre. Hat man also damals, auf dem Hochpunkt steigender Inflationsraten, in Gold investiert, besitzt das angelegte Geld heute knapp 40 Prozent weniger Kaufkraft als damals. In der gleichen Zeit lag der durchschnittliche reale Zinssatz für zweijährige US-Staatsanleihen bei 2,6 Prozent pro Jahr. Aus 100 Dollar, die 1980 in zweijährige US-Staatsanleihen investiert wurden, sind heute reale 215 Dollar geworden. Die Anlage in Gold ist also nicht uneingeschränkt ein Schutz vor Inflation. Das wäre sie lediglich dann, wenn es zu einer Hyperinflation mit anschließender Währungsreform käme. Bleibt eine solche aus, ist Gold wie jede andere Anlageform zu betrachten,die erheblichen Preisschwankungen unterliegt.
Zwar halten es die RZB-Experten für durchaus realistisch, dass die Sorge mancher Anleger – nicht nur vor Inflation, sondern generell vor einer neuerlichen Verschärfung der Staatsverschuldungskrise – den Goldpreis heuer noch deutlich höher (auf 1.500 US-Dollar und mehr) treibt. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es sich bei Gold um keinen Sparbuchersatz handelt, sondern ein sehr spekulatives Investment. Erwischt man nicht den richtigen Ausstiegszeitpunkt, schützt auch eine Anlage in Gold nicht vor Vermögensverlusten.
Laut Bawag-Studie sollen im Jahr 2030 mehr als 660.000 alleinlebende Frauen über 50 Jahre in Österreich leben. Gerade diese Gruppe sollte sich um ihre Finanzen kümmern. zum Artikel