„Die Konsumenten zahlen bei Bankgeschäften seit Jahren drauf“, kritisiert Glatz. „Sie haben durch die Finanzkrise Milliarden verloren.“ So haben Verbraucher zum Beispiel einen Verlust ihres angesparten Vermögens, weil die Wertpapiermärkte verfallen sind. Zur Verdeutlichung: Rund 2.300 Euro netto beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen der österreichischen Haushalte. Jeder dritte Haushalt, der Aktien besitzt, hat „nur“ ein Durchschnittseinkommen.
Fremdwährungskredite kaum rückzahlbar
Die Fremdwährungskredite sind durch Kursänderungen und den Verfall der Tilgungsträger kaum mehr rückzahlbar – und es gibt rund 250.000 Kreditverträge, die in Fremdwährung aushaften. Die Banken geben Zinsänderungen an Konsumenten nicht im notwendigen Ausmaß weiter. . „Es ist unakzeptabel, wenn Banken mit Unterstützung der Steuerzahler und auf Kosten der normalen Kreditnehmer Gewinne maximieren. Damit muss Schluss sein“, so Glatz. „Die Arbeitnehmer haben die Krise nicht verursacht, aber schon mehrmals dafür bezahlt.“
Daher fordert die AK: Runter mit den Kredit- und Überziehungszinsen, rauf mit den Sparzinsen. Außerdem fordert die AK mehr Konsumentenschutz bei Bankgeschäften: klarere und einfachere Produkte, mehr und verständlichere Informationens und mehr Transparenz bei Spesen.
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So mancher Konsument wollte sein Erspartes für die Altersvorsorge anlegen oder einen attraktiven Häuslbauer-Kredit aufnehmen. Aber im Herbst 2008 kam der Crash: Die Konsumenten haben einen Verlust des angesparten Vermögens durch den Verfall der Wertpapiermärkte; kauften windige Produkte, die ihnen von provisionsgetriebenen Verkäufern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angedreht wurden; haben kaum mehr rückzahlbare Fremdwährungskredite wegen der Kursänderungen und des Verfalls des Wertes der Tilgungsträger; die Sparzinsen sind zu niedrig im Vergleich zu den Refinanzierungskosten der Banken; die Kreditzinsen sind zu hoch im Vergleich zu den Leitzinsen, insbesondere den für Kreditverträge maßgeblichen Euribor (European Interbank Offered Rate).
Zu niedrige Guthabenzinsen – zu hohe Überziehungszinsen
„Die Leitzinsen sind seit der Finanzkrise so niedrig wie schon Jahre zuvor nicht“, erinnert Glatz. Die Zinsen für die Sparbücher sind gefallen oder konstant auf niedrigem Niveau (bei Girokontohabenzinsen, täglich fälligen Sparbüchern). Bei Sparprodukten haben die Banken die Sparzinsen sehr rasch und „nach unten“ angepasst.
Die Kreditzinsen und die Überziehungszinsen bewegen sich jedoch kaum nach unten – und vor allem nicht in jenem Ausmaß, wie die Geldmarktzinsen gesunken sind. Die Folge: Die Zinsspanne zwischen Kreditzinsen und den Geldmarktzinsen driftet seit der Finanzkrise immer mehr auseinander.
Kein Ausgleich der Inflation
Girokonto-Guthabenzinsen: Die effektiven Guthabenzinsen – Ausnahme einige wenige Kontomodelle – sind nahezu bei null. So macht der durchschnittliche Zinssatz 0,125 Prozent aus (ohne Kapitalertragssteuer). Das zeigt eine Auswertung der AK von 54 Kontoprodukten bei 31 Banken von Februar 2005 bis Februar 2010. „Die Guthabenzinsen bleiben starr und sind offenbar von den Geldmarktzinsen abgekoppelt“, so Glatz. Der durchschnittliche Habenzinssatz hat sich seit Jahren bei 0,125 Prozent eingependelt. Die Inflation konnte nicht ausgeglichen werden.
„Minuszinsen“: Die Zinsen für eine Kontoüberziehung liegen bei 9,5 bis 9,625 Prozent zwischen Jänner 2005 bis Jänner 2010. „Das bedeutet, dass die Überziehungszinsen praktisch festgeklebt sind“, kritisiert Glatz, „und das trotz Senkung der Geldmarktzinsen, zum Beispiel des 3-Monats-Euribor.“ Die Banken haben die Überziehungszinsen kaum abgesenkt, als die Geldmarktzinsen gefallen sind.
Kreditzinsen: Die Kreditzinsen sind bei weiten nicht so stark gefallen wie die Geldmarktzinsen, also der Euribor. Die Spanne (Zinsdifferenz) zwischen den Geldmarktzinsen (Euribor 6 Monate) und den Kreditzinsen hat sich von 1,97 Prozentpunkten
(im Oktober 2008) auf 3,66 Prozentpunkte im Juni 2010 ausgeweitet.
„Die Banken haben mit diesem Spannen-Plus kräftig verdient“, kritisiert Glatz.
Sparbuchzinsen: Die Sparbuchzinsen sind zu niedrig. Bei täglich fälligen Sparbüchern bieten viele Banken einen fixen Zinssatz von 0,125 Prozent (ohne Kapitalertragssteuer) an. Der Zinssatz wurde auch in Zeiten hoher Euribor-Vergleichswerte nicht nach oben korrigiert.
Die Spesen beim Gehaltskonto
Beim Gehaltskonto gibt es eine Reihe von Spesen, die zum Teil kräftig erhöht wurden – einige Beispiele: Zu den teuersten Nebenspesen zählen die Kosten, die dem Kunden für die Nichtdurchführung einer Lastschrift (mangels Kontodeckung) verrechnet werden – bis zu zehn Euro. Die Spesen sind laut AK-Analyse von Jänner 2005 bis Jänner 2010 von fünf Euro (Median) auf sechs Euro angewachsen – das bedeutet ein Anstieg um durchschnittlich 3,71 Prozent pro Jahr.
Die Spesen für Bareinzahlung zu Gunsten eines institutsfremden Kontos sind im Zeitablauf kräftig gestiegen: Betrug der Mittelwert (Median) im Jänner 2005 zwei Euro, ist dieser Wert auf drei Euro angestiegen (Jänner 2010). Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Preissteigerung von 8,45 Prozent. Diese Preiserhöhungen liegen weit über der allgemeinen Preisentwicklung (VPI).
Zeilengebühren für automatisierte Gutschriften sind zwar zumeist kostenlos (etwa in der Kontoführungsgebühr pro Quartal inkludiert). Aber im Zeitreihenvergleich zeigt sich, dass sich die Preisgrenzen ebenfalls nach oben verschoben haben: Im Jänner 2005 betrug die von den 56 untersuchten Kontopaketen verrechnete Zeilengebühr (Gutschriften) maximal 50 Cent, während im Jänner 2010 bis zu (maximal) 1,50 Euro für die Gutschriftverrechnung anfallen können. Unter diesem Gesichtpunkt hat sich (auch) die Zeilengebühr vervielfacht.
Für die Änderung oder vorzeitige Stornierung von Daueraufträgen werden – jenach Bank und Art der Änderung (händisch in der Filiale) – bis zu drei Euro in Rechnung gestellt. Von 56 untersuchten Kontoprodukten gab es bei 25 Kontoprodukten (und somit fast der Hälfte aller Produkte) Spesen zwischen 0,15 und drei Euro. Bei 31 untersuchten Produkten gibt es keine Zusatzspesen.
Gebührenparadies bei Krediten
Die von der AK erhobene (einmal verrechnete) Bearbeitungsgebühr bei Konsumkrediten beträgt null bis vier Prozent. Im Durchschnitt werden zwei bis drei Prozent verrechnet, was bei einem Kredit von 20.000 Euro bis zu 600 Euro sind. Die Kontospesen für das Kreditkonto sind häufig wesentlich kräftiger gestiegen als die allgemeine Preissteigerung (VPI). Die Kontospesen pro Quartal wuchsen jährlich im Durchschnitt um 4,2 Prozent, wenn man den Median (6,53 Euro) vom Jänner 2005 mit dem Medianwert (8,46 Euro) aus Jänner 2010 miteinander vergleicht.
Die Spesen bei Sparprodukten
Die Spesen bei Sparprodukten haben sich zwischen 2005 und 2010 wenig markant verändert. Es gibt auch Banken, die auf die Schließungsspesen gänzlich verzichten. „Etwa jede zweite Bank verrechnet Schließungsgebühren bei Sparbüchern von bis zu sieben Euro“, sagt Glatz.
Bei den Sparcards oder sonstigen alternativen Sparformen können auch zusätzliche Spesen (Kontoführungsgebühr, Kartengebühr bis zu 12,50 Euro) verrechnet werden: zum Beispiel eine Kontoführungsgebühr pro Quartal in der Höhe von bis zu 1,05 Euro. „Auch Barbehebungsspesen am Schalter, zum Beispiel 2,47 Euro,können den Zinsertrag gegen null fahren lassen“, so Glatz.
Die Last der Fremdwährungskredite
Es gibt in Österreich rund 250.000 Fremdwährungskreditverträge, mit denen sich private Haushalte ihren Wohnraum finanzieren. Die Finanzkrise hat viele Fremdwährungskreditnehmern ins Schwitzen gebracht: Der Schweizer Franken hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise kräftig aufgewertet. Das Währungsrisiko wurde von Vermittlern klein geredet, kritisiert die AK. Das Währungsrisiko ist aber schlagend geworden und fällt jenen auf den Kopf, die das Märchen vom „stabilen Franken“ geglaubt haben. Derzeit schreiben Banken ihre Kunden an, und machen sie plötzlich auf die unberechenbare Währung aufmerksam.
Versprochene Renditen sind nicht eingetroffen
Die meisten Konsumenten haben einen endfälligen Fremdwährungskredit (zwischen 80 und 85 Prozent aller Verträge): Die Kreditschuld, die zu Beginn vom ausbezahlten Euro-Kreditbetrag in Schweizer Franken umgerechnet wird, haftet bis Laufzeitende in voller Höhe aus (endfällig). Zurückbezahlt wird der Kredit über sogenannte Tilgungsträger, also Ansparprodukte. Sie erwirtschaften die Profite. Meist sind das Fondsparpläne oder Lebensversicherungen. Das Problem, vor denen die Kreditnehmer stehen: Die versprochenen Renditen sind nicht eingetroffen – und werden auch niemals eintreffen, im Gegenteil: Etliche Kreditnehmer stehen mit entwerteten Ansparprodukten da. Es drohen große Lücken zu Laufzeitende. Das ist für die kreditgebenden Banken Anlass, ihre Kunden – mehr oder weniger dringend, aber häufig mit merklichem Druck – zur Nachversicherung anzuhalten. Die Kreditnehmer sind in eine Doppelmühle geraten – der Wechselkurs hebelt die Kreditschuld, die Ansparprodukte hingegen knicken ein.
Viel zu kompliziert, teils undurchschaubar, wenig Informationen, fehlende Kosten, unzulässiger Vergleich mit den Sparbuchzinsen bei Renditen oder garantierten Summen – so stellen sich die neuen Veranlagungs-, Spar- und Vorsorgeprodukte auch nach Ausbruch der Finanzkrise für Konsumenten dar, so die AK-Kritik. „Es ist ein falsches Signal, wenn wieder so unklare Finanzprodukte auf dem Markt sind“, sagt Glatz.
Unklare Spesen – wenig Transparenz
Viele Bankkunden ärgern sich über Spesen, die überraschend oder in unerwarteter Höhe verrechnet werden. Die AK hat erhoben, wie gut die Banken über Spesen, Gebühren und Zinsen informieren. Die AK machte einen Zins- und Spesencheck auf den Homepages von 13 Banken (März 2010). Das Ergebnis: DieSpeseninf ormationen auf den Homepages sind sehr dürftig. Von den acht untersuchten Filialbanken veröffentlichten sechs gar keine (oder nur sehr dürftige) Infos über Spesen zu Girokonto/Zahlungsverkehr, Sparen, Kredite, Wertpapiere.
Die fünf untersuchten Websites der Direktbanken sind informativer: Vier von fünf Homepages enthalten Angaben über anfallende Spesen im Privatkundengeschäft. Einen besseren Informationsstandard gibt es bei Zinsangaben über Spar- und Kreditprodukte. Positiv ist, dass alle untersuchten Banken Zinsangaben über Sparprodukte veröffentlichen. Hingegen sind Angaben über Kreditzinsen nicht durchgängig zu finden. Die Hälfte der Banken bietet umfangreiche Zinsangaben zu Krediten. Auf zwei Homepages findet sich allerdings gar keine Kreditkondition.
Mehr Schutz für Bankkunden
„Die Finanzkrise zeigt, dass Konsumenten um ihr Investiertes zittern mussten. Sie müssen geschützt werden, nicht die Spekulanten“, sagt Glatz. Daher fordert die AK: 1. Einfache, verständliche Produkte
„Eine farbliche Codierung ermöglicht es den Konsumenten mit einem Blick ein Risiko zu erkennen“, betont Glatz. Außerdem will die AK „Produktinformationsblätter“, das heißt einen „Beipackzettel“ für Finanzprodukte. In Deutschland hat die Verbraucherministerin einen Vorschlag präsentiert. Einige Banken (ING Diba) haben solche Produktblätter bereits eingeführt. Neben der Produktbezeichnung, Anbieter und Produktbeschreibung werden in diesem Informationsblatt die Risken, die Rendite, die Kosten und die Verfügbarkeit dargestellt.
„Das wäre eine gute Hilfe für die Konsumenten. Die AK fordert von Finanzminister Josef Pröll, dass eine standardisierte Form der Information für alle Finanzprodukte für die Konsumenten verpflichtend vorgeschrieben wird.
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