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Europäische Ratingagentur

Gefahr der Blamage für EU

22.10.2009
Von Erwin J. Frasl
Die grossen US-Ratingagenturen haben einen wesentlichen Anteil am Ausbruch der jüngsten Finanzkrise. Die EU hat sich daher das Ziel gesetzt, eine europäische Ratingagentur auf den Weg zu bringen. Peinlich, dass es bis jetzt nicht geklappt hat.
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Gesucht: Europäische Ratingagentur

12 Monate und fünf Tage war es am Dienstag dieser Woche her, dass eine Schockwelle von den USA nach Europa überschwappte und Bankern und Politikern den Schweiss auf die Stirn trieb: Lehman Brothers meldeten Konkurs an. In den Sog dieser Pleite gerieten alsbald zahlreiche Banken.

Mit den Ursachen und den Folgen dieses Finanzdebakels bis heute befasste sich am Dienstag dieser Woche eine hochkarätige Expertenrunde im Rahmen der Buchpräsentation „Österreichs Kreditwirtschaft in der Weltfinanzkrise“ des Neuen Wissenschaftlichen Verlages im Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Jetzt, nachdem die gröbsten Probleme der Krise gemeistert sind, konnten der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, und der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Christoph Leitl, ein Gefühl dafür vermitteln, welche gewaltigen Anstrengungen notwendig waren, um den Finanzmarkt und die reale Wirtschaft vor einem Kollaps zu bewahren. Im Rückblick attestierten Experten wie die Banker Dr. Rene A. Haiden (Alizee Bank) und Dr. Heimo Penker (BKS Bank) sowie die Industriellen Dr. Josef Taus (MTH-Gruppe) und Dr. Claus J. Raidl (Böhler-Uddeholm) den Politikern und Notenbankern, daß im Gegensatz zur Weltwirtschaftskrise 1929 diesmal die richtigen Entscheidungen getroffen wurden, was die notwendigen Sofortmassnahmen anlagt.

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Gescheitert sind allerdings bisher die Bemühungen der Europäischen Gemeinschaft, sich von der fatalen Abhängigkeit der US-Ratingagenturen zu befreien. Diese haben wesentlichen Anteil am Ausbruch der jüngsten Finanzkrise. Weltweit müssen sich Anleger bei ihren Geldanlagen auf die Bewertung der drei US-Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch Ratings verlassen. Immerhin beherrschen Moddy’s und Standard & Poor’s mit je 40 Prozent Marktanteil und Fitch Ratings mit 15 Prozent Marktanteil zusammen 95 Prozent des Weltmarktes im Ratinggeschäft. Und die Bewertungen dieser Ratingagenturen erwiesen sich in der Krise vielfach als Bewertungsmärchen, für die die Anleger mit dem Verlust ihrer Geldanlagen bitter büssen mussten.


Gesucht: Europäische Ratingagentur

Kein Wunder, dass die EU klar und deutlich erkannte, dass eine eigenständige europäische Ratingagentur eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Neuordnung des Finanzsystems darstellt. Peinlich ist allerdings, dass es den Europäern bis jetzt nicht gelungen ist, eine derartige Bewertungagentur auf den Weg zu bringen.

Genauso wie die Europäische Union aber das europäische Navigationsssystem Galileo braucht, um nicht von anderen Staaten abhängig zu sein, bedarf es auch zumindest einer europäischen Ratingagentur, die so aufgestellt ist, dass sie auch international bestehen kann. Wer sich im Finanzsystem nur mit fremder Hilfe orientieren kann, der darf sich nicht wundern, dass er an der Nase herumgeführt wird.

Höchste Zeit, das die Krisenvorsorge der Europäischen Union im Bereich der Finanzwirtschaft auch zur Gründung einer europäischen Ratingagentur innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre führt. Alles andere wäre eine deutliche Blamage.

 

 

 

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