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Euro-Sprengstoff

Keine politischen Tabus mehr?

05.06.2012
Von Wolfgang Thomas Walter
Werden Kurse um 1,20 US-Dollar zur endgültigen Gefahrenzone für den Euro? Wie reagiert die EZB diese Woche auf die aktuelle Krisenlage? Ist die Politik noch willens, ein Überleben des Euro zu organisieren? Und: Deutet der Verfall großer Rohstoff-Indizes auf eine weltweite Rezession hin? Fragen an Walter K. Eichelburg aus Wien.
Walter K. Eichelburg, hartgeld.com
Eklatante Euroschwäche: Der Euro ist in den letzten Wochen und Monaten erneut schwer unter Druck geraten. Manche sprechen bereits jetzt von einem bedrohlichen Absturz. Interessant: Die technische Marke von 1.26 US-Dollar konnte dabei nicht gehalten werden. Beginnt Ihrer Meinung nach bei Kursen um 1,20 US-Dollar oder knapp darunter die wahre Gefahrenzone für den Euro – eine wirkliche Währungskrise also?

Eichelburg: Der Euro ist so gut wie tot, seit Spanien praktisch pleite ist, Das Land kann sich praktisch nicht mehr am Markt finanzieren, der nächste Pleitekandidat wird Italien sein. Daher fällt auch der Euro gegenüber dem US-Dollar und auch gegen Gold. Die westlichen Zentralbanken versuchen den Euro noch zu stützen, aber das wird nicht mehr lange helfen. 1.20 US-Dollar, ja das könnte der Punkt sein, wo der tiefe Euro-Fall beginnt. Dann ist die Währungskrise da und muss mit hohen Zinsen bekämpft werden, was zum endgültigen Crash in der Eurozone führt.

EZB-Sitzung: Die europäische Schuldenkrise hat mit dem Desaster am spanischen Immobilienmarkt, überschuldeten Provinzen und dem Quasi-Kollaps der verstaatlichten Großbank Bankia eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wie wird sich Ihrer Meinung nach Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank EZB, in dieser Woche aus der Affäre ziehen?

Eichelburg: Draghi warnt ohnehin schon, dass der Euro untergeht, wenn die Politiker nicht schnell etwas machen. Aber diese sind selbst paralysiert, deren ganze Rettungsschirme, egal wie sie heissen, sind nutzlos. Die EZB kann Staatsanleihen monetisieren, aber nicht dern Euro stützen, wenn die Flucht daraus zu gross wird.

Kanzlerdämmerung: Im Kampf um den Erhalt des Euro dürfe es keine politischen Tabus mehr geben, war unlängst von der deutschen Bundeskanzlerin zu vernehmen. Stabile EU-Verträge, Eurobonds, direkte Banken-Refinanzierung de durch die EU und strikter Sparkurs: Wackelt die deutsche Eiche am Ende doch?

Eichelburg: Keine politischen Tabus? Bisher hat es eine Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich in dem Sinne gegeben, dass Deutschland für diese EFSF-Kredite haftet, wenn die Pleitestaaten dafür sparen. Inzwischen ist Frankreich unter dem neuen Präsidenten Hollande daraus ausgestiegen und hat sich auf die Seite der Pleitestaaten im Süden geschlagen. Auch von dieser Seite gibt es massiven Euro-Sprengstoff. Auch Eurobonds nützen am Ende nichts, wenn die Märkte annehmen, dass Deutschland nicht die ganze Eurozone retten kann. So verabschieden sich inzwischen Asiaten und Amerikaner aus der ganzen Eurozone, inklusive Deutschland. Deutschland plus Niederlande, Finnland, etc. ist einfach zu klein, um den Rest der Eurozone zu retten.

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Neue D-Mark als Retter: Nach Meinung nicht weniger Volkswirtschaftler kann nur Deutschland als einziges Euroland im weltweiten Wettbewerb dauerhaft bestehen. Da sich im Euro-Raum die Kluft zwischen den Ländern weiter vergrößern wird, wäre die logische Konsequenz ein Ausstieg Deutschlands selbst aus dem Euro – quasi um den anderen Mitgliedsstaaten – gerade den schwächelnden Südstaaten – ein Überleben im Euro möglich zu machen. Könnte eine neue starke D-Mark also den Euro doch noch retten?

Eichelburg: Es stimmt, nur Deutschland hat in der Eurozone die wirklich wettbewerbsfähige Industrie. Alle Südstaaten inklusive Frankreich haben sich während des Bestehens des Euro quasi auf die faule Haut gelegt und sich dem Konsum auf Kredit gewidmet. Deutschland wird dann aus dem Euro aussteigen, wenn die Kosten der Euro-Rettung auch für die deutschen Bürger massiv spürbar werden, etwa über die Inflation oder drastisch angehobene Steuern. Die neue D-Mark ist bereits seit 2010 gedruckt, eine Einführung wurde mehrere Male versucht, aber auf Druck von Italien, Frankreich und den USA immer wieder abgeblasen. Sobald Deutschland nach einem Euro-Crash aussteigt, werden die anderen Eurostaaten auch zu ihren nationalen Währungen zurückkehren, diese sind auch grossteils schon gedruckt. Diese Währungen kommen überall mit einer Währungsreform, wobei die Sparer grossteils enteignet werden. So wie 1945 in Österreich oder 1948 in Deutschland.

Ausverkauf von Rohstoffen: Der Verfall der großen Rohstoff-Indizes – etwa des CRB-Rohstoffindex – wird mittlerweile auch von einem „Einbruch“ der Ölpreise getrieben. Spekulieren hier Investoren schon auf eine künftig sinkende Nachfrage – etwa bedingt durch einen weltweiten konjunkturellen Abschwung?

Eichelburg: Die Preise für Öl und andere Rohstoffe sind einfach deswegen runtergekommen, weil die weltweite Nachfrage sinkt. Von Japan über China und Europa bis in die USA gehen fast alle Staaten in die Rezession oder sind gar schon in einer Depression. Zudem ist der US-Dollar, in dem die Rohstoffe ausgepreist werden, immer noch recht stark. Das Gegenteil ist Gold, der Goldpreis ist in den letzten Tagen stark gestiegen, weil Gold primär Geld ist und kein Rohstoff. Daher wird der Goldpreis mit zunehmender Eurokrise noch stark steigen.

 

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Leserkommentare

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07.06.2012 16:29 Uhr
Dirk01: es stimmt-
das dieses system noch funktioniert ist nicht mehr logisch, aber bislang werden immer wieder antworten gefunden, dass das rad sich weiter dreht. wenn gold doch immer wieder gedrückt werden kann, wie soll es dann jemals explodieren? eichelburg möchte den niedergang erzwingen, ist aber nicht mehr ernst zu nehmen. Er wird von woche zu woche unglaubwürdiger mit seinen Weltuntergangsbeschwörungen. ich werde den mann zukünftig ignorieren, ist mir einfach zu negativ.
07.06.2012 07:49 Uhr
Neo Blogg: WE hat recht gehabt!
Blödsinn! Walter Eichelburg hat von Anfang an Recht gehabt. Was ihn allerdings selbst gewundert haben dürfte ist die Raffinesse,mit welcher im Finanzsystem die Kohle gedruckt und transferiert wird!

Auch Fiat-Money kann niemals unbegrenzt drucken, wer das glaubt, hat selber nichts begriffen. Aber das verstehen einige systemgläubige einfach nicht.

Macht auch nichts, die Zukunft, so deutet es sich leider an, wird mal wieder, ausgelöst durch Ausbeutung und Ausplünderung der Bevölkerung, auf der Strasse entschieden.

Leuten die meinen, es wäre nichts passiert, empfehle ich gerne einen Griechenlandurlaub. Doch denn wollen sie doch lieber ins Allgäu...

In diesem Sinne
Neo

06.06.2012 13:47 Uhr
Richard: Immer wieder...
Seit 2006 sieht Eichelburg den großen Crash kommen. Jeden Monat wieder. Irgendwann langweilt es nur noch. Nichts kollabiert. Die Zentralbanken haben unbegrenzt Geld. Unbegrenzt. Das ist ja das Feine in einem Fiat Money System. Das versteht Eichelburg einfach nicht.
Foto: Walter K. Eichelburg, hartgeld.com ID:2642
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