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Bonitäts-Bewertungen

Wie böse sind die Ratingagenturen?

15.03.2012
Von Hans Hammerschmied
Die wirtschaftlichen Probleme einiger Euro-Länder heizen die Debatte in Sachen Ratingagenturen immer wieder an.
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Mag. Hans Hammerschmied ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und Seniorpartner der Hammerschmied Hohenegger & Partner Wirtschaftsprüfungs GmbH.

Ratingagenturen sind private gewinnorientierte Unternehmen, die die Bonität von Unternehmen, Organisationen und Staaten bewerten. Bonität ist in der Finanzwirtschaft die Eigenschaft, aufgenommene Schulden zurückzahlen zu können und zu wollen. Die Bewertung gründet auf veröffentlichte Zahlen wie auch auf Brancheneinschätzung und Beurteilung des Managements. Je niedriger die Bonität beurteilt wird, desto schwieriger und teurer wird es für das jeweilige Unternehmen bzw. Land Geld zu besorgen, da im Zins das Ausfallsrisiko mitbewertet wird. Je höher also die Bonität, desto weniger Zins zahlt man für neue Kredite.

Ratingagenturen nur das, was sie seit über hundert Jahren tun

Die ersten Ratingagenturen haben sich vor über hundert Jahren in den USA entwickelt, wo der liberale Finanzmarkt nach einer Regulierung verlangte. Seit dieser Zeit kommen die drei großen Ratingagenturen Ihren Aufgaben nach. Solange beinahe sämtliche europäische Länder die Bestwertung AAA erhielten waren alle zufrieden. Doch sobald aufgrund der Schuldenkrise einzelnen Länder diese Bestnote entzogen wurde bzw. einige Länder sogar auf „Ramschstatus“ herabgestuft wurden, regte sich Kritik in Europa. Die Ratingagenturen stünden unter Einfluss amerikanischer Interessen, sie stünden ganz in der angelsächsischen Tradition der Finanzmärkte und verstünden unseren kontinentaleuropäischen Weg nicht, etc. Dabei tun die Ratingagenturen nur das, was sie seit über hundert Jahren tun. Dass die übermäßig angehäuften Schulden der letzten Jahrzehnte früher oder später die Frage nach der Rückzahlbarkeit dieser Verbindlichkeiten aufwirft, erschließt sich auch jedem Laien.

Sicherlich, ganz aus der Kritik herausnehmen kann man die Ratingagenturen nicht. Des öfteren lagen sie auch in der Vergangenheit falsch. Zu groß ist ihr Einfluss über das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften, als dass man sie ohne Kontrolle wirken und walten lassen könnte.

Europäische Ratingagenturen als kindische Trotzreaktion

Der Ruf nach einer europäischen Ratingagenturen ist nicht nur eine kindische Trotzreaktion, sondern auch unvernünftig. Wer würde dem Urteil einer Agentur trauen, die scheinbar nur aus einem einzigen Grund gegründet worden ist: Um europäischen Staaten eine gute Bewertung zu verleihen. Wer an den internationalen oder auch nur an den europäischen Börsen würde deren Urteil als Grundlage für eine Kaufentscheidung heranziehen ?

Mag. Hans Hammerschmied

... ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Wien, Seniorpartner der Hammerschmied Hohenegger & Partner Wirtschaftsprüfungs GmbH. Er ist Landesvizepräsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder Wien sowie Fachautor diverser Publikationen im Zusammenhang mit BASEL II und RATING.

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