29.11.2010
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Ausblick der RZB bis Juni 2011

So entwickeln sich die Zinsen

Von Erwin J. Frasl
Die Zinsentwicklung in den kommenden Monaten ist für Anleger und Kreditnehmer ein entscheidender Faktor bei der Wahl konkreter Anlageprodukte bzw. Kreditaufnahmen. Hier die Einschätzungen der RZB-Profis.
Zinsen-Euribor-Swapsatz-Spread-Leitzins-Europäische Zentralbank-RZB-Raiffeisen Zentralbank-RZB

Preisschübe durch Steuern und Gebühren drohen

Während die Konjunktur bis weit ins Jahr 2011 holprig verläuft, gibt der Inflationsausblick kaum Anlass zur Sorge, so die Experten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Zwar drohen den Konsumenten in den kommenden Quartalen Preissteigerungen durch Anhebungen von Steuern und Gebühren. Der Preisdruck in der privaten Wirtschaft ist aber gering. Weder von der Kostenseite gehen inflationäre Tendenzen aus, noch von der Nachfrageseite. Die Produktionskapazitäten sind in vielen Betrieben noch unterausgelastet, und daher sollte die unterstellte, moderat anziehende Nachfrage kaum Preisanhebungen auslösen. Die Teuerungsraten bleiben nach Meinung der RZB-Experten bis Ende 2011 zischen 1,0 Prozent p.a. und 2,0 Prozent p.a.

Leitzinsen absehbare Zeit unverändert tief

Die Pressekonferenz der Europäischen Nationalbank nach der letzten Zinssitzung ergab nichts Neues. Die Leitzinsen bleiben auf absehbare Zeit unverändert tief, die Geldversorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankliquidität ist zumindest bis Jahresende unbegrenzt und Staatsanleihenkäufe werden fortgesetzt. Die Reduktion überschüssigen Gelder hinterlässt aber inzwischen Spuren am Zinsmarkt. Zwar schwimmen die Geschäftsbanken insgesamt noch immer in Überliquidität, der Überhang wurde jedoch um 200 Milliarden Euro reduziert. Die Euribor Sätze treiben jetzt beinahe täglich ein wenig nach oben, und die Rendite der zweijährigen deutschen Anleihe hat sich von Anfang Juni beinahe verdoppelt. Die RZB sieht diese Marktbewegungen als erste Normalisierungstendenzen am Zinsmarkt. Laut Händlerstimmen treten wieder mehr Marktteilnehmer am Geldmarkt auf, und es wird bedarfsgerechter geboten.

Möglicher Anstieg kurzfristiger Zinsen im Herbst

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Anstieg der kurzfristigen Zinsen im Herbst

Kurzfristig sehen die RZB-Profis die erste Aufwärtskorrektur bei den kurzfristigen Zinsen vom Ausmaß so gut wie abgeschlossen an. Im Herbst könnte dann bei den kurzfristigen Zinsen ein nächster Schritt nach oben anstehen. Ein plötzlicher und/oder starker Zinsanstieg droht aber bis Jahresende sicher nicht. Immerhin hat die EZB klar kommuniziert, dass von den beschriebenen Zinsbewegungen keinerlei Signalwirkungen für ihren geplanten Leitzinspfad abzulesen sind, sondern diese allein liquiditätsgetrieben sind, so die RZB. Da aber die Banken bis Jahresende unbegrenzt Liquidität von der EZB abrufen können (über ein Wochen- bis drei Monatstender), sind den Aufwärtstendenzen Grenzen gesetzt.

Moderates Aufwärtspotenzial bei Kapitalmarktzinsen

Auch bei den Kapitalmarktzinsen sieht die RZB nur moderates Aufwärtspotenzial. Während die Benchmarkzinsen (Renditen deutscher Staatsanleihen) einerseits ein wenig unter Druck bleiben werden, unterstützen andererseits wichtige Einflussfaktoren das historisch tiefe Renditeniveau: Zum ersten bieten bis Jahresende rückläufige Konjunkturvorlaufindikatoren Halt. Zum zweiten wird der Newsflow im Zuge der notwendigen Budgetsanierungen (politische Debatten, Streiks, etc.) vor allem im Herbst die Unsicherheit hoch halten, wovon deutsche Anleihen als sicherer Hafen profitieren. Für tiefe Kapitalmarktzinsen spricht zudem die reduzierte Emissionstätigkeit in den Sommermonaten und zumindest bis Jahresende die fehlende Phantasie für Zinsanhebungen.

In Summe dürften in den kommenden Quartalen die Renditeanstiege am kurzen Ende der Zinsskala prägnanter ausfallen als bei langen Laufzeiten. Bei den Swapsätzen werden aus RZB-Sicht die ohnedies moderaten Anstiege bei deutschen Renditen durch rückläufige Spreads gedämpft.

RZB-Zinsprognosen im Überblick
  Aktuell September 2010 Dezember 2010 März 2011 Juni 2011
Leitzins 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
Euribor 3 Monate 0,61 0,75 0,90 1,10 1,10
Euribor 3 Monate 0,87 1,00 1,10 1,20 1,20
Euribor 6 Monate 1,12 1,20 1,30 1,30 1,30
Euribor 12 Monate 1,39 1,45 1,50 1,50 1,60
Rendite 2 Jahre 0,78 0,90 1,30 1,60 2,10
Rendite 5 Jahre 1,65 1,80 2,20 2,30 2,70
Rendite 10 Jahre 2,62 2,80 3,00 3,00 3,30
Swapsatz 2 Jahre 1,42 1,70 1,90 2,00 2,40
Swapsatz 5 Jahre 2,09 2,40 2,55 2,65 3,00
Swapsatz 10 Jahre 2,90 3,05 3,30 3,30 3,55

 

Foto: colourbox.com ID:1000