Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung
Pensionslücke als unterschätzte Gefahr
29.10.2009
Von Wolfgang Thomas Walter
Die heute Jungen müssen sich auf eine Pensionslücke einstellen, macht das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) aufmerksam. Für Personen, denen Versicherungszeiten fehlen und die eine herkömmliche Laufbahn mit steigendem Einkommen absolviert haben, wird sie besonders groß ausfallen: Im Jahr 2050 wird deren Anfangspension gemessen am Letztbezug deutlich geringer sein als für jene, die heute in den Ruhestand treten.
Damit die Pensionslücke geringer ausfällt, empfiehlt das
Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) den Ausbau zusätzlicher Formen der Altersvorsorge, wie z. B. der Betriebspensionen. "Da wir über die absehbare Lücke schon heute Bescheid wissen, können wir rechtzeitig etwas dagegen unternehmen. Der Ausbau ergänzender Betriebspensionen wäre ein sinnvoller Weg, damit die heute jungen Arbeitskräfte in der Pension ihren Lebensstandard annähernd halten können", so der Pensionsexperte des Wifo, Thomas Url.
In einer aktuellen Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich hat Wifo erhoben, wie groß der Beitrag der Betriebspensionen als Ergänzung der gesetzlichen Pension ist. Demnach hat bereits ein Drittel aller unselbstständig Beschäftigten (865.000 Personen) Anspruch auf eine Betriebspension. Ein Viertel aller heimischen Unternehmen ist damit erfasst. Die Zahl der Arbeitskräfte mit Anspruch auf eine Betriebspension hat sich seit dem Jahr 2000 von 16,1 Prozent auf 31,7 Prozent zwar fast verdoppelt, dennoch geht das Wachstum aus Sicht der Wirtschaftsforschung viel zu langsam vor sich. Url: "Vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen mit kleinerer Belegschaft ist die Betriebspension noch nicht angekommen."
Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung
Pensionslücke als unterschätzte Gefahr
29.10.2009
Von Wolfgang Thomas Walter
Christian Böhm, Obmann des
Fachverbandes der Pensionskassen, ortet als Ursache des langsamen Wachstums eine Vogel-Strauß-Mentalität der Bevölkerung: "Viele glauben, dass die Pensionslücke nicht kommt, wenn man sie einfach ignoriert. Dieses Denken ist sowohl bei Entscheidungsträgern als auch in der Bevölkerung zu beobachten. Wenn wir nicht bald Maßnahmen für eine Ausweitung der Betriebspensionen setzen, werden die heute Jungen sich im Alter weit weniger leisten können." Den größten Anteil an den Betriebspensionen verwalten die Pensionskassen: Bereits 620.000 Personen haben ein Konto bei einer Kasse. Das Wachstum ist laut Fachverband trotz der Finanzkrise ungebremst: "Allein 2009 haben die Pensionskassen 60.000 neue Kundinnen und Kunden gewonnen", so Böhm.
Die Entscheidung für oder gegen eine Betriebspension wird in den Unternehmen hauptsächlich von finanziellen Überlegungen beeinflusst: 85 Prozent der Unternehmen ohne Betriebspension meinen, dass die Arbeitskräfte Lohnerhöhungen einer Betriebspension vorziehen würden, und rund 80 Prozent scheuen die langfristige finanzielle Bindung. In der Wifo-Umfrage meinen fast 90 Prozent aller Unternehmen, der größte Anreiz für die Einrichtung einer Betriebspension wäre die Steuererleichterung über die Beitragszahlung.
Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung
Pensionslücke als unterschätzte Gefahr
29.10.2009
Von Wolfgang Thomas Walter
Sehr unterschiedlich ist die Verbreitung von Betriebspensionen in den einzelnen Branchen. In der Finanzbranche, im Unterrichtswesen und in der Gesundheitsbranche ist die Betriebspension ein fixer Bestandteil für nahezu alle Betriebe: 99,3 Prozent (Unterrichtswesen), 96,4 Prozent (Finanzberufe) und 90,4 Prozent (Gesundheitsberufe) der Unternehmen haben dort eine betriebliche Vorsorge eingerichtet. Nachzügler sind die öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen (13,1 Prozent der Betriebe) sowie erwartungsgemäß die Branchen mit Saisonarbeit: Bauwesen (7,6 Prozent) und Gastgewerbe (3,7 Prozent).
Der internationale Vergleich zeigt, dass in vielen Ländern derzeit die kapitalgedeckte Altersvorsorge verstärkt wird. Vor allem in Osteuropa werden einkommensabhängige Pensionszahlungen zunehmend über kapitalgedeckte Betriebspensionen abgewickelt. In Frankreich und der Schweiz besteht sogar eine gesetzliche Pflicht zur Einrichtung einer Betriebspension. Für Böhm würde eine Verpflichtung in Österreich allerdings zu weit gehen: "Es reicht schon, wenn den Unternehmen zusätzliche Anreize für Betriebspensionen geboten werden, wie etwa eine Steuererleichterung. Damit würde die zu erwartende Pensionslücke für alle weniger schmerzhaft ausfallen."
Performance laut Pensionskassen heuer günstig
Nach schmerzhaften Verlustjahren, die etwa der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten
Pekabe immer wieder beklagt, entwickelt sich die Performance laut Pensionskassen heuer günstig. Per Ende September hatten die Pensionskassen bereits einen Ertrag von 7,4 Prozent für die veranlagten Pensionsgelder erwirtschaftet. Laut Böhm wird für das Jahresende eine positive Nachricht für Versicherte und Personen mit Betriebspension immer wahrscheinlicher: "Derzeit liegen wir deutlich über dem langjährigen Veranlagungserfolg von durchschnittlich 5,74 Prozent ."
Für eine Betriebspension zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte in Pensionskassen monatlich Beiträge ein, die später in der Pension verzinst ausgezahlt werden. Die durchschnittliche Zusatzpension beträgt 490 Euro pro Monat. Insgesamt veranlagen die 19 Pensionskassen ein Vermögen von 12,4 Milliarden Euro.
Foto: Volker Hartmann/ddp ID:356