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Bausparverträge als Vorsorge

Wie Sie Geld im Pflegefall schützen kann

26.08.2009
Von Erwin J. Frasl
Immer mehr Menschen brauchen im Alter besondere Pflege. Biallo.at sprach mit dem Vorstand der Allgemeinen Bausparkasse der Volksbanken (ABV) Mag. Manfred Ulreich darüber, wie Bausparverträge für die Finanzierung der Pflege von Familienmitgliedern genützt werden können.
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Biallo.at: Mit einem Bausparvertrag für den Pflegefall vorsorgen. Wie funktioniert das? Schließe ich da einen ganz normalen Bausparvertrag ab und kann dann jederzeit entscheiden, ob ich ihn für Bauvorhaben oder eine notwendige Pflege verwende?

 
Manfred Ulreich: Seit 1. September 2005 können Bausparverträge auch für Bildung und Pflege verwendet werden. Kunden ist es möglich, Ansparverträge für Pflegemaßnahmen, prämienunschädlich auch vor Ablauf der sechsjährigen Kündigungsfrist, einzusetzen.

Biallo.at: Habe ich nach Ablauf eines Bausparvertrages auch Anspruch auf ein Bauspar-Darlehen, um damit Pflegeleistungen zu finanzieren?

Ulreich: Natürlich! Gerade hier sehen wir für die Zukunft auch ein sehr großes Potenzial. Altersvorsorge und Pflege, das sind Themen, die uns alle bei steigender Lebenserwartung und Unsicherheit über die Höhe der staatlichen Pension oder Zusatzpension immer mehr beschäftigen werden. Kreative zukunftsorientierte Modelle sind hier gefragt! Die Bausparkassen haben jedenfalls ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung bekundet.

Biallo.at: Wie erfolgt die Besicherung von Darlehen zur Finanzierung von Pflegeleistungen?

Ulreich: Darlehen für Pflegeleistungen werden mit den gleichen Besicherungserfordernissen verbunden, wie sie bisher schon für unsere Bauspardarlehen zur Anwendung kommen. Wir gewähren Darlehen ohne grundbücherliche Sicherstellung bis zu einem Betrag von 22.000 Euro pro Person und grundbücherlich besicherte Finanzierungen bis zu einer Darlehenshöhe von 150.000 Euro. Ich denke, dass ein Bauspardarlehen mit der Sicherheit der sechprozentigen Zinsatzsatzobergrenze und der damit verbundenen Planbarkeit der Kosten gerade auch im Pflege-Bereich überaus wertvoll ist.

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Biallo.at: Wenn ich bereits einen Bausparvertrag abgeschlossen habe - kann ich den auch für Pflegekosten nützen?

Ulreich: Ja. Das gilt auch für jene Verträge, die vor dem September 2005 abgeschlossen wurden.

Biallo.at: Bis zu welchem Alter kann ich einen Bausparvertrag abschließen, den ich für Pflegeleistungen nützen möchte?

Ulreich: Wir sehen bei Bausparverträgen keine Altersgrenzen vor. Gleiches gilt für Bauspardarlehen, die ausreichend hypothekarisch besichert sind.

Biallo.at: Was ist, wenn ich das angesparte Geld vor Ablauf meines Bausparvertrages zur Finanzierung einer Pflege brauche? Muss ich dann die bereits erhaltenen staatlichen Prämien an das Finanzamt zurückzahlen?

Ulreich: Nein, wenn das Bausparguthaben widmungsgemäß verwendet wird, nicht.

Biallo.at: Kann ich die Mittel aus meinem Bausparvertrag auch für die Pflege von Angehörigen, etwa Eltern, Großeltern bzw. Kinder verwenden?

Ulreich: Ja, der Einsatz eines Bausparvertrages für Pflegezwecke ist auch für nahe Angehörige möglich. Darunter fallen (Ehe-)Partner, Pflegekinder und Pflegeeltern, alle Angehörigen in direkter Linie (Eltern, Kinder, Großeltern), Geschwister, Neffen, Nichten, Onkel, Tanten und jeweils deren (Ehe-)Partner.

Biallo.at: Gibt es Vorschriften, wofür Bausparmittel unter dem Titel Pflege eingesetzt werden müssen, oder ist der Bausparer hier beim Einsatz der Gelder frei in seiner Entscheidung?

Ulreich: Die Maßnahmen der Pflege sind im Bausparkassengesetz (Paragraph 1, Absatz 5) näher beschrieben. Dazu zählen die Ausgaben für die Betreuung und Hilfe sowie die medizinische Behandlung des pflegebedürftigen Bausparers oder naher Angehöriger, der entstehende Verdienstentgang aufgrund der Pflege eines nahen Angehörigen sowie die damit in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Nebenkosten. Neben vorzulegenden Belegen für die Kosten ist hier jeweils ergänzend die Pflegebedürftigkeit zu erklären.

Mag. Manfred Ulreich
Manfred Ulreich wurde 1949 in Enzesfeld geboren, lebt in Wien, ist verheiratet und hat ein Kind. Seine Ausbildung: Realgymnasium Baden, Handelsakademie in Wr. Neustadt, dann Studium der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. In der Allgemeine Bausparkasse der Volksbanken (ABV) ist Manfred Ulreich seit 1987 im Einsatz, im Vorstand seit 1997. Vor der ABV arbeitete Ulreich bei der VW-Bank. 
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Foto: ddp-direkt ID:242