02.07.2012
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Pflegeversicherung

Wer zahlt was im Pflegefall?

Von Susanne Kritzer
In Österreich beziehen rund 370.000 Menschen staatliches Pflegegeld. Wie hoch ist das Pflegegeld in der jeweiligen Pflegestufe? Und bieten private Pflegeversicherungen eine zusätzliche Alternative? Biallo.at hat die Antworten darauf.
Pflegeversicherung Wer zahlt was im Pflegefall? Finanzportal Biallo.at
Laut Statistik Austria hat sich die Zahl der Bundespflegegeld-Bezieher zwischen 1999 und 2009 um rund 100.000 Personen erhöht. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität spricht von rund einer Million pflege- bzw. betreuungsbedürftige Menschen in Österreich im Jahr 2050. Heute sind es etwa 370.000 Österreicherinnen und Österreicher, die Anspruch auf staatliches Pflegegeld haben. Die Höhe der Gesamtausgaben liegt derzeit insgesamt bei fast zwei Milliarden Euro jährlich. Doch das Gefühl, damit ausreichend versorgt zu sein, will sich nicht breit machen.

Die Höhe des gesetzlich geregelten Pflegegeldes richtet sich nach der jeweiligen Pflegestufe, die sich wiederum nach dem Ausmaß der Pflegeerfordernis richtet. Ein ständiger Pflegebedarf von zumindest mehr als 60 Stunden im Monat ist eine der Voraussetzung für die Pflegestufe 1. Weitere Bedingungen sind, dass der Betreuungs- und Hilfsbedarf voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert und der Betroffene seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat.

Bis zu 1.655,80 Euro - je nach Pflegestufe

In die Kategorie Pflegestufe 1 fallen hierzulande rund 88.000 Menschen. Sie erhalten monatlich 154,20 Euro Pflegegeld. Auf 60 Stunde gerechnet, sind das 2,57 Euro je Stunde. Dass man damit kein Auslangen findet, ist selbstverständlich. Auch in der weiteren Pflegestufen 2 mit 284,30 Euro bis hin zu den sehr schweren Fällen in Stufe 7 mit 1.655,80 Euro monatlich decken sich anfallende Pflegekosten und staatlicher Zuschuss zumeist nicht. Eine detaillierte Auflistung der Pflegegeldhöhe in den einzelnen Stufen finden Sie übersichtlich in der Tabelle unten.

Wo das Geld nicht ausreicht, leisten schon jetzt Angehörige und häufig auch ausländisches Pflegepersonal einen wichtigen Beitrag zur Alterspflege. "Die Pflegekosten werden rasant ansteigen und das staatliche Pflegegeld reicht oft nicht, um die finanziellen Belastungen abzudecken", sagt Peter Eichler, Vorstand der Uniqa Österreich. Eine zusätzliche Hilfe könnten private Pflegeversicherungen bieten.
Staatliches Pflegegeld

Pflegebedarf in Stunden pro Monat                           Stufe        Betrag in Euro monatl.

mehr als 60 Stunden                                                        1                       154,20

mehr als 85 Stunden                                                        2                       284,30

mehr als 120 Stunden                                                      3                       442,90

mehr als 160 Stunden                                                      4                       664,30

mehr als 180 Stunden, wenn                                             5                       902,30
ein außergewöhnlicher Pflegeaufwand erforderlich ist     

mehr als 180 Stunden, wenn zeitlich unkoordinierbare        6                    1.260,00
Betreuungsmaßnahmen erforderlich sind und diese
regelmäßig während des Tages und der Nacht zu
erbringen sind oder die dauernde Anwesenheit einer
Pflegeperson während des Tages und der Nacht
erforderlich ist, weil die Wahrscheinlichkeit einer
Eigen- oder Fremdgefährdung gegeben ist

mehr als 180 Stunden, wenn keine zielgerichteten              7                    1.655,80
Bewegungen der vier Extremitäten mit funktionieller
Umsetzung möglich sind oder ein gleich zu
achtender Zustand vorliegt

Quelle: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

 

Private Pflegeversicherung - je früher desto besser

Biallo.at hat die Angebote von sieben Versicherungen geprüft. Das für alle Anbieter geltende Grundprinzip heißt: Je früher man eine Pflegeversicherung abschließt, desto günstiger ist der Jahrestarif. Wie die Info-Kästen zeigen, sind die Unterschiede in der Prämie für einen 30-jährigen Mann im Durchschnitt um rund zwei Drittel günstiger als für einen Kunden, der bei Vertragsabschluss bereits 60 Jahre alt ist.

"Doch der tatsächliche Schritt zur Selbstversorgung wird oft nur zögerlich gesetzt", weiss Eichler: "Häufig erst nach persönlichen Erfahrungen anhand von konkreten Pflegefällen im unmittelbaren Umfeld. Die Produkte der privaten Pflegeversicherung werden bei Uniqa - wie in der gesamten Branche - derzeit noch sehr vorsichtig abgeschlossen", so Eichler.

Von einem zwar starken Wachstum, ausgehend jedoch von niedrigem Niveau, spricht man auch bei der Generali Versicherung. "Kunden sollten beim Abschluss einer privaten Pflegeversicherung darauf achten, dass die Einstufung entsprechend der staatlich festgesetzten Pflegestufen erfolgt und nicht auf Grund willkürlich definierter Kategorien", rät Josef Hlinka, Leiter der Kommunikation bei der Generali. Weiters sollten Leistungen lebenslang erbracht werden. Da Pflegebedarf auch schon in jüngeren Jahren nach einem Unfall oder einer Operation entstehen kann, sollte auch eine vorübergehende Pflege mit eingeschlossen werden.

Unisextarife - in Sachen Pflege noch kein Thema

Gravierende Tarif-Unterschiede gibt es derzeit noch zwischen männlichen und weiblichen Versicherungsnehmern, da Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung tiefer in die Tasche greifen müssen. Diese Ungleichheit wird mit 21. Dezember 2012 fallen - das bedeutet für Frauen günstigere, für Männer jedoch teuere Tarife als bisher. Interessierten Männern sei daher geraten, noch bis Anfang Dezember eine Polizze abzuschließen.

Private Pflegeversicherung

Anbieter: Donau (PF)
Jahresprämie Mann 30 J: 360 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 1.054 Euro
was wird geleistet?: Leistung bei Pflegestufe 4 EUR 996
Leistung ab Pflegestufe 1?: ja, 25% des gesetzlichen Pflegegeldes
Auszahlung bei Vertragskündigung: keine Leistung
Leistung im Todesfall: keine Leistung
Geltungsbereich: Weltweit

Anbieter: Generali (1PB60)
Jahresprämie Mann 30 J: 372 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 943 Euro
was wird geleistet?: Leistung bei Pflegestufe 4 EUR 900
Leistung ab Pflegestufe 1?: ja, EUR 180
Auszahlung bei Vertragskündigung: keine Leistung
Leistung im Todesfall: keine Leistung
Geltungsbereich: Österreich

Anbieter: Merkur (MP1O/08_004)
Jahresprämie Mann 30 J: 408 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 1.007 Euro
was wird geleistet?: Leistung bei Pflegestufe 4 EUR 950
Leistung ab Pflegestufe 1?: ja, EUR 190
Auszahlung bei Vertragskündigung: keine Leistung
Leistung im Todesfall: keine Leistung
Geltungsbereich: Österreich

Anbieter: Muki (PFE IV)
Jahresprämie Mann 30 J: 243 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 639 Euro
was wird geleistet?: Leistung bei Pflegestufe 4 EUR 960
Leistung ab Pflegestufe 1?: Varianten ab Pflegestufe 1 möglich
Auszahlung bei Vertragskündigung: keine Leistung
Leistung im Todesfall: keine Leistung
Geltungsbereich: Österreich

Anbieter: Nürnberger (1410 Konstant-Tarif/M)
Jahresprämie Mann 30 J: 470 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 1.579 Euro
was wird geleistet?: Leistung bei Pflegestufe 4 EUR 1.000
Leistung ab Pflegestufe 1?: nein; Leistung ab Pflegestufe 3 EUR 400
Auszahlung bei Vertragskündigung: nach 28 Jahren (bei 30 jährigem Mann) EUR 10.644/nach 8 Jahren (bei 50 jährigem Mann) EUR 8.976
Leistung im Todesfall: Leistung aus dem Geldwerte der erworbenen Anteile bzw. dem Ansammlungsguthaben
Geltungsbereich: Weltweit

Anbieter: Uniqa (1193 LV)
Jahresprämie Mann 30 J: 762 Euro
Jahresprämie Mann 50 J: 2.695 Euro
was wird geleistet?: Leistung bereits bei Leistungsstufe 2 EUR 980
Leistung ab Pflegestufe 1?: Bewertung nach Activities of daily life; EUR 560,00 bei Stufe 1
Auszahlung bei Vertragskündigung: nach 28 Jahren (bei 30 jährigem Mann) EUR 17.863/nach 8 Jahren (bei 50 jährigem Mann) EUR 15.314
Leistung im Todesfall: siehe Vertragskündigung
Geltungsbereich: Weltweit

Quelle: EFM Versicherungsmakler; Angaben ohne Gewähr

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