Von Erwin J. Frasl
In der Auseinandersetzung um Einbussen bei privaten Zusatzpensionen will der Schutzverband der Pensionskassenberechtigen einfache Pensionisten schützen, für den Fachverband der Pensionskassen geht es vorrangig um Spitzenpensionen von ORF, AUA und zwei Großbanken.
Eine Strategie von Halbwahrheiten sowie eine Diffamierungen des Schutzverbands der
Pensionskassenberechtigten wirft der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten Pekabe dem Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen Christian Böhm vor. "Mit dieser Strategie wird es nicht möglich sein, das österreichische Pensionskassensystem aus seiner
Agonie zu holen" so Günter Braun, Spreches der Pekabe, der immer wieder auf schwere Pensionseinbussen seiner Mitglieder hinweist.
Der Fachverband der Pensionskassen lässt die Kritik der Pekabe nicht gelten. Er weist daraufhin, dass die heimischen Pensionskassen für ihre Kunden im ersten Quartal des heurigen Jahres durchschnittlich drei Prozent (exakt 2,98 Prozent) Ertrag erwirtschaften konnten. Wenn sich die internationale Wirtschaft im Jahr 2010 weiterhin stabil entwickelt,
können die Pensionskassen einen großen Schritt machen, die schlechten Veranlagungsergebnisse der beiden Finanzkrisenjahre, insbesondere des Jahres 2008, aufzuholen.
Obmann Christian Böhm: "Nach dem starken Ergebnis von neun Prozent im Jahr 2009, liegen die Pensionskassen auch heuer wieder voll auf Kurs. Wenn sich dieses Jahr entsprechend der Prognosen der Wirtschaftsforscher weiter entwickelt, sind wir auf einem sehr guten Weg, die Verluste der Finanzkrisen-Jahre auszugleichen."
Bei Firmenpensionen zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Pensionskassen monatlich Beiträge ein, die später in der Pension verzinst ausbezahlt werden. Rund 780.000 Österreicher haben bereits Anspruch auf eine Firmenpension. Der langjährige Veranlagungserfolg der Pensionskassen beträgt 5,92 Prozent, die durchschnittliche Zusatzpension 474 Euro pro Monat. Insgesamt veranlagen die 17 Pensionskassen ein Vermögen von 13,8 Milliarden Euro. Sie sind auch der größte private Pensionszahler Österreichs.
Fachverband wirft Pekabe irreführende Darstellungen vor
Die Pensionskassen weisen öffentliche Darstellungen der Pekabe als irreführend und sachlich falsch zurück. "In seinen Aktionen sieht sich Pekabe als Sprachrohr der gut 700.000 in Pensionskassen zwangsrekrutierten Berechtigten, deren wohl erworbene Pensionsrechte
schon um bis zu 45 Prozent zusammengeschmolzen sind", so der Fachverband der Pensionskassen.
Jede einzelne kalkulatorisch notwendige Kürzung eines Pensionsbetrages ist zwar für den Betroffenen schmerzlich - insgesamt ist aber die Sachlage weit weniger dramatisch, so der Fachverband der Pensionskassen.
Er streicht folgende Punkte ganz besonders hervor:
- Dass es bei alten beitragsorientierten Verträgen, die in den ersten Jahren nach Einführung des Pensionskassensystems in Österreich mit einem hohen Rechnungszins abgeschlossen wurden, in den letzten Jahren zu teils deutlichen Kürzungen kam.
- Dass davon heute im Wesentlichen ehemalige Mitarbeiter zweier Großbanken, der größten Fluglinie und des größten Medienunternehmens des Landes betroffen sind. Dabei handelt es sich um Pensionisten, die zusätzlich zu ihrer ASV- Pension betriebliche Zusatzpensionen zwischen 400 Euro und 11.000 Euro monatlich erhalten, also nicht - wie seitens der Pekabe argumentiert "Kleinrentner".
- Dass einige wenige, wenn auch große, Unternehmen für ihre Mitarbeiter Verträge mit einem solch hohen Rechnungszins von 5,0 bis 6,5 Prozent damals als realistisch eingeschätzt haben. Solche Verträge betreffen ca. 20.000 leistungsberechtigte Pensionisten und nicht eine Million".
- Dass im Zentrum der Kürzungsdebatte der "Rechnungszins" steht, also jener Wert, der jährlich erreicht werden muss, damit die Pension gleich bleibt. Wenn zum Jahresende ein Rechnungszins von z.B. 6,5 Prozent nicht erreicht wurde, dann verringert sich die Pension automatisch.
- Dass seit 2003 Verträge nur noch mit 3,5 Prozent abgeschlossen werden dürfen.