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Marc Friedrich
 
15.10.2012

Im Interview Marc Friedrich "99 Prozent der Bevölkerung sind die Opfer und ein Prozent die Täter"

Von Marcus Preu
„Der größte Raubzug der Geschichte“ – dieser Buchtitel lässt aufhorchen. Ist der Euro zum Scheitern verurteilt? Beschleunigt der ESM den Untergang der Gemeinschaftswährung? Und: Wer beraubt in der aktuellen Euro-Krise eigentlich wen? Mitautor Marc Friedrich im Biallo.at-Interview.
Im Interview: Marc Friedrich"99 Prozent der Bevölkerung sind die Opfer und ein Prozent die Täter" Finanzportal Biallo.at
Marc Friedrich, Buchautor
Biallo.at: Herr Friedrich, seit dieser Woche ist der europäische Rettungsfonds ESM in Kraft. Sie vertreten in Ihrem aktuellen Buch die Ansicht, der Euro sei zum Scheitern verurteilt. Rückt mit dem ESM das Ende der Gemeinschaftswährung jetzt rasch näher – oder wird das Ende durch den ESM verzögert?

Friedrich:
Sicher ist das der volkswirtschaftliche Schaden mit dem ESM weiter maximiert wird. Für uns alle beginnt damit eine neue Zeitrechnung. Der ESM ist nur ein weiterer Meilenstein in der desaströsen Historie des Euros und der Eurozone. Diese ist eine bisher nie zuvor dagewesene beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Manipulationen. Ein verheerendes Fundament für eine Währung, welche ausschließlich auf Vertrauen basiert.

Das einzige, was die Verantwortlichen sich mit dem ESM erkaufen, ist Zeit - und das auf Kosten der Steuerzahler, uns allen, und den nachfolgenden Generationen. Der ESM ist ein weiterer verzweifelter aber hoffnungsloser Versuch, das System künstlich länger am Leben zu erhalten, das rein mathematisch schon zum Scheitern verurteilt ist.

Biallo.at:
Ihr Buch trägt den Titel „Der größte Raubzug der Geschichte“. Wer beraubt in der aktuellen Euro-Krise eigentlich wen – wer sind denn aktuell Täter und wer die Opfer?

Friedrich:
99 Prozent der Bevölkerung sind die Opfer und ein Prozent die Täter - vor allem aus der Finanzindustrie mit Hilfe der Politik.

Biallo.at: Was muss sich ändern, um den „größten Raubzug“ zu beenden? Und wem trauen Sie das zu?

Friedrich:
Die Banken müssen wieder zu ihrem ursprünglichen Geschäftsmodel und ihren Kernkompetenzen zurück. Sie müssen den Menschen und der Wirtschaft dienen und nicht nur sich selber. Ferner müssen die Banken wesentlich stärker reguliert und überwacht werden, alle Manager müßten persönlich haften - dies würde exzessive Spekulationen stark eindämmen. Wenn dies noch mit hohen und strengen Strafen untermauert werden würde, wäre die dafür verantwortliche Gier meine Ansicht nach massiv eingeschränkt.

Ich traue es momentan niemandem der Verantwortlichen zu, diesen Raubzug zu beenden. Einerseits hat keiner den Mut, der mächtigsten Lobby der Welt entgegenzutreten, bzw. die Weitsicht, und zum anderen sind diejenigen, die etwas tun könnten, ja auch Nutznießer des Systems. Die Finanzindustrie und die Politik sind zu sehr verwoben und daraus entsteht ein brandgefährlicher Interessenskonflikt.

Es ist egal ob schwarz, rot oder grün im Kanzleramt sitzt. Regiert werden wir vom Geld. Dies haben auch sehr schön die E-Mails von Ex-Morgan-Stanley-Deutschland-Chef Dirk Notheis an Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus verdeutlicht. Meiner Ansicht nach ist unser Finanzsystem weder christlich noch sozial, noch demokratisch, noch liberal, noch grün – jedoch unterstützen alle unsere Parteien dieses zutiefst undemokratische und ungerechte System. Leider wird nur der finale Crash den Raubzug beenden.

Biallo.at
: Wenn Sie folgende Stichworte hören, mit welchen können Sie etwas anfangen – Euroaustritt Griechenland, Rückkehr zu D-Mark, Nord- und Süd-Euro, Beschneidung der Rating-Agenturen, Zerschlagung der Banken?

Friedrich: Ich kann mit allen was anfangen, aber das Wichtigste ist, dass Griechenland aus dem Euro austritt, um wieder auf die Beine zu kommen. Keiner will eine ewig dauernde, teure und gesetzeswidrige Schuldenunion. Dasselbe gilt für Spanien. Irland, Portugal, Zypern... Das Experiment ist gescheitert. Wir alle können nur hoffen, dass man sich dies bald eingesteht, bevor es zu noch Schlimmerem kommt.

Biallo.at: Sie sind als Anlageberater tätig. Was sind denn angesichts eines Euro in Turbulenzen die Anlageempfehlungen der Stunde?

Friedrich: Das sind ganz klar Sachwerte. Aber keine Aktien und Immobilien. Denn Immobilien sind leicht besteuerbar und Aktien sind durch das billige Geld zu teuer. Wir erleben gerade einen epochalen Wandel. Was die letzten Jahrzehnte gut war, ist und wird es in Zukunft nicht mehr sein. Papierwerte sind durch das viele billige Geld und die historisch niedrigen Zinsen inflationär aufgeblasen und auch die Staatsanleihenblase wird platzen. Der Euro in seiner jetzigen Form ist definitiv gescheitert. Für unser Buch haben wir die Vergangenheit als Ratgeber genommen und bei den Recherchen kam leider heraus, dass alle ungedeckten Papiergeldsysteme irgendwann gescheitert und wertlos geworden sind. Übrigens: Auch die letzte Währungsunion in Europa, die lateinische Münzunion, ist gescheitert und ironischerweise auch durch Griechenland.

 

Über die Autoren
Die Autoren Marc Friedrich (Diplom-Betriebswirt, FH) und Matthias Weik (Bachelor of International Business, MBA) betreiben gemeinsam eine Finanzstrategieberatung.

Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Matthias Weik & Marc Friedrich. Marburg: Tectum 2012.

 

Leserkommentare
Kommentare können sich auf eine ältere Version des Artikels beziehen.
13.10.2012 22:54 Uhr - von Rudi88
BRAVO
Lob an Biallo!
13.10.2012 09:31 Uhr - von Sabine
Puh
Klingt leider alles sehr logisch und schlüssig was Herr Friedrich sagt. Werde mir jetzt mal sein Buch bestellen.
12.10.2012 23:57 Uhr - von Superduper
Super Interview! Danke biallo
Das Buch Schau ich mir mal an.
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