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Energiekosten
 
05.01.2015

Energiekosten Der verflixte Ölpreis!?

Von Manfred Lappe
Um über 40 Prozent von über 100 US-Dollar auf knapp 60 US-Dollar je Barrel ist der Ölpreis im Jahr 2014 gefallen. Und löst damit die unterschiedlichsten Reaktionen und Kommentare aus.
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Dipl.-Kfm. Manfred Lappe ist Inhaber von Manfred Lappe Consulting und Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Finanzen
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht aufgrund des gefallenen Ölpreises geringere Inflationsraten und damit das drohende Szenario der Deflation, welches energischst bekämpft werden müsse durch den Aufkauf von Anleihen. Die Presse hebt aktuell die steigenden Staatsdefizite der Ölförderländer und den absehbaren Einbruch von deren Nachfrage hervor. Nur der Internationale Währungsfonds (IWF) erkennt in einer jüngsten Studie die segensreichen Seiten des niedrigeren Ölpreises: von einer „Fitnessspritze für die globale Konjunktur“ ist hier die Rede. Das weltweite Wirtschaftswachstum könne um 0,3 bis 0,7 Prozent zunehmen.

Niedriger Ölpreis als Konjunkturmotor

Geringere Ausgaben für Benzin und Heizung (Öl, Gas, Fernwärme, jedoch nicht Wasser- und Sonnenenergie) führen beim Normalverbraucher zu mehr Geld in der Kasse, was sinnvoll für Anschaffungen, Urlaube, etc. ausgegeben werden kann. Und wahrscheinlich auch wird, wenn die Psychologie dem ganzen Konjunktur-Stimulus keinen Strich durch die Rechnung macht!

Psychologie wurde von den hochrangigen Ökonomen noch vor wenigen Jahren verneint und als Aspekt jenseits der Rationalität auch abgelehnt – spielt jedoch eine bedeutende Rolle, wie man sich an einfachsten Beispielen verdeutlichen kann. Mehr Geld in der Kasse wird nach allgemeiner Erfahrung nur dann zum shoppen verwendet werden, wenn die Menschen eine positive Zukunftsaussicht haben: Auch zukünftig wird es uns gleich gut oder besser gehen! Für vorsorgliche zusätzliche Risikopolster besteht keine zwingende Notwendigkeit.

Ein Teil der Berichterstattung ist damit im Sinne der Konjunktur-Lokomotive „niedriger Ölpreis“ eher schädlich. Natürlich führen Preiseinbrüche beim Öl zu niedrigeren Einnahmen der Öl-Lieferanten wie Norwegen, Saudi-Arabien, etc. Aber diese hatten den bisherigen Überfluss an Einnahmen ja auch nicht immer vollständig ausgegeben. Vielmehr wurden große Beträge in sogenannten Staatsfonds angelegt und mit diesen Geldern Unternehmen in den USA, Deutschland, Österreich, … gekauft. Oder wurden Wolkenkratzer in Dubai aus dem Boden gestampft. Also zumeist Ausgaben, die mit dem heimischen Konsum und der heimischen Konjunktur nicht direkt verbunden sind. Geschürt werden mit diesen einseitigen negativen Nachrichten jedoch die Befürchtungen der Normalbürger, zukünftig würde es nicht besser sondern eher schlechter (auch für sie). Und diese Erwartungshaltung verhindert dann den Konjunkturaufschwung.
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Und die „Deflationsbefürchtung der EZB“? Hier ist festzustellen: sinkende Preise bedeuten nicht zwangsläufig eine Deflation. Denn zu dieser gehört per Definition die Erwartungshaltung der Konsumenten, dass die Preise auch zukünftig sinken werden. Diese Erwartungshaltung (d.h. Psychologie) würde dazu beitragen, dass immer weniger (jetzt) gekauft wird und die Käufer auf noch niedrigere Preise warten. Üblicherweise ist den nicht ganz dummen Verbrauchern aber klar, dass der Ölpreis nicht jedes Jahr um 40 Prozent fallen wird / kann.

Keine Grund zu Angst vor niedrigem Ölpreis

Werden die sinkenden Preise daher ursachengerecht mit dem sinkenden Ölpreis verbunden, ist die Erwartungshaltung einer Deflationsgefahr eher gering. Oder wir machen es wie die Amerikaner, die keine Angst vor einer Deflation aufgrund von sinkenden Ölpreisen haben! Denn die Amerikaner berechnen immer (auch) eine Kern-Inflationsrate. Und in dieser ist der Ölpreis (gleich ob steigend oder fallend) gar nicht drin enthalten.

Im Übrigen spiegeln sowohl Inflation als auch Deflation die Veränderung des Preisniveaus gegenüber dem Vorjahr wieder. Sinkt also in 2014 der Ölpreis um 40 Prozent, so führt dies zu einer geringeren Preissteigerung aller Güter, möglicherweise sogar zu einem Preisrückgang. Bliebe der Ölpreis dann im nächsten gleich, so entfiele zumindest der Preissenkungseffekt durch das Öl. Und bei Preissteigerungen kommt dann noch ein Basiseffekt zum Tragen: eine Preissenkung von 100 US-Dollar auf 60 US-Dollar sind -40 Prozent; eine Preiserhöhung von 60 US-Dollar auf 100 US-Dollar sind hingegen +66,67 Prozent. Auch dieses sollte bedacht werden, bevor preistreibende Anleihenkäufe getätigt werden.

Doch gleich ob man sich für den Weg der Aufklärung oder der Herausrechnung begibt: die Normalbürger sollten nicht durch die Heraufbeschwörung von Deflationsgefahren in die Erwartungshaltung einer schwierigen Zukunft versetzt werden. Denn dies führt über den hierdurch ausgelösten Konsumverzicht zu geringerer Nachfrage, sinkenden Preisen und einer self-fulfilling prophecy.
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