11.03.2010
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Neue Studie der Arbeiterkammer

Massive Kritik an Maklerprovisionen

Von Erwin J. Frasl
Die Maklerprovisionen für Mieter bzw. Immobilienkäufer sind zu hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Arbeiterkammer. Hier die Einzelheiten.
Makler-Mieter-Vermieter-Wohnungskäufer-Wohnungsverkäufer-Arbeiterammer
Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer, fordert eine deutliche Senkung der Maklerprovisionen

Mieter zahlen durchschnittlich 2.400 Euro, Käufer einer Eigentumswohnung 5.400 Euro an Maklerprovision. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Institut für empirische Sozialforschung (Ifes). Ifes hat für die Arbeiterkammer dabei 200 Personen befragt, die in den letzten vier Jahren eine Wohnung über Makler gemietet oder gekauft haben.

"Für die Vermittlung einer Wohnung müssen Mieter und Wohnungssuchende so tief in die
Geldbörse greifen wie nirgendwo sonst in Europa", kritisiert Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer. Was bekommen sie dafür? Viel zu oft schlechte, unvollständige Infos. So wird laut Studie etwa in vielen Fällen den Mietern verschwiegen, ob die verlangte Miete dem Gesetz entspricht oder in welchem Zustand die Wohnung ist.

Maximalprovisionen üblich

Praktisch alle Makler verlangen laut Ifes-Untersuchung von Mietern die höchst mögliche Provision. Das sind drei Monatsmieten bei unbefristeten Mietwohnungen, zwei Monatsmieten bei bis zu drei Jahre befristeten Mietwohnungen plus 20 Prozent Umsatzsteuer. So zahlen Mieter durchschnittlich 2.400 Euro Höchstprovision. Bei den Eigentümern wurde in drei Viertel der Fälle die Höchstprovision verrechnet. Sie macht drei Prozent des Kaufpreises plus 20 Prozent Umsatzsteuer aus. Wohnungskäufer mit Höchstprovision zahlten im Schnitt 6.070 Euro. Die Durchschnittsprovisionszahlung lag bei rund 5.400 Euro.

Jeder zweite befragte Mieter hatte den Eindruck, dass der Makler in erster Linie die Interessen des Vermieters vertreten hat. Das Ergebnis entspricht auch den tatsächlichen Marktverhältnissen. Die Vermieter oder Hausverwalter beauftragen die Makler, ihnen einen
Mieter zu suchen. Trotzdem zahlen die Hausverwalter bzw. Vermieter in der Regel nichts an den Makler. Die Makler halten sich stattdessen bei den MieterInnen schadlos.

Mangelnde Informationen für Mieter oder Käufer

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Die Arbeiterkammer-Studie zeigt, dass Makler Wohnungssuchende oft schlecht informieren. Mieter bekamen zwar in der Regel die Aufgliederung der Miet- und Betriebskosten und den Mietvertragsentwurf. In 15 Prozent der Fälle aber fehlten eine Kostenaufstellung und der Mietvertragsentwurf. Genauere Infos über etwa den Zustand des Hauses, der Wohnung oder Einrichtung durch den Makler bestätigten nur sechs von zehn MieterInnen. Noch viel lückenhafter ist die Informationsweitergabe der Makler an die angehenden Mieter: Über
gesetzliche Grundlagen des Mietvertrages informieren nur 36 Prozent. Darüber, ob die Miethöhe dem Gesetz entspricht, nur 24 Prozent. Über allfällige nachteilige Klauseln im Mietvertrag informierten nur 22 Prozent.


Käufer einer Eigentumswohnung legten Makler zwar in den meisten Fällen einen Grundbuchauszug und den Kaufvertragsentwurf vor. Aber zwölf Prozent erhielten keinen Grundbuchauszug, 18 Prozent keinen Kaufvertragsentwurf. Jedem fünften Käufer unterschlugen die Makler eine Aufstellung der Bewirtschaftungskosten (etwa Betriebskosten, Rücklagen). 35 Prozent der Befragten bekamen vom Makler nicht den Wohnungseigentumsvertrag. Fast jeder Zweite wurde nicht über anstehende Hausreparaturen informiert.

Höchste Maklerprovisionen in Europa

Der Wirtschaftsminister muss die Maklerverordnung rasch ändern, verlangt die Arbeiterkammer in diesem Zusammenhang. "Die Maklerprovisonen für Miet- und Eigentumswohnungen müssen gesenkt werden", so Tumpel. Ein europaweiter Vergleich zeigt, dass die
österreichischen Mieter und Wohnungskäufer durch Maklerprovisionen extrem belastet sind. Sie zahlen laut Arbeiterkammer die höchsten Provisionen.
 
Maklerprovisionen im internationalen Vergleich
Land Mietwohnung: Prozent der Jahresmiete ohne Umsatzsteuer Eigentumswohnung: Provision ohne Umsatzsteuer
Österreich 22,70 Prozent 3,0 Prozent des Kaufpreises
Niederlande keine Provision 1,0 bis 2,0 Prozent, wenn Käufer der Auftraggeber ist 
Belgien keine Provision 3,0 bis 5,0 Prozent, wenn Käufer der Auftraggeber ist 
Großbritannien keine Provision keine Provision
Irland keine Provision keine Provision
Norwegen keine Provision nur wenn Käufer der Auftraggeber ist
Schweden geringer Fixbetrag nur wenn Käufer der Auftraggeber ist
Deutschland 12,03 Prozent ortsübliche Provision
Finnland 8,33 Prozent keine Provision
Frankreich 4,50 Prozent frei vereinbar
Luxemburg 4,17 Prozent keine Provision
Italien 3,50 Prozent rund 2,0 Prozent des Kaufpreises

Maßnahmenkatalog der Arbeiterkammer für eine sofortige Änderung der Maklerverordnung:

  • Die Provisionsbelastungen für MieterInnen müssen in Österreich auf zumindest deutsches Niveau gesenkt werden, das sind maximal drei Nettomonatsmieten (Mieten ohne Hausnebenkosten) für alle Wohnungsmietverträge
     
  • Bei Kaufverträgen von Eigentumswohnungen und Eigenheimen müssen die Maklerprovisionen für den Käufer auf zwei Prozent der Kaufsumme beschränkt werden
     
  • Hausverwalter oder Sub- und Tochterfirmen des Vermieters dürfen vom Wohnungssuchenden keine Provisionen verlangen. Denn hier liegt überhaupt keine Vermittlungstätigkeit vor.

Dere Österreichische Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) weist die Kritik der Arbeiterkammer zurück. Es zeige sich, anders als in der Arbeiterkammer-Studie, dass Kunden mit der Beratungsqualität der Immobilienmakler zufrieden seien, so Anton Holzapfel vom Verband der Immobilientreuhänder.
 

Foto: Arbeiterkammer ID:636