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Finanzdienstleistungen

Warum Verbraucherbildung so wichtig ist

14.08.2012
Von Beate Blaschek
Der Ruf nach finanzieller Allgemeinbildung wird immer dann laut, wenn es darum geht, dass VerbraucherInnen Fehlinvestitionen getätigt haben oder ihre Finanzierungsprodukte nicht richtig eingeschätzt haben. Die großen Anlegerskandale der Vergangenheit mit tausenden Geschädigten hatten ja nicht nur für die AnlegerInnen verheerende Folgen, auch die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft sind nicht unbeachtlich, da diese Mittel unwiderruflich dem Konsum entzogen sind.
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Dr. Beate Blaschek ist Leiterin der Abteilung Finanzdienstleistungen und Verbraucherbildung Sektion Konsumentenpolitik im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (bmask)

Fast noch schlimmer sind Fehlentscheidungen im Bereich der Finanzierung; so haben derzeit ca. 250.000 Österreicher Verbindlichkeiten in einer Fremdwährung, deren Entwicklung bei den gegenständlichen Turbulenzen auf den Märkten nicht vorhergesehen werden können.

Auch die Psyche spielt bei Entscheidungen eine Rolle

Wirkt sich also fehlendes Verbraucherwissen schon im Allgemeinen negativ aus, so führt fehlendes Finanzwissen oft zu existenzbedrohenden Situationen.
Gerade im Bereich der Finanzen kommt zu dem eher geringen Wissen der ÖsterreicherInnen auch noch eine psychologische Komponente, die keinesfalls außer Acht gelassen werden darf: die Sehnsucht, endlich einmal zu den Gewinnern zu gehören, endlich auch einmal „leicht“ Geld zu verdienen, den großen Gewinn zu machen. Nur so kann man sich erklären, dass wohl oft wider besseres Wissens den Versprechungen von skrupellosen oder selbst unwissenden VermittlerInnen Glauben geschenkt wird. Selbst wenn einige der Geschädigten aus den Anlegerskandalen sogar ganz gute Finanzkenntnisse hatten, wurden sie doch von der Stimmung der hohen Renditen mitgerissen.

Es geht nicht vorrangig um Wissen, sondern um Haltungen

Es wäre daher nötig, schon frühzeitig Haltungen aufzubauen, die realistische und ethisch faire Vorstellungen von wirtschaftlichem Handeln vermitteln. Eine Veranlagung mit 6,0 Prozent jährlichem Ertrag kann nicht sicher sein; eine mit garantiertem 12prozentigem Ertrag nicht seriös. Das Wissen muss gestützt sein von der Kompetenz unterschiedliche Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen und im Kontext einer fairen Wirtschaft und dem eigenen finanziellen Bedarf zu entscheiden.

Gerade im Bereich der finanziellen Allgemeinbildung sehen wir, wie wichtig ein gesamthafter Zugang zur Verbraucherbildung ist, der nicht einfach diverse Produkte einander gegenüberstellt, sondern die dahinter stehenden wirtschaftlichen Zusammenhänge und Auswirkungen darstellt.

In der Praxis freilich zeigen sich zahlreiche Hindernisse, wenn es darum geht, finanzielle Allgemeinbildung in der Bevölkerung zu verankern. Schon die Frage wer wen wie worüber schulen soll, zeigt, dass eigentlich alles offen ist.

Schulische Bildung hätte den besten Effekt

Am sinnvollsten wäre die Verankerung jedenfalls in der Schule und zwar möglichst schon in der Volksschule während in der Folge altersangepasst die jeweils interessierenden Themen aufgegriffen werden sollten um einer Verschuldung vorzubeugen und realistische Einschätzungen zum Umgang mit Geld zu entwickeln.

Dr. Beate Blaschek

Seit 2003 Leiterin der Abt. Finanzdienstleistungen und Verbraucherbildung im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz; stellvertretende Sektionsleiterin der Sektion Konsumentenpolitik; seit dem Jahr 1989 mit Konsumentenschutz beschäftigt, zuerst als Beraterin im VKI, dann im jeweils für Konsumentenschutz zuständigen Bundesministerium.

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