10.10.2010
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Zinsentwicklung 2010

Prognosen von RZB, Bank Austria und Co.

Von Erwin J. Frasl
Zahlreiche Finanzprodukte sind mit dem Euribor, der Euro Interbank Offered Rate, verknüpft. Biallo.at hat nachgefragt, wie namhafte Experten die Entwicklung der Zinsen aktuell einschätzen.
Zinsen-Euribor-Raiffeisen Zentralbank-RZB-Bank Austria-Erste Bank-Bawag-PSK-Gottfried Steindl-Stefan Rossmanith-Michael Andreas Rottmann-Gudrun Egger-Europäische Zentralbank-EZB-Leitzins
Gottfried Steindl, Experte der Raiffeisen Zentralbank, rechnet mit Erhöhung des Leitsinssatzes der Europäischen Zentralbank zum Jahresende

Gottfried Steindl, Experte der Raiffeisen Zentralbank (RZB), rechnet mit einem Anstieg des Leitzinses der Europäischen Zentralbank (EZB) von derzeit 1,0 Prozent auf 1,50 Prozent im Dezember dieses Jahres. Die Entwicklung des Euribor von Juni bis Dezember 2010 schätzt der RZB-Profi so ein: Ein-Monat-Euribor: 1,05 Prozent bis 1,60 Prozent; Drei-Monate-Euribor: 1,20 Prozent bis 1,80 Prozent; Sechs-Monate Euribor: 1,30 Prozent bis 2,0 Prozent.

Der 12-Monate-Euribor schließlich wird voraussichtlich von 1,50 Prozent im Juni bis auf 2,20 im Dezember ansteigen.

Stefan Rossmanith, Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Bawag-PSK, rechnet bei den Zinsen mit folgender Entwicklung: Die EZB wird im weiteren Jahresverlauf stufenweise für eine Normalisierung der Geldmarktsätze sorgen. Der 3-Monats-Euribor wird sich so bis zur Jahresmitte wieder an das Leitzinsniveau annähern. Abhängig von der Stärke der konjunkturellen Erholung und auch der Inflationserwartungen sieht Rossmanith die Möglichkeit eines Leitzinsniveaus von 1,50 Prozent zu Jahresende mit einer Anhebung frühestens im Herbst. Der 3-Monats-Euribor könnte im dritten Quartal dieses Jahres wieder über 1,0 Prozent steigen und zu Jahresende etwa 10 bis 15 Basispunkte über dem Leitzins liegen.

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Bank Austria-Experte Michael Rottmann erwartet, dass die kurzfristigen Marktzinsen erst nach dem Sommer dieses Jahres allmählich steigen und sich dem Refinanzierungssatz anpassen werden. Die erste Leitzinsanhebung erwartet Rottmann im ersten Quartal des kommenden Jahres. Wahrscheinlich bleiben die kurzfristigen Marktzinsen noch bis September niedrig ehe der 3-Monate-Euribor in Richtung 1,0 Prozent steigen wird, so Rottmann.

Erste Group Analystin Gudrun Egger sieht die Euribor-Entwicklung (jeweils Monats-Endwerte) so: Für den Juni 2010 erwartet sie 0,8 Prozent, im September 1,0 Prozent und schließlich im März 2011 1,5 Prozent. Derzeit erwartet Egger die erste Erhöhung des Leitzinssatzes durch die EZB um 25 Basispunkte im ersten Quartal 2011.

So kommt der Euribor zustande

Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate - Libor, London Interbank Offered Rate) ist ein repräsentativer Zwischenbanken-Zinssatz für Termingelder in Euro mit einer Laufzeit von einer Woche bis zu 12 Monaten. Er dient als Referenz für viele Finanzprodukte wie Spareinlagen oder Hypothekarkredite (z. B. 1,0 Prozentpunkt Aufschlag auf den Dreimonats-Euribor).

Die Ermittlung des Euribor erfolgt durch eine repräsentative Umfrage unter den wichtigsten Banken, die aktiv am Euro-Geldmarkt teilnehmen, davon der Großteil aus dem Euroraum. Der Euribor ist der Mittelwert der gemeldeten Zinssätze, wobei die jeweils 15 Prozent höchsten und tiefsten Werte eliminiert werden. Vergleichbare Zinssätze für andere Währungen wie den US-Dollar oder das britische Pfund laufen unter der Bezeichnung Libor (London Interbank Offered Rate).

Die Zins-Profis der Banken

Gottfried Steindl: 1973 geboren in Ried i. Innkreis, 1991 Matura BG Ried, 2000 Abschluss des Volkswirtschaftsstudiums an der Wirtschaftsuniversität Wien, 1999-2001 Postgraduierten Studium am Institut für Höhere Studien (Economics), 2004 Abschluss des CIIA-Programms (Certified International Investment Analyst), seit 2001 in der RZB als Zins- und Währungsanalyst für Raiffeisen Research tätig. Nach Österreich und Schweiz ist der derzeitige Kernmarkt der Analyse die Eurozone mit dem Fokus auf Wirtschaftsausblick, Geld- und Anleihenmarkt. Seit 2006: Lektor an der FH Wien - Studiengang Unternehmensführung, seit 2008: Referent auf der Raiffeisen Akademie.

Stefan Rossmanith: Geboren 1964 in Wien, aufgewachsen in Oberösterreich. Abschluss der BHAK Linz 1983. 1984 - 1990 Studium der Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Universität Linz. Seit 1990 bei der P.S.K., Wien, beschäftigt. Seit 1997 Chefvolkswirt der P.S.K., seit 2001 Chefvolkswirt der Bawag P.S.K.

Michael Andreas Rottmann: 1961 in Warstein, Deutschland, geboren. 2000 bis heute Leiter Fixed Income und FX Strategie Research der Bank Austria. 1995-2000 Analyst, Zins- und Devisenmärkte, 1992-1995 Technischer Analyst, Zins- und Devisenmärkte, 1989-1992 Portfolio Manager, Bayerische Vereinsbank Financial Management, München (Tochtergesellschaft für private Vermögensverwaltung der Bayerischen Vereinsbank). 1984-1989 Portfolio Manager, Bayerische Vereinsbank Financial Management, München (Tochtergesellschaft für private Vermögensverwaltung der Bayerischen Vereinsbank). 1983-1984 Traineeprogramm bei der Bayerischen Vereinsbank im Bereich Wertpapiergeschäft.

Gudrun Egger: Verfügt über mehr als 13 Jahre Erfahrung in der Analyse der Finanzmärkte und leitet die Abteilung Major Markets & Credit Research in der Erste Group. Es werden Makroanalysen, Zins- und Währungsprognosen für die Hauptmärkte (Eurozone, USA, Schweiz, Japan) erstellt und Corporate Bonds in West- und Osteuropa analysiert.

Foto: RZB ID:650