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Wertschätzung in der Krise

Wie man die besten Mitarbeiter gewinnt - oder verliert

26.07.2010
Von Othmar E. Hill
In Krisenzeiten wird vom Management gern Vieles in Frage gestellt. Man glaubt, dass neue Besen gut kehren. Es wird nach „innovativeren“ Methoden gesucht. Meist opfert man auch bewährte Methoden. Setzt wieder einmal auf Zentralismus. Change ist angesagt! Man reorganisiert, zeichnet viele neue Kastln ins Organigramm. Auch das Management kommt unter Druck. Sogenannte „Schönwetter-Kapitäne“ werden gegen „Sturmsegler“ ausgetauscht etc. Der Druck von oben wird dann allzu gerne nach unten weiter gegeben.
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Dr. Othmar E. Hill, Wirtschaftspsychologe, Gründer und CEO von Hill International

In der Maske des organisatorischen Wandels und des verständlichen Rufes nach harten Maßnahmen verbirgt sich nur allzu oft Verachtung, gnadenlose Konkurrenz, Mobbing und Bossing. Jeremy Rifkin schrieb eben ein Buch über die empathische Zivilisation. Dabei beschreibt er die Weltgeschichte nicht aus dem Blickwinkel der Macht, sondern aus der Sicht der Empathie.

Es wird mehr Gnadenlosigkeit gelebt 

Krisenzeiten polarisieren klarerweise. Es wird wohl mehr Gnadenlosigkeit gelebt werden, wie wir aus der starken Zunahme von seelischen Krankheiten ablesen. Andererseits wird es speziell in der Internet-Community einen starken Trend zu gemeinschaftlichen, konsensualen Konzepten und Projekten geben.

In der Wissensgesellschaft von heute ist die Frage des vernetzten Arbeitens eine geradezu existenzielle. So gesehen wird disloziertes Managen, also jemanden anzuleiten, der oder die hunderte, ja tausende Kilometer und auch kulturell weit entfernt ist, die Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Interkulturelle Leadership erscheint geradezu undenkbar ohne Empathie. Nachhaltigkeit im Aufbau von internationalen Projekten und Netzwerken kann nur erreicht werden, wenn diese Grundhaltung des prinzipiellen Verstehens ehrlich gelebt wird.

Menschliche Verachtung führt zum Scheitern

In diesem Sinn muss der Titel umgetextet werden. Wer die Krise mit menschlicher Verachtung meistern will, wird mit Sicherheit scheitern. Gerade in schwierigen Zeiten fordern die besten MitarbeiterInnen ein hohes Niveau an ehrlicher und menschenorientierter Kommunikation. Und gerade die Besten sind auch bereit, den Betrieb zu verlassen, wenn sich stillose Begegnungen ereignen. Und was passiert, wenn ein Betrieb kompetente und leistungswillige Personen verliert, kann sich jeder ausmalen.

Wir leben in einer der Zeitenwende, die uns vom rabiaten Kapitalismus hin zu einem integrativen Humanismus in wirtschaftlichen Belangen bringen könnte. Unsere Social Skills und insbesondere der Grad unserer interkulturellen Kompetenz werden die unternehmerischen Erfolge der Zukunft bestimmen.

Dr. Othmar E. Hill

... geboren 1948, Studium der Psychologie an der Universität Wien mit Schwerpunkten Testpsychologie und Wirtschaftspsychologie, Ausbildung in Human Ressourcen Management, Personenzentrierte Gruppenarbeit bei Carl Rogers. 1970: Aufbau des Instituts für Arbeitspsychologie und Leitung des Testpsychologischen Instituts, 1975: Gründer & Präsident von HillL International – heute 30 Büros in 20 Ländern, 1998: Gründer und Hauptgesellschafter von Hill Communications, 1998: Gründung des Institutes für Humanistisches Management
1999-2003: Leitung der Sektion Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologie im
BÖP (Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen), Betriebspsychologische Beratung und Managementbegleitung im HR-Bereich seit mehr als 30 Jahren.
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