07.12.2009
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Kontoüberziehung bleibt teuer

Bis zu 13,25 Prozent Zinsen

Von Wolfgang Thomas Walter
Kontoüberziehung kostet Bankkunden eine Menge Geld. Bis zu 13,25 Prozent an Zinsen berechnen die Geldhäuser für eingeräumte Dispokredite - das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer.
Die Kontoüberziehung kosten Sie bis zu 13,25 Prozent Zinsen. Das zeigt ein Test der Arbeiterkammer bei 20 Banken. „Hinzu kommt, dass Banken immer häufiger den Kontorahmen kündigen oder stark reduzieren – und das still und heimlich“, kritisiert AK-Konsumentenschützer Christian Prantner. „Besonders finanzschwache Kunden werden durch hohe Zinsen und Mahnspesen zur Kassa gebeten“, so Prantner.


Die Überziehungszinsen betragen 3,9 bis 13,25 Prozent haben die AK-Tester ermittelt. Durchschnittlich müssen Bankkunden mit 9,5 Prozent rechnen, wenn sie mit ihrem Konto ins Minus kommen. „Die Europäische Zentralbank hat seit Herbst 2008 die Leitzinsen laufend gesenkt. Aber die Zinsen für Kontoüberziehungen sind so hoch wie vor einem Jahr“, so Prantner.
 

Klagen der Bankkunden

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In der Praxis räumen Banken ihren Kunden meist automatisch einen Kontoüberziehungsrahmen ein. In der Regel ist es das zwei- bis vierfache des monatlichen Einkommens. Die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer registriert allerdings Beschwerden von Bankkunden, dass Kreditinstitute immer häufiger den Kontorahmen kündigen oder drastisch reduzieren – und das plötzlich und nicht einvernehmlich.

 
Teure Mahnschreiben

Auch Mahnschreiben einer Bank können ins Geld gehen, verweist die Arbeiterkammer etwa auf den Fall einer Bankkundin, die ihren Kontorahmen überzogen hatte. Um die Schulden zurückzuzahlen, vereinbarte sie monatliche Raten und kam in Verzug. Das erste Mahnschreiben kostete der Bankkundin 21 Euro, das darauf folgende bereits 37 Euro.

Hilfe bei Zahlungsproblemen

Die Arbeiterkammer als gesetzliche Interessensvertretung der Arbeitnehmer verlangt daher von den Banken individuelle faire „Hilfspakete“, die sie Kunden mit Zahlungsproblemen anbieten. So soll es realistische Rahmenvereinbarungen geben, Sonderzinsen oder einen Verzicht auf hohe Mahnspesen.

So hilft die EU den Bankkunden

Hilfe für die Verbraucher gibt es durch die Europäische Union: Bis Sommer 2010 soll in Österreich die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie umgesetzt sein. Der Konsument wird dann bei der Kontoeröffnung und auch danach regelmäßig über die Höhe der Sollzinsen informiert. Die AK verlangt allerdings auch, dass die Guthabenzinsen ebenfalls bei der Umsetzung der Richtlinie in die Informationspflicht der Kreditinstitute einbezogen werden.

Außerdem fordert die AK, dass Kunden auch über den Kontorahmen auf dem Kontoauszug informiert werden. Die Banken handhaben es höchst unterschiedlich: Es gibt Banken, die automatisch je nach Höhe des Einkommens und der Bonität des Kunden einen Überziehungsrahmen gewähren. Andere Banken wiederum bewilligen einen Kontorahmen nur nach Anfrage des Kunden. Wird der Kontorahmen überschritten, werden zu den ohnehin schon teuren Minuszinsen Überziehungszinsen von fünf Prozent verrechnet. 

Tipps der Konsumentenschützer

  • Bedenken Sie, dass der Überziehungsrahmen nur als kurzfristiger Kredit geeignet ist. Langfristig kommt ein Privatkredit im Regelfall günstiger.
     
  • Verlangt die Bank eine Kontorahmenreduktion, dann sollten Sie über eine realistische Rahmenreduktion pro Monat sprechen. Es ist zudem sinnvoll, die Zusatzkosten anzusprechen – Mahnschreiben sind teuer.
     
  • Vereinbaren Sie aktiv die Rahmenhöhe sowie die Höhe der Zinssätze für Guthaben und Überziehung.
     
  • Scheitern die Gespräche in der Bankfiliale, dann bieten einzelne Banken Hilfe über bankeigene Ombudsstellen an.
     
  • Besprechen Sie mit der Bank, wenn es Abbuchungen gibt, die über den vereinbarten Rahmen hinausgehen. Möglichweise führt die Bank diese Abbuchungen nicht mehr durch und veranlasst eine Rückleitung des Dauer- oder Abbuchungsauftrages. Hier können von der Bank empfindlich teure Rückleitungsspesen anfallen (rund 6,50 Euro).
     
  • Bei Beträgen über dem Kreditrahmen fallen – neben den üblichen Zinsen für die Kontoüberziehung – zusätzlich fünf Prozent an Überziehungsprovision an. Das bedeutet: Wenn die „normalen“ Überziehungszinsen 9,5 Prozent betragen, dann kostet die Überziehung für jenen Betrag, der über den Rahmen hinaus beansprucht wird, 14,5 Prozent. 
Foto: biallo.at ID:439