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Test der Arbeiterkammer

Gehaltskonto mit teuren Nebenspesen

27.05.2009
Von Erwin J. Frasl
Ein Gehaltskonto kostet für einen durchschnittlichen Nutzer 71 Euro im Jahr – mit 240 Buchungen und Kontoführungsgebühr. Das zeigt ein aktueller AK Test von 41 Gehaltskonten bei 20 Banken in Wien. Die Guthabenzinsen sind im Keller, die Minuszinsen sind hoch. „Konsumenten sollten auf teure Nebenspesen beim Konto achten, etwa wenn sie einen Zahlschein bar am Bankschalter einzahlen“, rät Harald Glatz, Chef der Konsumentenpolitik in der Arbeiterkammer.
Arbeiterkammer  Wien Gehaltskonto Spesen Nebenkosten Finanzportal Biallo.at
Harald Glatz, Chef der Konsumentschutzabteilung der Arbeiterkammer Wien, macht auf große Preisunterschiede bei Gehaltskonten aufmerksam

Die Arbeiterkammer hat im April die Preise von 41 Gehaltskonten bei 20 Banken mit Filialen in Wien und Online-Banken erhoben. Davon werden zwölf Konten mit Einzel- und 29 mit Pauschalpreisverrechnung angeboten. Bei den zwölf von der Arbeiterkammer gestesteten Konten mit Einzelverrechnung liegen die jährlichen Kosten für einen Normalnutzer (240 Buchungen pro Jahr und Kontoführungsgebühr) bei 47,23 Euro (BAWAG – Konto für Preisbewusste) bis 157,21 Euro (Bank für Tirol und Vorarlberg, Gehaltskonto).
Konten mit Pauschalpreisverrechnung kosten null Euro (easybank – easy gratis; bankdirekt.at – Konto in Verbindung mit einem weiteren Produkt und Gehaltseingang von mindestens 1.500 Euro monatlich) bis 175 Euro (UniCredit Bank Austria – Erfolgskonto Gold). „Der Trend geht zu Konten mit Pauschalpreisverrechnung“, sagt Glatz. Er mahnt hier zur Vorsicht, denn es gibt große Unterschiede, welche Leistungen in einem Pauschalkonto enthalten sind und welche extra verrechnet werden.“

In der Kontoführungsgebühr kleinerer Pakete sind zumeist automatisierte Buchungen, Internetbanking, Kontoauszüge per Kontoauszugsdrucker und eine Bankomatkarte enthalten. Teurere Pakete inkludieren auch Dauerauftragsänderungen, beleghafte Buchungen und Kreditkarten mit und ohne Versicherungsschutz.

Überziehungszinsen bis zu 18,25 Prozent

Die Guthabenzinsen betragen 0,125 bis 1,75 Prozent. Wer mit seinem Konto ins Minus rutscht (innerhalb des vereinbarten Kontorahmens), zahlt 7,25 bis 13,25 Prozent. Wer sein Konto über dem Kontorahmen überzieht, zahlt noch mehr. Überziehungen über den Kontorahmen können zusätzlich zu den Überziehungszinsen bis zu fünf Prozent an Strafzinsen ausmachen. Das kann laut AK Test im günstigsten Fall bis zu 12,25 Prozent Zinsen, im teuersten Fall bis zu 18,25 Prozent Überziehungszinsen ausmachen.

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Teure Nebenspesen

„Nebenspesen schlagen sich teuer zu Buche“, macht Glatz ganz besonders aufmerksam. Wer einen Zahlschein (auf ein institutsfremdes Konto) bar einzahlt, hat Spesen von zwei bis sieben Euro. „Auch die Schließung des Gehaltskontos kann mitunter kostspielig werden – bis zu 25 Euro“, so Glatz. Die Arbeiterkammer fordert daher mehr Rechte für die Verbraucher. So soll jeder Konsument einen gesetzlichen Anspruch auf ein Girokonto haben. Ohne Konto zahlt man drauf – die Arbeitsplatzsuche ist mitunter schwieriger; Einzahlungen an der Bankkassa, etwa für Miete oder Strom, läppern sich im Jahr. Außerdem sollen auf dem Kontoauszug der Überziehungsrahmen und die Zinsen stehen. Die neue EU-Verbraucherkredit-Richtlinie (die bis Mai 2010 umzusetzen ist) sieht vor, nur die Sollzinsen regelmäßig auf dem Kontoauszug mitzuteilen. Glatz fordert hier seitens der Arbeiterkammer, dass auch die Guthabenzinsen draufstehen sollen. 

 
Das günstigste Konto im Vergleich für einen Normalnutzer
(240 Buchungen im Jahr)
Bank  Kontokosten 
in Euro    

Sollzinsen
in Prozent

Habenzinsen
in Prozent
bankdirekt.at 1) 0,00 7,250 0,125
easybank 0,00 9,000 0,250
Sparda Bank Wien 13,49 9,750 0,125
Hypo OÖ 2) 30,00 9,00 0,125
Verkehrskreditbank 34,93 8,250 1,750
BAWAG 3) 47,23 13,250 0,125
Bank Burgenland 47,36 9,750 0,250
RLB NÖ Wien 48,64 12,5000 0,125
Generali Bank 50,57 9,000 1,000
Hypo NÖ 59,50 9,500 1,250
Erste Bank 62,66 9,500 0,125
Oberbank 64,89 8,500 0,125
Hypo Alpe Adria 65,17 11,500 0,125
Volksbank Wien 65,80 9,000 1,625
PSK Bank 4) 67,41 13,250 0,125
UniCredit Bank Austria 68,79 13,250 0,125
BKS Bank 69,76 11,500 0,125
Vakif Bank 73,13 9,500 0,500
WSK 81,30 9,000 0,125
Bank für Tirol und
Vorarlberg
90,00 12,750 0,125
1) Konto in Verbindung mit einem weiteren Produkt und Gehaltseingang von mindestens 1.500 Euro monatlich; 2) nur für BerufseinsteigerInnen; 3) Konto für Preisbewusste; 4) Konto-Box

Quelle: Arbeiterkammer Wien - Die Erhebung finden Sie im Internet unter www.arbeiterkammer.at

Die Tipps der AK-Konsumentenschützer
  • Verhandeln Sie Zinsen für Guthaben und Überziehungen, das lohnt sich
  • Vermeiden Sie Zahlscheine bar am Schalter einzuzahlen. Das kann bis zu sieben Euro kosten.
  • Pauschal ist nicht pauschal: Prüfen Sie, ob alle oder nur bestimmte Buchungen kostenlos sind.
  • Bei Konten mit Einzelpreisverrechnung gilt: Weniger Transaktionen, weniger Spesen. Vermeiden Sie unnötige Buchungen.
  • Achten Sie auf Überziehungs-Fallen: Fragen Sie von Zeit zu Zeit nach, wie hoch Kontorahmen (in der Regel drei Brutto-Monatsgehälter) und aktuell verrechneter Zinssatz sind.
  • Das Ändern von Daueraufträgen kann bis zu 3,20 Euro kosten. In vielen Fällen ist es per Internet Banking spesenbegünstigt oder sogar kostenlos.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Konto gedeckt ist. Ist es nicht gedeckt und können Dauer- oder Einziehungsaufträge nicht durchgeführt werden, kann das bis zu zehn Euro kosten.
  • Bleibt Ihr Konto länger überzogen, überlegen Sie in einen Privatkredit umzuschulden.
  • Werden Sie arbeitslos, erkundigen Sie sich nach den Kontoführungsgebühren. Die Erste Bank verrechnet hier etwa keine Kontoführungsgebühren.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge und reklamieren Sie Fehler sofort. Ein Einspruch muss innerhalb von sechs Wochen schriftlich erfolgen.
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