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Reicher als reich werden

Wie leicht Betrüger Konten plündern

29.07.2010
Von Erwin J. Frasl
Selbst lebenserfahrene Menschen glauben manchmal an plötzlichen Reichtum, der per Telefon oder Email ins Haus kommt. Die Polizei nennt diese Gutgläubigen dann schlicht Opfer. Weil ihnen Geld abgeluchst wurde. Die Banken spielen dabei eine entscheidende Rolle.
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Mehr Geld - egal wie
Wir leben in einer wahrhaft glücklichen Zeit – denn es ist ganz einfach reicher als reich zu werden - meinen zumindest die Märchenerzähler: Telefonbesitzer werden mit Anrufen beglückt, die ihnen am Telefon zu einem Millionengewinn gratulieren und gleich um eine Kontonummer ersuchen, um die Millionen schnellstens zu überweisen. Wer seine Post auch per Email abwickelt, erhält regelmässig Mails, die ihn über Millionengewinne in der Lotterie informieren und dazu die Kontonummer des Gewinners benötigen, damit die Millionen fließen und manchmal kommt elektronische Post von einem Notar, Rechtsanwalt, Bankangestellten, oder einem sonstigen Freund der Menschheit aus Afrika, Asien, Spanien oder Großbritannien, der gerne ein geheimes Konto mit dem Mailempfänger teilen möchte, weil er persönlich nicht an dieses Konto herankommt und um eine fürstliche Vorauskasse ersucht, um die Formalitäten zur Erschließung des geheimen Kontos abwickeln zu können.


Telefon als Waffe der Betrüger

Und immer wieder fallen Menschen auf diese Märchen herein. Sie lassen sich auf Telefongespräche oder Antwortmails ein und manche geben auch ihre Kontonummer bekannt. Kein Wunder. Sind doch die Betrüger in allen Teilen dieser Welt darauf trainiert, Telefongespräche so zu führen, dass bei unerfahrenen Menschen kaum Verdacht aufkommt, werden Mails so verfasst, dass doch immer wieder Gutgläubige Menschen darauf hereinfallen und sich dazu hinreißen zu lassen, vollkommen Unbekannten persönliche Daten bekannt zu geben oder sie überweisen gar Geldbeträge an Menschen, Banken oder Institutionen, von denen sie vorher noch nie etwas gehört haben.

Zunehmend geraten ältere Menschen ins Visier der Betrüger

Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft macht immer öfter ältere Menschen, darunter auch viele Pensionisten, zu bevorzugten Opfer von Betrügern. Erfreulicherweise leben die Menschen länger und sie sind in den Nachkriegsjahren auch zu bescheidenem Wohlstand gekommen. Allerdings leben viele ältere Menschen mittlerweile allein und sind obendrein am Telefon viel zu vertrauensselig. Da haben Betrüger leichtes Spiel, diese Menschen in ein Telefongespräch zu verwickeln und ihnen selbst vertrauliche Informationen wie etwa Bankverbindungen und Kontonummern zu entlocken. Da wird den Angerufenen etwa vorgegaukelt, dass man ihre Bankverbindung und ihre Kontonummer überprüfen möchte und ersucht die Angerufenen, ihnen diese Daten zu Kontrollzwecken vorzulesen. Und schon ist es passiert.

Betrügerische Abbuchungen

Wer sich da als Bankkunde nicht immer wieder in sehr kurzen Zeitabständen aktuelle Kontoauszüge von seiner Bank holt und insbesondere alle Abbuchungen kontrolliert, kann böse Überraschungen in Form von unfreiwilligen Abbuchungen erleben, die Betrüger veranlasst haben. Diese müssen nur ein Konto bei einer Bank einrichten und dieses Kreditinstitut dazu veranlassen, als einziehende Bank Geld von Konten ihrer Opfer bei einer anderen Bank einzuziehen. Und das gelingt Betrügern erstaunlicherweise immer wieder. Da die Bank der Opfer nicht überprüfen muss, ob der Einzug rechtens ist, haben die Betrüger leichtes Spiel die Konten ihrer Opfer anzuzapfen.

Derzeit hilft nur intensive Kontrolle der Kontoauszüge

Derzeit können sich die Opfer derartiger Betrügereien nur dann wehren, wenn sie möglichst oft ihre Kontoauszüge kontrollieren und so betrügerische unzulässige Abbuchungen entdecken. Danach heißt es rasch handeln: Wer einen Einziehungsauftrag erteilt hat und feststellt, dass der abgebuchte Betrag nicht der Vereinbarung entspricht, hat acht Wochen Zeit, den Betrag von seiner Bank wieder rückbuchen zu lassen. Wer gar keinen Auftrag für Abbuchungen erteilt hat, aber trotzdem eine Abbuchung etwa durch Betrüger auf seinem Kontoauszug feststellt, hat sogar 13 Monate Zeit, sich sein Geld wieder zu beschaffen. Die Politik hat zwar versprochen, die Gesetzeslage so zu ändern, dass es für Betrüger schwieriger wird, die Konten neuer Opfer zu plündern, aber das kann noch dauern.

Wie Sie sich selbst schützen können

Um sich vor Betrügern zu schützen können Sie selbst jetzt schon etwas tun: Geben Sie am Telefon weder Ihre Bankverbindung noch Ihre Kontonummer bekannt. Legen Sie den Telefonhörer möglichst rasch auf und vermeiden Sie es so, sich in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Falls Sie Ihre Post auch elektronisch per Internet und Email erledigen, nützen Sie Schutzprogramme für unerwünschte Massenmails. Und denken Sie immer daran Ihre Kontoauszüge oft und gründlich zu kontrollieren. Damit Sie betrügerische Abbuchungen rasch entdecken und durch Ihre Bank rückbuchen lassen können – sofern das Konto der Betrüger bei der einziehenden Bank nicht längst abgeräumt worden ist. Glauben Sie ans Glück – aber schützen Sie Ihr Konto vor allen, die Ihnen schnelle Millionen versprechen. 

Mein Tipp für alle Kinder und Enkelkinder: Schenken Sie Ihren Eltern und Großeltern eine Kopie dieses Artikels und legen sie ihn gleich neben das Telefon. Für den Fall, dass das Telefon klingelt und ein Unbekannter einen Millionengewinn ankündigt.

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