Bei der Analyse erfolgte die Auswahl der Versicherer zufällig. Dabei wurde sichtbar, dass die Versicherten erheblich weniger Geld bekamen, als ursprünglich prognostiziert. Lediglich in zwei Fällen lag die Differenz bei nur ein Prozent (s-Versicherung) bzw. vier Prozent (Zürich Versicherung) unter der Prognose. Bei allen anderen Verträgen wurden zumindest acht Prozent weniger ausbezahlt als bei Vertragsabschluss prognostiziert. Im Schnitt waren es sogar 13 Prozent weniger.
VKI ortet geschönte Prognosen
Rechtsmittel dagegen sind im Grunde nicht möglich, denn rechtlich bindend zugesagt ist immer nur die garantierte Verzinsung, und zwar nur auf den Sparanteil. Geworben wird aber mit einer Gesamtverzinsung von vier bis 4,5 Prozent. „Die in den Angeboten beworbene Gesamtverzinsung ist aber nicht gleichzusetzen mit der Rendite“, macht Versicherungsexpertin Gabi Kreindl aufmerksam. Die Gesamtverzinsung bezieht sich nicht auf das gesamte eingezahlte Kapital, sondern nur auf den Sparanteil, der im Bereich von 75 bis 85 Prozent der einbezahlten Prämien liegt. Tatsächlich garantiert sind derzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil. Da bleibt nur eine Rendite von ca. 0,3 Prozent übrig. Damit ist nicht einmal eine bescheidene Inflationsabgeltung möglich.
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Nicht alle Einzahlungen werden verzinst
Viele Lebensversicherungen sind Er- und Ablebensversicherungen. Der Anteil für die Ablebensversicherung wird aber nicht verzinst, das einbezahlte Geld also nur zum Teil veranlagt. Doch auch bei reinen Erlebensversicherungen werden von 100 einbezahlten Euro nur zirka 85 tatsächlich veranlagt – der Rest entfällt auf Kosten und Versicherungssteuer, so der Verein für Konsumenteninformation. Das Problem dabei: Die „Gesamtverzinsung“ sagt nichts über den „Gesamtertrag“ aus. Es bedeutet nur, dass die veranlagten Beträge mit mindestens diesem Zinssatz verzinst werden – doch nicht das gesamte einbezahlte Geld.
Versprechen und Realität
Eine aktuelle Erhebung zeigt zudem, dass sich die versprochenen Gesamtzinssätze für einen Mann – geboren 1970, monatlicher Beitrag 100 Euro, Laufzeit 20 Jahre – derzeit zwischen vier bis 4,5 Prozent bewegen. Mit dem Garantiezins auf das gesamte einbezahlte Kapital gerechnet würden am Ende der Laufzeit 30.000 Euro herauskommen. Bei monatlicher Einzahlung wird der Unterjährigkeitszuschlag fällig, die Versicherungssteuer miteingerechnet müssten etwa 27.000 Euro übrigbleiben. Die von den Versicherern genannte garantierte Auszahlungssumme liegt dagegen bei rund 25.000 Euro, was nur durch die hohen internen Kosten erklärbar ist, so die Kritik des Vereins für Konsumenteninformation.
Kosten werden verschwiegen
Die Kosten sind ein gut gehütetes Geheimnis und setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen. So wurde in den meisten Fällen nicht darauf hingewiesen, dass aufgrund des Unterjährigkeitszuschlags die jährliche Einzahlung mehr bringt. „Zahlt man statt 100 Euro monatlich 1.200 Euro jährlich ein, dann ergibt sich bei einer Laufzeit von 20 Jahren eine Ersparnis von 2.425 Euro“, rechnet Kreindl vor. Diese Rechnung basiert auf sechs Prozent Unterjährigkeitszuschlag, vier Prozent Abschlusskosten und drei Prozent Verzinsung.
Provisionen provozieren Neuabschlüsse
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Provision für den Vertragsabschluss – diese zahlt der Versicherte, und zwar zu Beginn der Laufzeit. Grund dafür ist das seit über hundert Jahren übliche Zillmerungs-Verfahren. Durch diese Vorabvergütung der Provision ist der Anreiz für Vermittler groß, sich auf Neuabschlüsse zu konzentrieren, hohe Erstprämien und lange Laufzeiten anzubieten, anstatt auf die langfristige Betreuung des Kunden zu achten. Kreindl: „Dieses Verfahren erscheint uns als nicht mehr zeitgemäß. Eine größere Flexibilität bei Prämie und Laufzeit kann es nur über eine ungezillmerte Vergütung geben.“
Mehr Transparenz notwendig
Bei der Erhebung fehlten Erklärungen über Spar-, Risiko- und Kostenanteil nahezu immer. „Problematisch ist, dass Kunden mit der Lebensversicherung ihr Geld über einen langen Zeitraum veranlagen und darüber im Unklaren gelassen werden, mit welchem Ertrag sie rechnen können“, kritisiert Floss. „Zu größerer Transparenz würden etwa Kennzahlen für Kosten - ähnlich der TER (Total Expense Ratio) bei Investmentfonds -, Rendite und Risiko beitragen.“ Von realistischen Renditeangeben und korrekten Kosteninformationen würden aber nicht zuletzt auch die Versicherer und Berater profitieren: Denn in Österreich wird jede zweite Lebensversicherung vorzeitig gekündigt. „In dieser intransparenten Form sind leider Lebensversicherungen nicht empfehlenswert – weder zur Veranlagung, noch zur Altersvorsorge“, so Floss.

