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Mittwoch, 23.05.2012
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Staatsverschuldung

Wie kommt der Staat zu Geld?

07.09.2011
Von Lukas Hufnagl
Finanzkrise-Rettungsaktionen-Hilfsaktionen-Finanzierung-Kapital-Wertpapiere-Wertpapier-Kapitalertragsteuer-Finanzplatz-Wien-Spekulanten-Kleinanleger-Ideologen-Banken-Bankgeschäft-Einlagen-Ausleihungen-Aktien-Zocker-Steuer-unterjährige Gewinne-In
Lukas Hufnagl ist Partner und Geschäftsführer der Thalo Asset Management AG
Die Finanzkrise glaubten viele bereits abgeschlossen zu wissen, doch irgendwann musste die Rechnung für die staatlichen Rettungsaktionen, über deren Notwendigkeit wohl nicht diskutiert werden muss, kommen. Dass nun aber teilweise haarsträubende Maßnahmen ergriffen und thematisiert werden, um die Refinanzierung dieser Hilfsaktionen zu ermöglichen, zeigt klar, dass die Politik vor der großen Herausforderung steht, weitreichende und komplexe Folgen ihrer Handlungen abzusehen.

Es scheint so, als solle wieder einmal politisches Kapital aus Alibiaktionen geschöpft werden, deren Sinnhaftigkeit und Effizienz bezweifelt werden darf.  Ein gutes Beispiel dafür ist die neue Wertpapier-Kapitalertragsteuer in Österreich. Quasi über Nacht eingeführt, gänzlich ineffizient und dem Finanzplatz Wien und somit Österreich schadend, wurde hier das Klischee bedient, man wolle der „bösen Spekulanten“ Herr werden.

Dass aber der durchschnittliche Kleinanleger (entgegen der Meinung einiger Ideologen) weder besonders reich, noch ein böser Spekulant ist, interessierte während der kurzen Überlegungen scheinbar nicht. Auch dass die Österreichischen Banken zur Finanzkrise nichts beigetragen haben (die heimischen Institute konzentrieren sich überwiegend sehr erfolgreich auf das ursprüngliche Bankgeschäft der Einlagen und Ausleihungen), wird zugunsten polemischer Aussagen „übersehen“.

Echte Spekulanten (ich spreche hier von reinen Aktien-„Zockern“ und keineswegs von multinationalen Institutionen, die nach wie vor beinahe jedes Thema verbriefen und unter ideenreicher Benennung verkaufen) freuten sich sogar über diese neue Steuer, denn früher mussten sie unterjährige Gewinne mit 50 Prozent versteuern, nun wurde ihnen diese Last auf die Hälfte reduziert. Langfristige Investoren aber, besonders die breite Schicht der Kleinanleger, die an ein Unternehmen glauben, ihr Geld in diese Aktien investieren und somit dem Standort Österreich unter die Hände greifen, wurde bestraft.

Das ideologische Feindbild der aggressiven „Heuschrecken“ wurde gezielt eingesetzt, um politisches Kleingeld zu wechseln und sich selbst als Partei für den kleinen Mann zu präsentieren. Leider auf Kosten des Finanzplatzes Wien, wie wir alle anhand der besonders schlechten Halbjahreszahlen der Wiener Börse zur Kenntnis nehmen müssen.

Warum konnte man nicht Erprobtes (Abgeltungsteuer in Deutschland) nachahmen? Warum zeigt man nicht Charakter und nimmt die Wertpapier-KESt. zurück, um sie durch eine sinnvolle Maßnahme zu ersetzen?

Dass der Staat Geld benötigt ist klar und verständlich. Doch bei Besorgungsaktionen sollte bitte darauf Rücksicht genommen werden, dass diese nicht unser zartes Konjunkturpflänzchen zerstören und man sich mit Aussagen wie „in Österreich stehen wir im Vergleich zu anderen EU Staaten sehr gut da“ selbstzufrieden gibt.

Mein Vorschlag für sinnvolle Maßnahmen ist einfach und klar:

  1. Koordination einer europaweiten Finanztransaktionssteuer: Wir müssen wohl nicht darüber sprechen, dass Arbeit in unserem Land viel zu hoch besteuert ist. Um hier Steuererleichterungen angehen und so wettbewerbsfähiger werden zu können sind diese Ausfälle zu kompensieren und zwar mittels einer Besteuerung von Finanztransaktionen mit Maß und Ziel. Die Schweiz etwa lebt dies seit Jahren mit ihrer Stempelsteuer: Dort fällt beim Handel mit Aktien eine „Stempelsteuer“ an. Beim Handel von Schweizer Aktien 0,075 Prozent auf den Bruttotransaktionswert, bei Auslandsaktien 0,15 Prozent auf den Bruttotransaktionswert. Österreichische Alleingänge wäre hier jedoch kontraproduktiv und würden die negative Wirkung der Wertpapier-KESt. noch verstärken, daher die Notwendigkeit einer europaweiten Regelung.
  2. Änderung der Wertpapier-KESt. in Richtung Deutsche Abgeltungssteuer: Mir ist unbegreiflich, warum man nicht eine bewährte Regelung (e. g. die Deutsche Abgeltungssteuer) kopieren konnte, sondern in einer „Ho-ruck-Aktion“ eine Regelung aufstellen musste, die an Ineffizienz und Kontraproduktivität kaum zu überbieten ist. Musste man den Kleinanleger abstrafen, weil er sein hart verdientes und (bereits sehr hoch) versteuertes Geld in (heimische) Aktien investiert und so den Finanzplatz Österreich stärkt?
  3. Eine generelle Steueramnestie für alle Österreicher, befristet bis Jahresende: Mit meinem 3. Forderungspunkt werden wahrscheinlich viele ein (wiederum) ideologisches Problem haben. Doch sieht man nach Italien (dort brachte die Steueramnestie 2009/2010 etwa 115 Milliarden Euro zurück ins Land) oder etwa in die Türkei (2010 holten die Türken so mehr als 20 Milliarden Euro zurück), wird klar, dass Steueramnestien von den Bürgern sehr positiv aufgenommen werden und Milliarden an Kapital zurück ins Land bringen.

Es ist höchst an der Zeit sich völlig offen vor uns liegenden Herausforderungen zu nähern. Nicht für eine Partei, nicht für eine Interessensvertretung, sondern zum Wohle aller Bürger und zum Wohle für unser Land.

 


 

Lukas Hufnagl
 
... ist Partner und Geschäftsführer der Thalo Asset Management AG, einer eigentümergeführten Vermögensmanagementgesellschaft mit Hauptsitz in Liechtenstein. Er kann auf eine langjährige umfassende Tätigkeit in der Finanzwirtschaft, besonders klassisches M&A Geschäft und Vermögensverwaltung verweisen. Thalo Asset Management managt die derzeit den EVERIS INVESTMENTS Anlagenfonds mit drei Fondssegmenten, die in Deutschland und Österreich für den Vertrieb zugelassen sind sowie den SMARTSLY INVESTMENTS prezzo fund, der systematische, computergestützte Handelsprogramme im Währungsbereich bündelt, wobei acht Leitwährungen in Form von 23 Währungspaaren gegeneinander gehandelt werden.
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Leserkommentare

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29.04.2012 22:55 Uhr
Nachleser: update?
Nun ist es über 2 Monate her, von der "Übersiedlung" der fraglichen Fonds ist bis dato nichts geschehen, sie sind nach wie vor nicht handelbar. Dies wirft schon eine Reihe von Fragen auf, ob alles korrekt ablief. Ein Einblick in den alten Rechenschaftsbericht (neue gibts natürlich nicht) treibt einem den Kren in die Augen, so grauslich ist das. Aber egal, das Management will das packen, nur wie? Nach wie vor steht alles still. Alles nur hohle Ankündigungen? Wie stehen die Verfahren? Sind Kundenbeschwerden anhängig? Der "Newsletter" der besagten Produkte wurde ja eingestellt...
15.02.2012 07:50 Uhr
Thalo Asset Management AG: update
Nach der widerrechtlichen Handelsaussetzung, erwirkt in einer mutmasslichen Nötigungshandlung durch die FMA, der durch die Minerva verwalteten Fonds (die Leiterin der Rechtsabteilung wurde bereits entfernt) hat die Thalo Asset Management AG nun bereits zum 2. mal (!) eine Beschwerde beim VwGH eingebracht, nachdem die FMA das erste Urteil (wo die Thalo Asset Management AG obsiegt hatte) des obersten Gerichts negiert hatte.

Wir gehen davon aus, dass es zu keiner Handelswiederaufnahme kommen wird, da die Minerva in Konkurs befindlich ist, sondern die Assets in ein LUX Wertpapier "übersiedelt" werden.
Gegenwärtig laufen diesbezügliche Abklörungen mit dem Masseverwalter der Minerva.

Weiters bereitet die Thalo Asset Management AG - für den Fall, dass eine gütliche Regelung mit der Behörde nicht funktionieren sollte - eine Sammelklage der Investoren (zu welchen sowohl die Gesellschaft, als auch das Management selbst zählen) gegen die Behörde vor.

Über jeden einzelnen Schritt wurden und werden unsere Investoren per Aussendung regelmäßig informiert.

Sollten Sie zu den Investoren zählen und nicht informiert worden sein, so melden Sie sich bitte unter office@thalo-am.com und wir werden Sie vollumfänglich ins Bild setzen.

26.01.2012 09:31 Uhr
Nachfrager: Wo sind sie jetzt?
Nachdem die Fonds seit bald 5 Monaten nicht mehr handelbar sind, ist auch ganz plötzlich die Website der Fonds offline. Wie geht es weiter liebes Management? Wann darf mit einer Wiederaufnahme des Handels gerechnet werden? Wie ist die Strategie? Die KAG ist ja bereits Konkurs.
02.12.2011 09:51 Uhr
Thalo Asset Management AG: Erklärung
Die FMA führt eine Untersuchung gegen die Minerva Investments AG durch und hat alle Fonds der KAG vom Handel ausgesetzt. Die Reihenfolge der Handelswiederaufnahme hat keine Aussagekraft über die Fonds selbst, da diese Schritt für Schritt erfolgt.

Mit dem Hinweis, wir seien nicht Partei und diese Untersuchung habe nichts mit uns zu tun, erhalten wir keinerlei Auskunft von der FMA in der Sache.
Daher haben wir (als einziger Fondsmanager) im Interesse unserer Investoren, zu denen wir auch selbst zählen, und derer wir 60% mittels Vollmacht vertreten, juristische Schritte ergriffen.
27.10.2011 23:32 Uhr
Besserwisser: Das Beste am Ganzen ist...
..., dass dem Herrn Hufnagl seine Fonds bereits seit zwei Monaten von der Finanzmarktaufsicht aus dem Handel gezogen wurden. Ein Blick in den Rechenschaftsbericht tut gut zum besseren Verständnis des Spesenschinderei Modells des so klugen Herrn, der uns hier besserwisserisch sein Halbwissen aufträgt.
09.10.2011 15:26 Uhr
Economicus: Sehr wohl dumm, Herr Skeptiker
Ein einfaches Suchen hätte gereicht, um zu den selben Erkenntnissen zu kommen wie dies z.B. Haug, Hölscher e.a. in ihrer 2008er Studie "Analyse von Steueramnestiedaten" anhand von umfangreichen Daten belegen. Hierzu gibt es aber allerdings noch zahlreiche weitere Belege, eine Auflistung würden den Rahmen und Ihr Verständnis sprengen. Und dass Geldrückführung automatisch eine Wertschöpfung generieren ist der Oberblödsinn. Es geht mir auch nicht darum, intelligentere Vorschläge vorzubringen, es geht vielmehr darum dumme Vorschläge (wie die Steueramnestie) abzuwürgen. Empfehlenswert auch die Arbeit zur retributiven Gerechtigkeit einer Steueramnestie. Lesen Sie das, es hilft bestimmt.
13.09.2011 20:54 Uhr
skeptiker: gar nicht dumm
wer sein wissen auf studien (von wem verfasst? welche aussagekraft?) stützt, bleibt immer ein theoretischer meister...ich finde den ansatz dieses mannes gut und richtig, denn so kommt geld ins land, das die wertschöpfung ankurbelt. wenn dann allerdings massnahmen gesetzt werden, um das durch eine amnestie hereingebrachte geld "einzuziehen", ist es nur allzu verständlich, dass so viel als möglich wieder ins ausland verschoben wird. welchen vorschlag haben denn sie, "mr. g´scheit"?
worauf stützen sie ihre behauptungen? verweise? ...oder einfach mal nur kritisieren wollen?
12.09.2011 10:52 Uhr
Economicus: Schwachsinn
Noch so ein "Hobbypolitiker" mit seinen klugen Tipps. OMG!
Dass Steueramnestien nix bringen wurde in zahlreichen Studien wiederholt belegt. Der Autor führt zwar an, dass viel Geld (v.a. aus der Schweiz) nach Italien geflossen ist, dass der größte Teil davon aber längst wieder in der Schweiz ist hat er verschwiegen. Ein kompletter Schwachsinn der Vorschlag.
Foto: Thalo Asset Management AG ID:1961
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