
Ronald-Peter Stöferle: Ja, definitiv. Der Goldpreis ist nach wie vor auf günstigem Niveau. Man könnte genauso sagen dass nicht Gold steigt, sondern der Wert der jeweiligen Papiergeldwährung fällt. Man sagt ja auch "Gold ist ein weiches Metall, aber eine harte Währung". Gold erhält die Kaufkraft und erhöht sie sogar sukzessive. Konkret kann man dies beantworten, indem man vergleicht, wie viele reale Güter man im historischen Kontext für eine Unze Gold erhält. Im Jahre 1980 hatte die amerikanische Währung eine wesentlich höhere Kaufkraft als heute. Wenn man den offiziellen Inflationsrechner der Federal Reserve verwendet, läge das inflationsbereinigte Allzeithoch für eine Unze Gold aktuell bei 2.300 Dollar. Das bedeutet, dass Gold mehr 2.300 Dollar kosten müsste, um den realen Gegenwert von 1980 widerzuspiegeln. Öl - das schwarze Gold - konnte die realen Höchststände aus den 80er Jahren zuletzt erstmals übersteigen, ähnliches erwarten wir früher oder später auch für den Goldpreis.
Biallo.at: Was sollten Anleger unbedingt beachten, wenn sie daran denken einen Teil ihrer Ersparnisse in Gold anzulegen?
Stöferle: Ich würde Goldinvestments physisch sowie in Aktien aus dem Sektor allokieren. Die meisten ETFs sind reines "Papiergold", das bedeutet dass kein physisches Gold dahintersteckt. Was die Aktien betrifft, so haben wir im Sommer letzten Jahres einen Goldminen-Basket, bestehend aus elf kanadischen Goldaktien entwickelt, der bislang bereits 60 Prozent im Plus ist. Dass Gold volatiler und spekulativer als andere Investments ist, ist schlichtweg falsch. Nicht umsonst ist Gold seit tausenden Jahren eine Währung, Gold ist - im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen - an keine Verbindlichkeit oder Versprechungen geknüpft und kann somit nur auf seinen inneren Wert - der in Höhe der gesamten Produktionskosten liegt - fallen.
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Biallo.at: Gold steht zumeist im Mittelpunkt des Interesses von privaten Anlegern, wie sehen die Chancen und Gefahren bei anderen Edelmetallen wie etwa Silber aus?
Stöferle: In einem Szenario steigender Goldpreise (das wir ja favorisieren), sollten sich Silberinvestments überproportional positiv entwickeln. Den Hebel hat man allerdings nicht nur nach oben, sondern klarerweise auch nach unten hin. Silber ist - da der Markt wesentlich kleiner ist - deutlich volatiler als Gold. Auf Einzeltitelbasis gefallen uns hier Silver Wheaton, Silver Standard, Sabina Silver, Pan American Silver und Coeur D'Alene sehr gut.
Biallo.at: Es gibt viele Anbieter von Geldanlagen in Gold. Wie kann ein privater Anleger, der einen Teil seiner Ersparnisse in Gold anlegen möchte, sicher sein, dass er eine seriöse Anlage erwirbt?
Stöferle: Im physischen Bereich sollten nur Münzen von anerkannten Prägeanstalten (also Wiener Philharmoniker, Maple Leaf, Krugerrand,..) sowie Barren von renommierten Häusern gekauft werden. Immer häufiger werden mit Wolfram gefüllte, gefälschte Barren gefunden. Bei Aktien sollte man eingehend Research betreiben, da hier das Totalverlustrisiko nicht ausgeschlossen werden kann. Insofern bietet sich unser Basket (AT0000A0DY51) zur Streuung an.
Biallo.at: Sollen jene, die schon in Gold investiert sind, Kurs-Hochs in den kommenden Monaten nutzen, um Kasse zu machen und erst dann wieder einsteigen, wenn der Goldpreis sinkt?
Stöferle: Zum aktiven Trading eignen sich physische Goldinvestments keinesfalls. Wer jedoch in Aktien oder ETFs investiert ist, könnte die ausgeprägte Saisonalität des Goldpreises "spielen". Gründe für die saisonalen Schwankungen sind die sogenannte Wedding-Season aber auch das Diwali-Fest in Indien. Nachdem in Indien mehrheitlich im Herbst und Frühling geheiratet wird, deckt sich die Schmuckindustrie im dritten und vierten Quartal mit Material ein. Der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Wedding-Season stellt der 7. Mai dar, an dem das Akshaya Tritiya Fest gefeiert wird. Zudem füllen Juweliere ihre Goldbestände für das Weihnachtsfest meist im dritten und vierten Quartal auf.
Deshalb weisen das vierte sowie das erste Quartal eines Jahres die besten Performances auf, im zweiten Quartal korrigiert der Goldpreis deutlich und im dritten Quartal ist oft eine Seitwärtstendenz zu beobachten. Diese Saisonalität hat sich bis zuletzt in 75 bis 80 Prozent der Fälle bestätigt.
Während seines Studiums der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie in den USA arbeitete Stöferle im Handel von Kreditderivaten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Neben diversen wirtschaftsjournalisistischen Tätigkeiten galt sein Interesse schon immer den Aktien- und Rohstoffmärkten. Stöferle ist seit 2006 bei der Erste Group im internationalen Aktienresearch tätig und hat 2007, 2008 und 209 vielbeachtete Goldreports verfasst. Neben der Coverage für Gold, ist er seit 2009 auch für die Analyse des Ölsektors verantwortlich. Stöferle ist Chartered Market Technician und absolviert derzeit das CFTe Programm.
Exchange Traded Funds (ETFs) sind Investmentfonds, deren Börsenkurs laufend aktualisiert wird. Man unterscheidet passiv gemanagte Aktienfonds (auch Indexfonds genannt) und aktiv gemanagte Exchange Traded Funds (ETFs). Die Mehrheit der gehandelten ETFs sind passiv gemanagte Aktienfonds. Da ein Exchange Traded Fund fortlaufend gehandelt wird, kann mit einem ETF eine bestimmte Fondsanlage jederzeit wie eine Aktie gehandelt werden.
