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Kreditinstitute im Visier

"Nur wenige Banken haben die Branche in Misskredit gebracht"

09.11.2011
Von Erwin J. Frasl
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Marius Perger ist Chefredakteur und Herausgeber des Börsen-Kurier in Wien
Die Staatschuldenkrise in Europa sorgt laufend für Aufregung unter Anlegern, Steuerzahler, Politikern und Banken. Dazu die Einschätzung des Chefredakteur und Herausgeber des Börsen-Kurier Marius Perger.

Biallo.at: Banken bzw. Bankmanager werden zunehmend kritisch beurteilt. Wie beurteilen Sie die Rolle der Banken bzw. von Bankmanagern?

Marius Perger: Banken spielen eine unverzichtbare Rolle bei der Aufrechterhaltung der Wirtschaft. Nur wenige – vor allem außerhalb der Eurozone – haben die Branche in Misskredit gebracht. Dasselbe gilt für Bankmanager.

Biallo.at: Wer trägt aus Ihrer Sicht die Hauptverantwortung für die Krise in der Europäischen Union, insbesondere in der Eurozone – die Politiker, die Banken oder die internationalen Rating-Agenturen?

System Kreisky rächt sich

Perger: Vor allem Politiker, die meist um wieder gewählt zu werden, mehr ausgeben als einnehmen. Es ist an den Ausspruch eines bekannten österreichischen Politikers zu erinnern, dem ein paar Milliarden mehr Schulden weniger schlaflose Nächte bereiteten als einige tausend Arbeitslose – dieses System rächt sich nun und würde sich auch ohne Banken-/Finanzkrise rächen; vielleicht nur um ein paar Jahre später.

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Biallo.at: Was sollten die Politiker in Österreich bzw. in der Europäischen Union oder auf der Ebene der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer tun, um Auswüchse des Finanzsystem zu verhindern?

Perger: Die Finanzbranche zählt bereits heute zu den am stärksten regulierten, insbesondere in den USA. Es wird heute meist vergessen, dass wir die Finanzkrise aus Amerika importiert haben; dort haben selbst strenge Regulierungen nichts genützt. Außerdem: Was sind eigentlich „Auswüchse des Finanzsystems“? Dieser Begriff wird heute völlig unkritisch verwendet; ebenso gut kann von Auswüchsen des Sozialsystems, des Beamtenapparats u.v.a. gesprochen werden.

Biallo.at: Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit Banken oder anderen Finanzdienstleistern?

Perger: Keine Probleme.

Biallo.at: Wird es der EU-Politik gelingen, die Finanzlobby wie andere Bereiche der Wirtschaft einer parlamentarischen Kontrolle zu unterziehen oder wird die Finanzlobby auch in der Europäischen Union mächtiger als Politiker bleiben?

Wo die Politik mächtiger als die Finanzbranche ist

Perger: Woher kommt eigentlich die Überzeugung, dass die Finanzlobby mächtiger als die Politiker ist? Gegenbeispiel: Basel II und III – hier haben sich gerade die EU-Politiker gegen die „Finanzlobby“ durchgesetzt und damit einen wesentlichen Wettbewerbsnachteil der Finanzbranche z.B. gegen die USA verursacht.

Biallo.at: Was halten Sie von neuen Bewegungen, die gegen die Macht der Banken und Finanzdienstleister demonstrieren, wie etwa "Occupy Wall Street"?

Perger: Hier werden künstlich neue Feindbilder geschaffen. Natürlich gibt es an der Wall Street einzelne Auswüchse; gleichzeitig aber gehören die an der New Yorker Börse notierten Unternehmen beispielsweise zu den größten Arbeitgebern – wogegen wird eigentlich protestiert?

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