Von Erwin J. Frasl
Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte der Erste Bank, gibt einen Einblick in den Erwerb von Goldaktien. Warum sich ein Investment derzeit lohnt und auf welche Auswahlkriterien und Kennzahlen Sie als Anleger achten sollten.
Der Goldsektor war 2011 eine der wenigen Branchen, die positive Gewinnsteigerungsraten und höhere Margen melden konnten, so Gold-Experten der Erste Bank Ronald-Peter Stöferle. Das Verhältnis zwischen Gold und Goldminenaktien befindet sich jedoch aktuell zwei Standardabweichungen außerhalb des Trends, insofern sollte eine Outperformance im Vergleich zu Gold erfolgen. Goldaktien zeigten zuletzt relative Stärke zum Goldpreis aber auch zu vielen anderen Branchen. Dies wertet die Erste Bank als verlässlichen Frühindikator. Gemessen an historischen Bewertungsniveaus preisen Goldaktien derzeit einen Preis von 922 US-Dollar je Unze ein, Goldaktien sind somit weiterhin äußerst günstig bewertet.
Nachdem die Erste Bank für 2011 mit einem Goldpreis von 1.600 US-Dollar rechnete und ihr langfristiges Ziel bei 2.300 US-Dollar liegt, versprechen Investments in Goldminenaktien „glänzende Aussichten“. Bei der Analyse und Bewertung von Aktien aus dem Goldsektor sind jedoch andere Kriterien zu beachten, wie Stöferle all jene ganz besonders aufmerksam macht, die sich für Geldanlagen in Gold-Wertpapieren interessieren.
Die zentralen Faktoren und Auswahlkriterien bei Goldaktien sind laut Stöferle:
- Reservenwachstum
- Cash-Costs/Unze
- Produktionswachstum
- Cash Flow
- Management
- Infrastruktur
- Politisches Risiko
Im Mittelpunkt der Bewertung von Goldaktien stehen die ausgewiesenen Reserven
bzw. Ressourcen. Grundsätzlich sind dies Mengenangaben über Erzvorkommen im
Erdreich. Die Unterscheidung dieser beiden Begriffe ist von immanenter Bedeutung,
nachdem erfolgreiche Exploration noch lange keine sichere Produktion bedeutet.
Folgende Punkte sollten Sie bei den Ressourcen beachten
- Das tatsächliche Vorkommen sowie dessen Reinheitsgehalt und Qualität
- Ressourcen sind zwar geologisch nachgewiesen, deren wirtschaftliche Abbaubarkeit jedoch nicht
Ressourcen werden wiederum untergliedert in:
Inferred ressources (vermutete/abgeleitete Ressourcen):
- Grobe Schätzung aufgrund von Stichproben bzw. von Messdaten der Geophysik oder Geochemie.
- Inferred ressources dürfen nicht für Machbarkeitsstudien verwendet werden.
Indicated ressources (angedeutete Ressourcen):
- Status, nachdem weitere Bohrungen durchgeführt wurden.
Measured ressources (berechnete Ressourcen):
- Dies stellt den fortgeschrittensten Schritt der Exploration dar.
- Die Transformation einer Ressource in eine Reserve kann nur anhand von indicated bzw. measured-Status erfolgen. Nach einer eingehenden Prüfung (genaue Abbaumethoden, metallurgische Prozesse, Umweltverträglichkeit, Sicherheitsvorkehrungen etc.) und der Bestätigung der Wirtschaftlichkeit (vorläufige Machbarkeitsstudie) kann nun prognostiziert werden, ob die Lagerstätte profitabel abgebaut werden kann. Sollte dies gewährleistet sein, spricht man von einer Reserve.
Was Sie über Gold-Reserven wissen sollten
Der Anteil an der Ressource, der unter den gegebenen Voraussetzungen rentabel
abbaubar ist. Im Standardwerk der jeweiligen Behörde wird detailliert erläutert wie die
Machbarkeitsstudien zu erfolgen hat und welche Lagerstätten rentabel förderbar
sind. Reserven sind somit eine Teilmenge von Ressourcen.
Reserven werden untergliedert in:
Proven reserves:
- Vorkommen die im aktuellen Preisumfeld und mit Hilfe der technischen Voraussetzungen sehr wahrscheinlich abgebaut werden können.
- Als Faustregel sollten so viele Daten vorhanden sein, dass die Fehlergrenze nicht mehr als ca. zehn Prozent beträgt und eine Aussagewahrscheinlichkeit von 80 Prozent vorliegt.
- Je spärlicher die Daten sind, die man zur Verfügung hat, desto höher ist die Fehlergrenze und desto kleiner die Aussagesicherheit.
Probable reserves:
- Vorkommen die im aktuellen Umfeld mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozet abgebaut werden.
- Die Lagerstätte ist nur lückenhaft bekannt, es besteht jedoch eine Verbindung zu einer sicheren Reserve.
Possible reserves:
- Vorkommen die zu einer Wahrscheinlichkeit von lediglich zehn Prozent abgebaut werden können
Undiscovered reserves:
- Aufgrund von Vergleichen mit der Geologie ähnlicher Lagerstätten kann eine Mineralisierung vermutet werden.
- Hier sollte somit ganz klar differenziert werden, nachdem die Reserven oft deutlich unter den Ressourcen liegen.
- Die Vergleichbarkeit dieser Kennzahlen wird von exakt definierten nationalen Standards (zum Beispiel JORC Code in Australien, SAMREC Code in Südafrika) gewährleistet.
Es geht auch um die Produktionskosten
Eine weitere wichtige Kennzahl stellen die Cash-Costs je Unze dar. Dieser Indikator
beinhaltet die gesamten Förderkosten (inklusive Transport und administrativer Ausgaben, exklusive Förderzinsen, Produktionssteuern, Abschreibungen, Rekultivierung, Verwaltungskosten auf Konzernebene, Kapitalkosten und Explorationsausgaben) pro geförderter Unze Gold.
Die Total production Costs beinhalten zudem Produktionssteuern, Amortisation sowie die Rekultivierung nachdem die Mine geschlossen wurde.