Startseite > Gold am ATH
Versenden
Kommentieren
Drucken
auf Facebook teilen
Twittern

Gold am ATH

Nach dem Physischen Markt

17.12.2010
Von Roland Stöferle und Wolfgang Walter
Historische Hochs beim Goldpreis heizen die Nachfrage bei Gold weiter an. Dennoch ist die breite Masse derzeit noch kaum in Gold investiert. Der Grund: Gerüchte von Panikkäufen und einer bald platzenden “Gold-Bubble”. Nicht verunsichern lassen, mein Goldexperte Roland Stöferle.
Gold-Ralley Das Bubble Märchen Finanzportal Biallo.at
Roland Peter Stöferle, Investmentexperte der Erste Bank
Nur 0,8 Prozent der Finanzassets in Gold allokiert


Bei Betrachtung der Fakten, relativiert sich die Panikmache rasch. Derzeit sind knapp 0,8% aller globalen Finanzassets in Gold, Goldaktien und ETF’s investiert. 1932 lag die Allokation bei 20 Prozent, im letzten Bullenmarkt Anfang der 80er Jahre bei 26 Prozent. Würden insgesamt zwei Prozent aller Assets in Gold allokiert werden, so würde die zusätzliche Nachfrage ca. 85.000 Tonnen betragen. Dies entspricht der Minenproduktion für knapp 34 Jahre. Zwar ist dies ein reines Zahlenspiel, es zeigt jedoch auf, wie unbegründet der Mythos von einer Gold-Bubble ist. Einer alten Weisheit nach, sieht man spekulative Blasen immer dort, wo man selbst nicht investiert ist.

Amex Gold Bugs Index – Marktkapitalisierung 200 Milliarden USD

Ein Blick auf die Marktkapitalisierungen am Aktienmarkt zeigt ähnliches. Derzeit ist der Gold Bugs Index insgesamt mit knapp 200 Millisrden USD bewertet. Im Index sind die 16 größten ungehegten Gold- und Silberproduzenten inkludiert. Er ist somit für die Industrie sicherlich repräsentativ. Verglichen mit dem S&P 500 ist die Marktkapitalisierung der wichtigsten Gold-und Silberproduzenten winzig, sie beläuft sich (per 20. Mai) auf 1,9 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung. Verglichen zu Pharmatiteln sind es knapp 20 Prozent, selbst Exxon Mobil ist um 50 Prozent höher kapitalisiert als alle 16 Aktien aus dem Gold Bugs Index.

Physischer Markt leergefegt

Der physische Markt ist weiterhin im Aufwind. Die Münze Österreich (die zu den 5 größten Prägeanstalten der Welt zählt) feierte 2009 ein Rekordjahr. Es wurden 1,6 Mio. Unzen (in erster Linie Wiener Philharmoniker) abgesetzt. 2007 waren es noch 137.000 Stück gewesen. Insgesamt (inkl. Handelsgold, Barren etc.) stieg das Volumen von 277.600 auf 2.083.000 Unzen in 2009. 2010 dürfte sich dieser Trend fortgesetzt haben, in den 2 Wochen Ende April und Anfang Mai wurden knapp 250.000 Unzen verkauft, dies ist mehr als im gesamten 1. Quartal. Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage mussten Mitte Mai die Online-Shops von Pro-Aurum (einer der größten Edelmetallhändler Europas) kurzfristig geschlossen werden, um die enorme Nachfrage abzuarbeiten. 

Verkaufszahlen im Vergleich gering


Die hohen Verkaufszahlen relativieren sich jedoch, wenn man sie mit dem letzten großen Goldboom vergleicht. So erwartet Rand Refinery, die den weltberühmten Krügerrand prägt, für 2010 einen Absatz von einer Million Krügerrand und damit den höchsten Stand seit 26 Jahren. Zwischen 1974 und 1984 wurden allerdings zwei bis sechs Millionen Unzen pro Jahr abgesetzt. Auch die Verkäufe der US-Prägeanstalt sind im langfristigen Vergleich nur geringfügig über dem Mittelwert. In den ersten füf Monaten des Jahres wurden insgesamt 521.500 Unzen Gold verkauft.

Physische Käufe auf marginalem Niveau

Trotzdem wird derzeit vielerorts vor Panikkäufen und einer Goldbubble gewarnt. Setzt man die Zahlen in Relation erkennt man aber, dass die Skepsis absolut unbegründet ist. Der Rekordabsatz der Münze Österreich in Höhe von 250.000 Stück in zwei Wochen entspricht (bei 1.000 Euro je Unze) einem Volumen von 250 Millionen Euro. Die österreichischen Spareinlagen liegen aktuell bei 260 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass während der turbulenten „Griechenland-Wochen“ lediglich 0,0961 Prozent der österreichischen Spareinlagen in Gold allokiert wurden. Eine Bubble sieht wohl anders aus. Lt. Bloomberg sind aktuell 82 Billionen USD in Anleihen investiert. Die Frage nach einer Bubble wäre hier wohl begründeter. Bei einem Vergleich von Institutionellem Cash zeigt sich Ähnliches. Die Marktkapitalisierung von US-Geldmarktfonds beträgt per 20. Mai 4.123 Milliarden USD. Alle Gold ETF’s haben derzeit eine Market Cap von knapp USD 70 Milliarden, also lediglich 1,7 Prozent des Volumens.

Breite Masse ist kaum in Gold investiert

Um von einer Bubble sprechen zu können, muss die breite Masse investiert sein. Im Vergleich zur Housing-Bubble oder auch der Internet-Bubble, ist die Beteiligung der Bevölkerung im Goldbereich eher eine diskrete Privatveranstaltung. Oft ist auch zu lesen, dass die TV-Werbungen die zum Verkauf ermutigen, ebenso ein Anzeichen einer Blase sind. Unserer Meinung nach ist genau gegenteiliges der Fall. Im Falle einer Bubble müsste das fernsehende Publikum zu Käufen, nicht zu Verkäufen animiert werden.
Versenden
Kommentieren
Drucken
auf Facebook teilen
Twittern
Foto: Erste Bank ID:1117