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Mittwoch, 10.03.2010
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Folgen der Finanzkrise

Keine Gefahr der Bankenverstaatlichung

Dr. Rene A. Haiden, langjähriger Generaldirektor der Bank Austria und jetziger Präsident des Aufsichtsrates der M+A Privatbank, ortet im Gespräch mit Biallo.at keine Gefahr der Verstaatlichung österreichischer Banken im Gefolge der Finanzkrise. Haiden plädiert für bessere Wissensvermittlung der Schulen in Finanzfragen und spricht sich für eine Obergrenze bei der Einlagensicherung aus.
Einlagensicherung Verstaatlichung österreichischer Banken Finanzportal Biallo.at
Dr. Rene A. Haiden, Präsident des Aufsichtsrates der M+A Privatbank

Biallo.at: Bis wann wird die jetzige Finanz- und Wirtschaftskrise Ihrer Einschätzung nach überwunden sein?

Rene A. Haiden: Dies ist abhängig von der Wirksamkeit der weltweiten Konjunkturprogramme. Ich gehe davon aus, daß die USA bis zur Jahreswende 2009/2010 das Ärgste hinter sich haben werden, für Europa rechne ich ein Jahr später.

Biallo.at: Die führenden Banken in Österreich haben Staatshilfe in Milliardenhöhe beantragt. Rechnen Sie damit, dass es zu Verstaatlichung von Banken in Österreich kommt?

Haiden: Nach dem heutigen Stand ein klares Nein.

Biallo.at: Werden Österreichs Banken sich auch angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den osteuropäischen Ländern dort behaupten können oder rechnen Sie mit einem Rückzug?

Haiden: In einem auch in Zukunft sicherlich wieder stärker wachsenden Markt werden die heimischen Banken ihre Position dort nicht aufgeben, sondern vielleicht etwas differenzierter als in der Vergangenheit investieren.

Biallo.at: Sparer bekommen kaum noch Zinsen für ihre Sparguthaben – befürchten Sie ein Erlahmen der Sparneigung oder werden die Bürger aus Angst noch mehr sparen?

Haiden: Es gibt genug Anlagemöglichkeiten, auch mit höheren Zinsen, aber natürlich auch mit höheren Risken. Konjunkturpolitisch wäre es besser, wenn mehr konsumiert und weniger gespart wird. Die aktuelle Sparquote in Österreich liegt mit fast elf Prozent weit über dem langjährigen Durchschnitt von etwa sieben Prozent.

Biallo.at: Die Kreditvergabe sinkt laut Österreichischer Nationalbank. Wie stark wird der Rückgang bei der Kreditvergabe in diesem Jahr nach Ihrer Einschätzung noch werden?

Haiden: Die Kreditvergabe erfolgt wesentlich restriktiver, die Entwicklung ist auch ein Ergebnis der Investitionen, die nach einem Plus von 1,8 Prozent (2008) um 3,5 Prozent sinken werden (2009).

Biallo.at: Müssen die Banken angesichts der Krise bei Ihren Kreditnehmern Sicherheiten nachfordern, um Ausfällen vorzubeugen?

Haiden: Selbstverständlich hat eine schlechtere Entwicklung unserer Wirtschaft auch eine dementsprechende Auswirkung auf die Betriebe. Daher werden zunehmend Sicherheiten verlangt und diese werden zweifellos strenger geprüft.

Biallo.at: Wie kommen junge Menschen, die sich gerade eine Existenz aufbauen wollen und noch keine Sicherheiten aufweisen können zu Krediten  - beispielsweise für eine Wohnung, eine Arztpraxis oder als Freiberufler?

Haiden: Für die Existenzgründung gibt es eine Reihe von Förderungen, die in einem solchen Fall beansprucht werden können.

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Biallo.at: Vermitteln Österreichs Lehrer ausreichendes Wirtschaftswissen, so daß ihre Schüler gängige Geldanlageprodukte oder Kredite ausreichend verstehen und nicht auf Blender hereinfallen?

Haiden: Die letzte Schulreform in dieser Richtung erfolgte 1962, ich sehe bisher keine wesentliche Verbesserung. Diese erscheint allerdings in allen Schultypen dringend notwendig, um die mitunter sehr komplizierten wirtschaftlichen Vorgänge besser beurteilen zu können und auch Fehlhandlungen zu vermeiden.

Biallo.at: Soll aus Ihrer Sicht die hundertprozentige Einlagensicherung für Sparguthaben auch in den kommenden Jahren aufrecht erhalten werden, um den Menschen Sicherheit zu vermitteln? Und wenn ja wie lange?

Haiden: Diese Entscheidung hat die Politik zu treffen, eine Einlagensicherung sollte aber langfristig mit einer Obergrenze ausgestattet werden, schon deswegen, weil eine zu große Belastung des Bundes sich negativ auf das Rating der Republik Österreich auswirken würde.

Biallo.at: Der Druck - vor allem aus Deutschland - auf Österreich wird immer stärker, das Bankgeheimnis gegenüber ausländischen Steuerbehörden aufzugeben. Kann Österreich diesem Druck auf Dauer standhalten oder soll es das Bankgeheimnis in seiner jetzigen Form gegenüber ausländischen Behörden von sich aus aufgeben?

Haiden: Für ausländische Sparer kann Österreich nur im internationalen Konsens operieren. Eine Änderung für inländische Sparer sehe ich nicht als notwendig, außerdem hat Österreich traditionell eine andere Einstellung zum Bankgeheimnis als viele europäische Länder, insbesondere Deutschland.

Dr. Rene A. Haiden

1930 geboren, begann die Bankkarriere von Dr. Rene A. Haiden 1953 mit seinem Eintritt in die Zentralsparkasse Wien, die heutige Bank Austria. 1990 wurde er zum Generaldirektor der Zentralsparkasse bestellt, 1991 zum Generaldirektor der Bank Austria als deren Chef er 1995 in Pension ging. Derzeit ist Haiden unter anderem Präsident des Aufsichtsrates der M+A Privatbank. Zusammen mit Erwin J. Frasl und Josef Taus ist Haiden Herausgeber des Buches "Österreichs Kreditwirtschaft - Von der Reichsmark über den Schilling zum Euro" (Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien).

Erwin J. Frasl   14.05.2009

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