07.01.2013

Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)

Mehr Wettbewerb kann Inflation dämpfen

Von Erwin J. Frasl
Eine Intensivierung des Wettbewerbs im Energiebereich und eine Deregulierung der Preisbildung von nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln könnten schon kurzfristig inflationsdämpfend wirken, stellt das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) fest.
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Zu geringer Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt

Die Bemühungen Österreichs zur Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes ließen bisher mangels Begleitung durch eine strengeWettbewerbs- und Regulierungspolitik keinen gut funktionierenden Markt entstehen, stellt das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Wien fest. Von der Liberalisierung unangetastet blieb die starke Position der Energieversorgungsunternehmen (EVU) der Bundesländer und größeren Stadtwerke, die sich - durch Verfassungsgesetz abgesichert - mehrheitlich in öffentlichem Eigentum befinden und nur begrenztmiteinander (über die Bundesländergrenzen hinweg) konkurrieren.

Missbrauchsaufsicht marktbeherrschender Energieversorgunger notwendig

Die österreichischen Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden sind gefordert, die marktbeherrschenden Energieversorgungsunternehmen einer effektiven Missbrauchsaufsicht zu unterziehen, so das Institut für Wirtschaftsforschung.

Bisher waren die diesbezüglichen Aktivitäten, wie z. B. das Wettbewerbsbelebungspaket "Strom", durch Ausgestaltung und Implementierung sowie mangels eines effektiven Monitorings unzureichend und nicht geeignet, um funktionierenden Wettbewerb sicherzustellen, kritisiert das WIFO.

In der Praxis wirken viele Marktzutrittsschranken

Marktzutrittsschranken ergeben sich in der Praxis vor allem durch die nicht effektive Trennung von Netz- und Wettbewerbsgeschäft, insbesondere im Verteilnetzbereich, sowie durch eine unzureichendeMarkttransparenz, die sich besonders beim Wechsel- und Abrechnungsprozess nach wie vor in substantiellenWettbewerbsbeschränkungen äußert.

Der Automatisierung,Standardisierung und Zentralisierung der Wechsel- und Abrechnungsprozesse kommt deshalb im Rahmen derWettbewerbsintensivierung grundlegende Bedeutung zu. DieserStandardisierungsprozess bedarf der begleitenden Steuerung und derstrengen Überwachung durch die Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden,
um ein wettbewerbsförderndes und diskriminierungsfreies System zu
realisieren.

Entflechtung der Machthaber überfällig

Darüber hinaus sollte die mehrfache Rolle des Bundes und der Länder als Eigentümer der öffentlichen Versorgungsgesellschaften, als fürdie Rahmenbedingungen der Marktliberalisierung verantwortliche Gesetzgeber sowie als für die Konzessionserteilung und die Überwachung der Entbündelung zuständige Aufsichtsorgane entflochtenwerden.

In einer "politischen Kraftanstrengung" wären diesewettbewerbshemmenden Interessenkonflikte nachhaltig aufzulösen. DieSanktionsmöglichkeiten des Regulators E-Control bei missbräuchlichem bzw. gesetzwidrigem Verhalten der Energieversorgungsunternehmen sind
auszubauen.

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Wegfall der Apothekenpflicht nicht rezeptpflichtiger Arzneimittel

Nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, die in Österreich ausschließlich über Apotheken abgegeben werden, sind ein weiterer Markt, dessen Deregulierung ohne Qualitätsverlust substantielle Preissenkungenerwarten lässt. Das hohe Preisniveau resultiert aus den nationalen Regulierungsbedingungen: Durch eine durchgehende Regulierung der Wertschöpfungskette (vom Fabriksabgabepreis über den Großhandelspreis bis zum Apothekenabgabepreis) ist die Preisbildung den Marktkräften entzogen.

Nicht rezeptpflichtige Arzneimittel: Substantielle Preissenkung durch Deregulierung

Da der Beratungsbedarf und das Schutzbedürfnis der Konsumenten wesentlich geringer sind als bei rezeptpflichtigen Medikamenten, könnte der Vertrieb dieser Selbstmedikationspräparate ohne Qualitätsverlust weitgehend freigegeben werden. Eine rigorose Deregulierung der Spannen und ein weitgehender Wegfall der Apothekenpflicht für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel könnten den  Preiswettbewerb deutlich beleben. Die zu erwartenden Preissenkungen wären substantiell.

Foto: Colourbox.de ID:2289