
Private Zusatzpensionen sollen steuerfrei bleiben
Im Gespräch mit Biallo.at erläutert der Präsident des Pensionistenverbandes Karl Blecha die brandaktuellen Vorschläge, dessen Kern das Modell einer Pauschalbesteuerung ist. Danach sollen die Bezieher einer privaten Zusatzpension eine pauschale Einkommenssteuer auf einmal entrichten. Die laufenden Bezüge der privaten Zusatzpension sollen dann von der Einkommenssteuer verschont bleiben.
„Der Vorteil für den Finanzminister“, so Karl Blecha, „ er bekommt sofort Geld“, das er gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise gut gebrauchen kann und für die Bezieher von Leistungen aus einer privaten Pensionskasse ist dies eine große Erleichterung. Denn sie verfügen zumeist über bessere Einkommen, so dass sie bei der geltenden Gesetzeslage einen hohen Anteil ihrer Zusatzpension der Steuer opfern müssen.
Härtefonds soll Pensionskassen-Pensionisten helfen
Der Staat soll nach den Vorstellungen von Blecha, der auch Präsident der europäischen Seniorenorganisation ESO ist, einen Teil jenes Geldes, dass er nach diesem Modell jetzt auf einmal bekommt, in einen Härtefonds einzahlen, der jenen hilft, die besonders hohe Verluste bei ihren Ansprüchen an die Pensionskassen erlitten haben und erleiden.
Blecha, der immer ein Gegner des sogenannten 3-Säulen-Modells in der Altersvorsorge war, sieht sich durch die schlechte Performance der Pensionskassen in seiner Haltung bestätigt. Als erste Säule sollte die gesetzliche Pension den Bürgern eine Grundsicherung bieten. Eine Betriebspension sollte die zweite Säule bilden und eine private Zusatzpension sollte dann die dritte Säule bilden.
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Mindestertragsgarantie für Pensionskassen
Die „ erste Säule“ wurde aus der Sicht von Blecha in der Zeit der VP-FP-Regierung ständig geschwächt und so das Vertrauen in die gesetzliche Altersvorsoge schwer erschüttert, so dass der Weg für die zweite und dritte Säule erst frei wurde. Auch diese 3. Säule wird mit einer staatlichen Prämie gefördert. Da derartig geförderte Privatpensionen das Geld der Anleger aber zumindest zu 40 Prozent in österreichische Aktien investieren müssen, so Blecha, wurde damit eher die Wiener Börse gefördert als die Menschen, die so eine private Zusatzpension ansparen. Dazu kommt, daß im Zuge des Absturzes der Börse während der jüngsten Finanzkrise auch diese 3. Säule der Altersvorsorge Einbussen verkraften musste. Hier hätte man unbedingt auch sichere Staatsanleihen setzen müssen, so Blecha.
Unrealistische Rendite der Pensionskassen
Die Gelder, die für die betriebliche Altersvorsorge vorgesehen waren, wurden in private Pensionskassen umgeleitet, die mit „einer unrealistischen Rendite von 7,5 Prozent“ warben und so die Zustimmung der Leute erreichten, ihre Rechte von der Betriebspension an die privaten Pensionskassen zu übertragen, kritisiert Blecha. Die Unternehmen waren so ihre Verpflichtung gegenüber ihren Mitarbeitern los, für die Pensionskassen selbst gab es dabei kein Risiko, das blieb allein bei den Berechtigten einer Pensionskasse. Diese leiden mittlerweile auf Grund der sehr schlechten Performance ihrer Pensionskassen unter hohen Verlusten bei ihren Ansprüchen.
Die Rechtlosigkeit er Berechtigten einer Pensionskasse zeigt sich auch dabei, dass der Einzelne gar kein Recht hat, da es nur ein kollektives Recht aller Berechtigten gibt. Denn die Unternehmen haben beim Übergang von dem System der Betriebspensionen hin zu den privaten Pensionskassen die Verpflichtungen kollektiv übertragen. Auch hier will Blecha mit der Kraft seines Verbandes, der entscheidenden Einfluss auf den Ausgang jeder Wahl in Österreich hat, auf jeden Fall eine Änderung der Gesetzeslage durchsetzen und das jetzige System „zerschlagen“.
Recht aus Pensionskasse auszutreten
Jeder Einzelne soll das Recht erhalten, aus dem jetzigen System der Pensionskassen auszutreten und seine Ansprüche zum Beispiel in eine einfache Lebensversicherung umzuschichten. Eine weitere Wahlmöglichkeit soll auch darin bestehen, die Gelder aus der Pensionskasse herauszuholen und damit in der gesetzlichen Pensionsversicherung Versicherungszeiten nachzukaufen und somit eine höhere gesetzliche Pension zu erreichen.
Zudem soll es in Zukunft Wahlmöglichkeiten geben, die die unterschiedlichen Lebensphasen der Teilnehmer an einer Pensionskasse berücksichtigt: Junge Menschen könnten danach Anlageformen mit hohem Ertrag wählen, ältere Menschen, die nur noch wenige Jahre bis zu Pension vor sich haben, sollen sich für sichere Anlagen mit geringerer Rendite entscheiden können.
Karl Blecha wurde 1933 in Wien geboren. Er studierte an der Wiener Universität Psychologie, Ethnologie und Soziologie. Von 1963 bis 1975 war er als Direktor des Institutes für Empirische Sozialforschung in Wien tätig. In seinem politischen Leben war Karl Blecha u.a. Stellvertretender Obmann der sozialistischen Parlamentsfraktion, Zentralsekretär der SPÖ, stellvertretender Parteivorsitzender der SPÖ und Bundesminister für Inneres. Seit 1999 ist Karl Blecha Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs und des Österreichischen Seniorenrates, der gesetzlichen Interessenvertretung der älteren Generation. Blecha ist auch Präsident der Europäischen Seniorenorganisation (ESO), der Vertretungen aus über 20 Ländern angehören.
Dem Österreichischen Seniorenrat obliegt die gesetzliche Interessenvertretung von etwa 2 Millionen Seniorinnen und Senioren in Österreich. Als Dachverband der großen Pensionisten- und Seniorenorganisationen dient er als überparteiliches Gesprächsforum für alle Angelegenheiten, die ältere Menschen betreffen, und gewährleistet eine starke Vertretung aller Senioren.
Der Pensionistenverband Österreichs der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) hat 385.000 Mitglieder . Er sieht sich u.a. als starke Interessensvertretung, wenn es um Pensionen, Soziales, Konsumentenschutz und Euro geht. Er bietet Rat, Hilfe und Beratung in Pensionsfragen, bei Gebührenbefreiungen, zu Fragen des Pflegegeldes, bei Steuer-, Rechts- und Testamentsangelegenheiten.
