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Scheinheilige Debatte um Pensionsantrittsalter

Arbeiten bis 70?

07.07.2010
Von Erwin J. Frasl
Staat und Unternehmen laden Mitarbeiter u.a. mit üppigen finanziellen Abschiedsgeschenken beim Arbeitsmarktservice und dem Pensionssystem ab, um Kosten zu sparen. Während mancher Mitarbeiter auf diese Weise schon mit 52 Jahren in die Pension gedrängt wird und so macher Beamter seine Pension schon Mitte 50 geniessen kann, soll der Rest der Bevölkerung immer länger arbeiten. Vielleicht sogar bis 70.
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Aus allen politischen Ecken werden Österreichs Werktätige mit guten Ezzes versorgt, warum sie länger arbeiten und später in Pension gehen sollen. Das gilt auch für die Europäische Union, deren EU-Sozialkommissar Laszlo Andor mit seinem "Grünbuch", eine breite Debatte über die Zukunft der Pensionen in Europa einleiten möchte. Samt Aussicht auf ein Pensionsantrittsalter von 70 Jahren.

Staat und Unternehmen laden Mitarbeiter im Pensionssystem ab

Gerade der Staat Österreich, der sowohl das faktische als auch das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Menschen nur allzu gerne anheben möchte, hat einen Teil seiner Beamten, darunter viele Lehrer, die weit jünger als 60 Jahre waren, mit großzügigen Angeboten in die Pension gelockt. Die Banken verabschieden noch immer Mitarbeiter, die gerade mal 55 Jahre sind in Pension, um Kündigungen zu vermeiden. Die unter Staatseinfluss stehende Bahn, aber auch ehemalige Staatsunternehmen wie Telekom Austria und Post befreien sich von ihren beamteten Mitarbeitern mit üppigen Angeboten knapp nach deren 50. Geburtstag – und bei Landesbeamten oder Mitarbeitern der Nationalbank winken Pensionen schon zehn Jahre früher als bei schlichten Arbeitern, Angestellten und Selbständigen.

Angesichts der Strategie von Privatunternehmen ebenso wie dem Staat, zu teure bzw. nicht mehr benötigte Mitarbeiter im Pensionssystem abzuladen, mutet es wie Hohn an, für den Rest der Bevölkerung eine Erhöhung des Pensionsalters zu debattieren. Zuerst gilt es den Arbeitsmarkt politisch so zu gestalten, dass es sich für keinen Arbeitgeber – auch den Staat nicht - lohnt, Mitarbeiter in die Pension zu drängen. Parallel dazu müssen die Privilegien in einzelnen Bereichen, wie etwa bei den Landesbeamten, beseitigt werden.

Am Ende dieser Entwicklung heißt es dann noch die Europäische Union zu einer tatsächlichen Sozialunion zu gestalten, in der auch im Pensionssystem EU-weit gleiche Standards gelten und nicht der Eindruck entsteht, dass die EU vor lauter Transferleistungen kreuz und quer durch Europa nur noch eine Umverteilungsmaschinerie ist, anstatt ein Motor für Wachstum, Leistung und hohe Sozialstandards für alle EU-Bürger nach gleichen Spielregeln. Davon sind wir derzeit weit entfernt.
 

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Leserkommentare

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20.07.2010 14:15 Uhr
Herb Klusak: Segnungen der EU/NWO
Ja, das war mir bei der EU-"Abstimmung" schon klar: Von nun ab
gings bergab! Ohne Steuer- und Sozial-
gesetzgebungsharmonisierung wird das
nichts. Jetzt (und das Ärgste kommt noch) haben wir das Gequirlete...
14.07.2010 17:06 Uhr
Hans Christian: Pensionstheater
Alle die Experten und "Weisen" die den späteren Pensionsantritt propagieren vergessen immer eine Liste von Firmen und Institutionen beizulegen, die bereit sind 70jährige zu beschäftigen.
Foto: Rente Pension Ruhestand ID:925
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